Black Monday: Kritik zur 1. Folge der neuen Börsen-Dramedy auf Showtime

Black Monday: Kritik zur 1. Folge der neuen Börsen-Dramedy auf Showtime

Showtime wirft in der halbstündigen Börsen-Dramedy Black Monday einen Blick auf die farbenfrohen, kokainbestäubten 80er Jahre an der Wall Street, bei der nicht nur Geld aus dem Fenster fliegt und gnadenlos um lukrative Aktiendeals gekaupelt wird. Die Pilotfolge fängt dieses Gefühl launig ein - doch reicht das aus?

„Black Monday“ (c) Showtime
„Black Monday“ (c) Showtime
© ??Black Monday“ (c) Showtime

Es wird nicht sehr lange dauern, bis viele Zuschauer von Black Monday auf eine sehr naheliegende Assoziation zu der neuen Showtime-Produktion, die in den USA am 20. Januar ihre Premiere gefeiert hat, stoßen. Das Format von Jordan Cahan (Marry Me) und David Caspe (Happy Endings), hinter dem die beiden ausführenden Produzenten und Regisseure Seth Rogen und Evan Goldberg stehen, ähnelt doch sehr Martin Scorseses Exzess-Blockbuster „The Wolf of Wall Street“. Auch in dem Spielfilm von 2013, der für zahlreiche Auszeichnungen nominiert wurde (darunter fünf Oscars) und einige davon einheimsen konnte, beschäftigt man sich mit einem schwarzen Tag in der Börsengeschichte: der 19. Oktober 1987, der sogenannte „Back Monday“, ein Tag, an dem an der Wall Street in New York alles in die Binsen ging und ein monströser Crash ganze Existenzen ausgelöscht hat.

Was „The Wolf of Wall Street“ für die Filmwelt ist, möchte nun anscheinend „Black Monday“ für die Serienwelt sein. Ähnlich zackig, unmittelbar, schambefreit und aggressiv trägt die Dramedy ihre Prämisse, Charaktere und Exposition vor - von einer richtigen Handlung kann man in der Auftaktepisode noch nicht wirklich sprechen -, als Unterstützung dient dabei ein überragend aufgestellter Cast, der die flotten Dialogzeilen, frechen Sprüche und kreative Obszönitäten des Drehbuchs selbstbewusst runterrattert. So geht es in der Pilotfolge von „Black Monday“ durchaus kurzweilig, wenngleich etwas ungeordnet und chaotisch zu, was angesichts des Themas und der Welt, in die die Zuschauer entführt werden, Kalkül sein dürfte. Die Macher wollen ihr Publikum mit der aufbrausenden, unverblümten Art der Serie offensichtlich mitten ins Gesicht treffen. Das gelingt bisweilen ganz gut, doch der erwünschte Effekt tritt nicht immer ein. Das Problem: All der Exzess fühlt sich phasenweise furchtbar hohl an.

The promised land

Die Geschichte von „Black Monday“ konzentriert sich auf eine Reihe von Charakteren, die in der absurden Börsenwelt der Wall Street Ende der 80er Jahre beheimatet oder auf dem besten Weg sind, ein Teil von dieser zu werden. Der unabhängige Wertpapierhändler Maurice „Mo“ Monroe (Don Cheadle, House of Lies) hat sich bereits einen Namen gemacht und sagt den etablierten Elite-Börsianern, wie zum Beispiel den Lehman Brothers, nun den Kampf an. Unter seiner Führung hat sich indes Traderin Dawn Darcy (Regina Hall, Ally McBeal) in ihrem vorwiegend männlich dominierten Arbeitsumfeld etabliert, während der unerfahrene Träumer Blair Pfaff (Andrew Rannells, Girls) kurz davor ist, in das verrückte Spiel um Aktien, Optionen und Fonds einzusteigen. Dabei will er auf einen eigens programmierten Algorithmus („The Force“) setzen, der das Handeln an der Wall Street effektiv und erfolgreich gestalten soll.

Der Auftakt von „Black Monday“ widmet sich allen voran dem exzentrischen Selfmade-Supermakler Mo, der einen kniffligen Plan ausgeheckt hat, um die Konkurrenz abzuhängen und den Respekt zu erhalten, den er sich verdient hat. Wie sich zum Ende der Folge herausstellt, könnte der naive Blair ein entscheidendes Zünglein an der Waage spielen, um Maurice' Vorhaben (die Akquirierung der Mehrheitsanteile eines Jeans-Unternehmen, das er als versteckte Goldgrube bezeichnet) in die Tat umzusetzen. Dieses ambitionierte, minutiös vorbereitete Projekt wird wiederum mit der eigentlichen Frage der Serie und dem Titel selbst zusammenhängen: Wie konnte es überhaupt zum „Black Monday“ kommen? Die Handlung setzt genau ein Jahr vor dem verhängnisvollen 19. Oktober 1987 ein. Was passiert also in den nächsten 365 Tagen, wer war wirklich für den großen Crash verantwortlich und wie passen Charaktere wie Mo, Blair und Dawn in diese geschichtsträchtige Börsenkatastrophe rein?

