Black Lightning: The Resurrection - Review/Kritik der Pilotepisode

© ??Black Lightning“ (c) The CW
Die US-Serie Black Lightning ist bereits die fünfte Serie, die auf einer Comicreihe von DC basiert und beim amerikanischen Sender The CW (und in Deutschland kurz danach bei Netflix) läuft. Senderchef Mark Pedowitz hat versprochen, dass der Plan es vorsieht, maximal vier Superhelden gleichzeitig auf Sendung zu haben, was wiederum durch kreative Programmplanung gelöst werden soll.
Bei so vielen Serien, die für Otto Normalzuschauer sehr ähnlich aussehen, ist es wichtig, ein Alleinstellungsmerkmal zu finden. Black Lightning hat dabei einen Cast, der fast ausschließlich aus schwarzen Schauspielern besteht, aber auch einen Titelhelden, gespielt von Cress Williams, der deutlich älter als die anderen Protagonisten der Arrowverse-Serien ist. Dazu kommt, dass es sich nicht um eine „Origingeschichte“ handelt, sondern dass der Held viel Erfahrung mitbringt. So viel, dass er sich vor neun Jahren zur Ruhe gesetzt hat, um sich um seine Familie zu kümmern.
Doch aktuelle Ereignisse rund um seine beiden Töchter, die rebellische Aktivistin Annisa (China Anne McClain) und die partyhungrige Jennifer (Nafessa Williams), zwingen ihn zum Umdenken und aus dem Superheldenruhestand. Jennifer wird wegen ihres Aktivismus verhaftet, Annisa schleicht sich in Clubs, in denen sie an die falschen Leute gerät und Teile der Polizei scheinen korrumpiert zu sein, denn die Serie bildet im Serienpiloten The Resurrection eine brutale Polizeikontrolle ab, die in den Nachrichten so oder so ähnlich viel zu oft in den Schlagzeilen erschienen ist. Darüber hinaus gibt es Probleme mit Gangbrutalität durch die 100 Gang, die immer wieder Opfer fordert. Was sonst oft eine Spezialität von Law & Order ist, nämlich das Bedienen bei aktuellen Schlagzeilen, wird zumindest in der ersten Ausgabe der Serie als „Mission Statement“ genommen, um den Helden wiederzuerwecken.

Jefferson Pierce ist Schulleiter der Garfield High, die durch ihre positive Art, die Schüler zu motivieren, auffällt und die mindestens sieben Jahre ohne Gewaltakte ausgekommen ist. Weil eine Clubbekanntschaft von Annisa in Gangaktivitäten verwickelt ist und für Ärger mit der Gang an der Schule sorgt, ändert sich das und der Blitz schlägt wieder ein, um seine Kinder zu retten.
Kein Bezug zum Arrowverse
Eine weitere Abtrennung zum sonstigen DC-Universum, auch als Arrowverse bekannt, ist die Tatsache, dass es (noch) keine Verbindung zu diesem gibt. Die Serie spielt in ihrem eigenen kleinen Kosmos und steht auf eigenen Beinen. Das war in der ersten Staffel von Supergirl größtenteils auch so, wobei Dimensionsportale und 52 verschiedene Welten Möglichkeiten zu Crossovern eröffnet hatten. Allerdings ist der Zwang zur Verknüpfung von allem auch nicht immer notwendig. Es ist gut, es einer solchen Serie zu ermöglichen, ihre eigenen Wurzeln zu schlagen und eine eigene Mythologie aufbauen zu lassen. Spannend ist es auch deswegen, dass der Black Lightning als Mann in den besten Jahren mehr Erfahrung hat und als zweifacher geschiedener Familienvater andere Probleme hat als die meist jüngeren Helden in den anderen Serien. Zudem ist die Lebenserfahrung in einer vornehmlich schwarzen Community eine andere als bei einem Milliardärserben, einer der letzten Überlebenden eines toten Planeten oder eines Tatortermittlers mit Supergeschwindigkeit.
Jeffersons Job als Schulleiter ermöglicht es sehr einfach, die Probleme der Jugendlichen ins Zentrum zu rücken, wenn das gewollt ist. Seine beiden Töchter sind im Piloten bereits Hauptfiguren, die sehr unterschiedliche Typen sind und auch der Konflikt zwischen Verantwortung für die Familie und für die Nachbarschaft wird schön herausgearbeitet. Ich stelle mir für den weiteren Verlauf vor, dass ein Stück weit vielleicht Geschichten rund um soziale Probleme eingebaut werden könnten, wie bei The Guardian mit Simon Baker - nur eben mit Superheldenelement.
In durchaus stylischen schwarz-weiß und roten Flashbacks sehen wir ein Versprechen, das Jefferson seiner Frau Lynn (Christine Adams) gibt, nachdem er offenbar nur knapp mit seinem Leben aus einem Abenteuer zurückgekehrt ist. Allerdings wirkt es so, als wäre der Frieden mit den Gangs teilweise teuer erkauft. Zwar gibt es einen Nichtangriffspakt zwischen Gangbossen und der Highschool, aber jeder Pakt hat irgendwann ein Ende, wenn sich die kleinen Fische nicht mehr daran halten, was der Hai oder der Wal vorschreiben...

