Black Doves ist eine hochkarätig besetzte, klassische Agentenserie - und das im besten Sinne

Black Doves ist eine hochkarätig besetzte, klassische Agentenserie - und das im besten Sinne

Mit Keira Knightley, Ben Whishaw, Tracy Ullman und Andrew Buchan besetzt Netflix die neue Agentenserie „Black Doves“ hochkarätig und erzählt eine klassische, actionreiche und rasante Spionagestory, die von der ersten Minute an Spaß macht. Lest mehr in unserem Review zur Pilotfolge.

Keira Knightley in der Serie „Black Doves“
Keira Knightley in der Serie „Black Doves“
© Netflix

Das passiert in der Netflix-Serie „Black Doves“

Helen Webb (Keira Knightley) ist in der Serie Black Doves die Ehefrau des britischen Verteidigungsministers und außerdem eine hingebungsvolle Mutter. Jedenfalls offiziell, denn in Wahrheit ist sie eine der Top-Agentinnen der Organisation Black Doves und spioniert ihren Mann aus... Als ihre heimliche Affäre Jason (Andrew Koji) eines Abends auf offener Straße von einem Auftragskiller ermordet wird, geraten jedoch sowohl ihr normales Leben als auch die Geheimidentität unter Beschuss, denn Jason war offenbar mehr als nur ein Geschäftsmann und Liebhaber.

Er war einer großen Sache auf der Spur, die in seiner Todesnacht noch zwei weiteren Menschen das Leben kostete und die nun weitere Kreise zieht, als es der Black-Doves-Chefin (Tracy Ullman) lieb ist. Um die nun entstehenden Probleme aus der Welt zu schaffen, ruft diese ihren Topkiller Sam (Ben Whishaw) zur Hilfe, dessen erster Job gleich darin besteht, der zu neugierigen Helen das Leben zu retten, als zwei Auftragskillerinnen sie eliminieren wollen. Nun gilt es, so schnell wie möglich die Hintermänner zu ermitteln und herauszufinden, was hinter den Morden steckt, denn sonst gerät nicht nur Helen in Gefahr, sondern auch ihre beiden Kinder, ihr Ehemann und die gesamte Organisation...

Ein rasanter Einstieg

Drei Tote in drei Minuten. So beginnt der neue potentielle Serienkracher „Black Doves“ bei Netflix; am Ende der knapp 50-minütigen Pilotfolge sind es bereits fünf. Dieser hohe Bodycount ist ein gutes Indiz dafür, dass der Serienerfinder Joe Barton (The Lazarus Project keine Zeit vergeudet und fix zur Sache kommt. Für das Publikum ist das nur gut, denn auf diese Art gelingt es dem Showrunner, die Zuschauenden ohne langes Vorgeplänkel direkt ins Geschehen zu ziehen.

Wer da ermordet wurde und was die Frau des britischen Verteidigungsministers mit der Sache zu tun hat, erfahren wir direkt im Anschluss. Einleitung, Teaser, all das benötigt das Drehbuch nicht. Wozu auch, wenn man in beinahe atemlosem Tempo durch den Einstieg rast. Mit anderen Worten macht die Debütepisode von der ersten Minute an Spaß und das ist in der heutigen Serienlandschaft dann doch recht selten geworden.

Die Story

Eine zarte Person wie Keira Knightley in die Rolle einer mit allen Wassern gewaschenen Topspionin zu stecken, die in der Mitte der Folge sogleich ihren ersten, harten Kampf auf Leben und Tod führt, erweist sich im Anschluss an die noch relativ harmlose Einführung der Figur als kongeniale Idee. Nach außen ist Helen nichts weiter als Ehefrau und Mutter, doch noch während der Weihnachtsparty ihres Politikergatten lernen wir die Chefin des Spionagerings Black Doves kennen, ohne allerdings zu erfahren, für welche Regierung diese tätig ist.

Eine große Rolle spielt das indes auch nicht, zumal Helen eine Liebesaffäre hatte, die sie nun in große Schwierigkeiten bringt. Beziehungen aus Liebe sind in ihrem Geschäft nämlich generell eine dumme Idee, wie wir gemeinsam mit ihr feststellen, zumal der ermordete Jason mehr als nur ein Geschäftsmann mit starken Gefühlen für sie war.

Die Hauptfigur erfährt dies aber erst im Verlauf der Episode und glaubt zunächst noch an einen Zufall, bis sie die Wohnung des Ermordeten aufsucht, um näher nachzuforschen. Eine versteckte Festplatte und zwei knallharte Killerinnen lassen nicht nur die Anzahl der Eliminierten auf fünf hochschnellen, sondern erfreuen das Auge mit einer toll choreografierten Actionszene.

Inzwischen ist auch Helens Freund und Kollege Sam im Geschäft, der zu ihrer Unterstützung gerufen wurde und kein Problem damit hat, eine der Angreiferinnen mit einer Shotgun zu erledigen. Spätestens hier hat einen „Black Doves“ in den Bann gezogen. Ein Spionage-Plot in bester „James-Bond“-Manier, coole Action und knackige Figuren: Was will man mehr?

Nun, da gäbe es vielleicht noch etwas, zum Beispiel eine verzwickte Geschichte. Ausgehend von der Pilotfolge bietet die Serie allerdings auch das, denn am Ende des ersten Teils sind wir genauso klug wie vorher. Wir wissen lediglich, dass die drei Ermordeten irgendetwas miteinander zu tun hatten, dass eine Person namens Sly involviert sein könnte, und dass Helen in Schwierigkeiten steckt.

Da bleibt in Sachen Storytelling also noch viel Raum zur Ausweitung und das ist in gleich mehrfacher Hinsicht gut. Erstens ist der Spannungsbogen immens hoch angesetzt, zweitens ist das aufgrund der nur sechs Folgen umfassenden Staffel notwendig und drittes erfordert die relativ kurze Laufzeit ein hohes Tempo und ein noch besseres Timing im Einsatz der Plotpoints.

Ein klein wenig Kritik

Bis jetzt deutet alles darauf hin, dass Joe Barton all das gut im Griff hat und uns eine Story voller Wendungen und Action bietet. Mit einer Ausnahme. In den letzten zehn Minuten gönnt sich Regisseur Alex Gabassi eine kleine Auszeit, um die Figur des Sam Young näher zu beleuchten. Ob das so nötig gewesen wäre, ist natürlich eine Frage des Geschmacks, ich selbst empfand die Szenen, in denen sich Sam mit alten Freunden zum Essen trifft aber als leichten Bruch in der Erzählung.

Sicherlich sind kleine Atempausen nicht falsch, doch dass Sam wie jeder andere Agent ein Doppelleben führt, war ohnehin klar. Es sieht aber nicht danach aus, als würde sein Liebesleben eine so wichtige Rolle spielen, dass man diesem zehn Minuten Sendezeit am Stück schenken muss. Allerdings ist das Meckern auf hohem Niveau, denn die Episode endet mit einem coolen Cliffhanger, der eine atemlose Fortsetzung verspricht. Außerdem wirkt sich die Szene auch nicht wirklich störend auf das Gesamtergebnis aus, so dass das oben Geschriebene bitte eher als Anmerkung denn als echte Kritik zu verstehen ist.

Fazit

Keira Knightley und Ben Whishaw in der Serie „Black Doves“
Keira Knightley und Ben Whishaw in der Serie „Black Doves“ - © Netflix

Joe Barton legt mit dem Einstieg zu „Black Doves“ gut vor und verspricht uns damit eine atemlos inszenierte Staffel, die von einem starken Ensemble getragen und erstklassig inszeniert ist. Keira Knightley und Ben Whishaw bilden ein tolles Team und brillieren in ihren Rollen. Tracy Ullman macht ihre Sache gut und der sympathische Andrew Koji ist als ermordeter Liebhaber der Hauptfigur zwar nur in Flashbacks zu sehen, dafür aber sehr präsent.

Klar, die Idee, einen Spion vordergründig ein normales Leben führen zu lassen und ihn aus dieser Tarnung heraus in ein wahnwitziges Abenteuer zu schicken, ist typischer Agentenstoff. Doch genau das will die Serie schließlich ja auch sein. Unterhaltsame Actionkost im Gewand einer Thrillerserie, die Spaß macht und gut zu unterhalten weiß. Was das anbelangt, stehen alle Zeichen auf go. Wer also derartige Stoffe mag, kann bedenkenlos einschalten. Wir wünschen viel Spaß.

Unsere Wertung: viereinhalb von fünf Spionen.

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