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Showtime
Showtime - © Showtime

Hard times

Black Monday beleuchtet demnach pro Episode stets einen Tag im Leben unserer Protagonisten auf dem einjährigen Weg zum verhängnisvollen Börsencrash am 19. Oktober 1987. 365 Folgen der Serie wird es jedoch nicht geben, was wahrscheinlich auch besser so ist. Denn selbst, wenn man mit der exzellenten Darstellerriege und den vielen amüsanten Querverweisen auf popkulturelle Phänomene der Spätachtziger eine ganze Menge Spaß haben kann, merkt man der Serie in ihrer Auftaktfolge durchaus an, dass sich das angewandte Erzählkonzept recht schnell abnutzen könnte. Das hohe Tempo ist Fluch und Segen zugleich. Wie ein Wirbelwind saust Don Cheadle durch die verschiedenen Szenen, die Schlagfertigkeit von Mo reißt einen sofort mit. Ganz ähnlich verhält es sich bei anderen Charakteren, die ebenfalls mit allen Wassern gewaschen sind und fast immer eine clevere Antwort auf eine nicht so clevere Frage haben.

Das ist unterhaltsam, bisweilen aber auch anstrengend. Es dauert nicht lange, da kommt einem der Stil der Serie fast schon wie ein Gimmick vor, mit dem man die Zuschauer vernebeln und in einen Rausch versetzen will. Der gleiche Rausch, den Mo erfährt, wenn er sich auf ein teures Risikogeschäft einlässt. Der gleiche Rausch, von dem sich sehr wahrscheinlich auch Blair wird packen lassen, wenn er sich seiner neuen „Berufung“ vollends hingibt, um zu beweisen, dass er kein Verlierertyp ist. Unter dieser vorlauten, mit reichlich Drogenkonsum und vulgären Witzen zugepflasterten Oberfläche vermag die erste Folge von „Black Monday“ es aber leider nicht, mehr als die wilden Achtziger an der Wall Street zu präsentieren. Man feuert aus allen Rohren und liefert eine schwungvolle Show ab, doch der emotionale Unterbau erschließt sich einem kaum, sofern er denn überhaupt vorhanden ist. Warum sollte ich mit den verschiedenen Charakteren mitfiebern? Die Pilotepisode tut sich schwer, diese sehr wichtige Frage zu beantworten.

The Algorithm of the Night

Für die Regie zeichnen wie bereits erwähnt Seth Rogen und Evan Goldberg verantwortlich und hier könnte das „Problem“ liegen. Rogen und Goldberg sind ein notorisches Regieduo, das für eine bestimmte Art der Inszenierung steht. Siehe im Serienbereich Preacher und Future Man. Bei vielen Produktionen vertrauen sie auf sogenannten „Frat Humor“ (oder auch Sophomoric Humor und „Stoner Comedy“: Die Inhalte sind eher pubertärer Natur, Rauschmittel kommen regelmäßig zum Einsatz, Gags unter der Gürtellinie sind obligatorisch. Und das ist okay, nicht wenige erfreuen sich an dieser Art des Humors. Und es passt auch zu dem wilden Setting, welches wir in „Black Monday“ vorfinden. Manch ein Spaß bewegt sich jedoch hart an der Grenze, entweder zur Geschmacklosigkeit oder der unnötigen Übertreibung, einzig existent, um schnelle Lacher zu generieren. Wenn dann gut 30 Minuten Laufzeit mit unzähligen solcher Momente gespickt sind, in denen kurz ein Witz gerissen wird, den man aber sofort wieder vergisst, kann das eben zu einem Problem werden.

Black Monday“ tappt ein Stück weit in diese Falle und verkommt so zu einer Art Sketchansammlung ohne richtigen Plot oder Figuren. Die Sketche selbst sind wiederum alles andere als unlustig („Top Gun? It was just a bunch of white boys trying to butt-fuck each other in the clouds“), doch am Ende bleibt die Sorge bestehen, ob man auf lange Sicht mehr Substanz reinbringen kann (Beispiel „The Wolf of Wall Street“, in dem letztlich ebenso viel über die Abgründe der menschlichen Natur und die Korrumpierbarkeit des Individuums wie über die Auswüchse eines perversen Lebensstils referiert wird) oder aber Episode für Episode „nur“ ein zotiges Abenteuer nach dem anderen abgerissen wird. Ob man diesen Spagat meistern kann, daran wird sich Black Monday messen lassen müssen. Die Besetzung, der Stil, der Soundtrack, all das hat Potential und hebt die Serie von Beginn an auf ein mehr als solides Niveau. Nun muss es in die Tiefe gehen. Und nein, ich meine nicht das, was ihr denkt, Seth und Evan.

Die erste Staffel von „Black Monday“ steht in Deutschland parallel zur US-Ausstrahlung zunächst über die VoD-Dienste von Sky zur Verfügung. Die lineare Ausstrahlung im Pay-TV startet am 11. März auf Sky Atlantic.

Trailer zu Black Monday:

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