In diesem Fall ist es ein Wal, denn Tobias Whale (Marvin Krondon Jones III) ist der große Verbrecherboss, der das Sagen hat und der seinen Erzfeind für tot hielt. Im Fall der Gestaltung der Schurken läuft die Serie Gefahr, eventuell zu nah an Arrow zu sein. Da gilt es für die Serienmacher Mara Brock Akil and Salim Akil Kreativität zu beweisen, denn auch Marvel-Serien wie Daredevil und Luke Cage oder das Batman-Prequel Gotham von FOX haben einen Gangsterboss als „Big Bad“ respektive Kingpin schon präsentiert. Gibt es hier einen frischen Ansatz, der sich nicht wie eine Wiederholung einer ausgelutschten Trope anfühlt? Das müssen die folgenden zwölf Episoden der ersten Staffel zeigen.
Lightning strikes again

Der Cast der Serie macht in der Pilotepisode einen guten Eindruck. Cress Williams hat auf jeden Fall viel Potential als Leading Man und erfahrener Superheld (siehe auch Lead). Aufpassen muss man vielleicht ein wenig bei den Actionszenen, damit diese nicht zu eindeutig nach Stuntperson aussehen, denn der jüngste ist der Schauspieler ja nicht mehr, was auch im Auftakt durchblitzt. Gespannt bin ich außerdem, ob und wie abwechslungsreich die Kräfte inszeniert werden. Reicht schocken und schweben lassen sowie Elektrizität abstellen, um Abwechslung zu bringen?
Die Jungdarsteller müssen in den folgenden Folgen ebenfalls noch zeigen, aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Die Jennifer-Darstellerin hat mir spontan etwas besser gefallen als ihre Schwester, während Christine Adams solide wie eh und je auftritt. James Remar hat als Superheldenschneider Peter Gambi eine Art Mentorenrolle inne, die eine interessante Variante von Batmans Alfred sein könnte.
In der Interaktion der beiden kommt auch einer meiner Lieblingsmomente des Piloten zum Tragen, als Gambi ihn befragt, warum er Black Lightning wurde und Hoffnung als eine Absicht genannt wird, aber Jefferson aufzählt, dass es ein immerwährender Kreis ist, aus dem man schwer den Absprung schafft. Das erinnert mich an das fast zwanghafte Verhalten so mancher Superhelden - auch hier ist wieder Batman zu nennen -, die so etwas wie eine Sucht und einen massiven Helferkomplex entwickeln und nie den Absprung zu schaffen scheinen, ehe es irgendwann zu spät ist - für sich, die Familie oder die engsten Vertrauten.
Am Ende der Pilotepisode ist Jefferson, wie zu erwarten war, wieder im Superheldenkostüm unterwegs, doch es muss sich zeigen, ob er effektiver ist im Kostüm oder außerhalb davon, denn als Schulleiter scheint er ebenfalls ein positives Vorbild zu sein, zu dem die Schüler aufsehen. Als jemand, der die DC-Serien von The CW verfolgt, wünsche ich mir, dass man sich etwas mehr vom Rest absetzt. Über kurz oder lang entwickelte sich bei „Arrow“, Flash und „Supergirl“ immer ein Team rund um Techniker, Wissenschaftler und Schlauköpfe, was zusammen die Schurken und das Verbrechen bekämpft. Vielleicht bleibt es hier beim Duo? Es dürfte unwahrscheinlich sein, weil die Töchter in der Comicvorlage und wie hier am Episodenende angedeutet, auch Superkräfte entwickeln.
Dann wäre es wenigstens eine Familienangelegenheit, was auch seinen Reiz hätte. Oder man spielt weiterhin die Karte aus, dass echte Probleme der Menschen um ihn herum im Zentrum stehen. Das gelingt beispielsweise bei Arrow nicht immer, wenn man an die Folge zu den Waffengesetzen denkt, die hier im Black Lightning-Piloten direkt mal authentischer und gleichzeitig an mehreren Fronten (Polizeigewalt, latenter Rassismus, Gangs) verarbeitet wird. Man muss nur aufpassen, dass man die Figuren dann nicht zu sehr auf Probleme reduziert, die auf ihre Hautfarbe oder soziale Hintergründe zurückgeführt werden.

Fazit
Black Lightning ist ein reiferer und erfahrenerer Superheld als die Kollegen aus dem Arrowverse, was durchaus ein Vorteil sein kann, weil die Serie von Mara Brock Akil und Salim Akil sich so Themen verschreiben kann, die bei den anderen Serien nicht möglich wären. Der Serienpilot stellt seine Welt ordentlich vor und bringt den Helden aus dem Ruhestand zurück, dabei steht seine Familie klar im Mittelpunkt. Gespannt kann man sein, welche Geschichte in der ersten Staffel erzählt wird und wie kreativ seine Kräfte eingesetzt werden. Ebenso wäre es gut, wenn die Stuntarbeit im Endeffekt effektiv umgesetzt wird. Mir hat der Auftakt gefallen, wobei ich hoffe, dass die Serie andere Wege bestreitet als ihre DC-Kollegen auf dem gleichen Sender und ihre Alleinstellungsmerkmale besser zu nutzen weiß.
Trailer zur nächsten Episode, The Morning After (1x02), der US-Serie Black Lightning: