Mit Better Things soll Pamela Adlon bei FX niemand Geringeres als den Kritikerliebling Louis C.K. und dessen Ausnahmeserie Louie beerben. Dass sie tatsächlich haben könnte, was es dazu braucht, zeigt sie schon in der Pilotepisode.

Sam Fox (Pamela Adlon) und ihre jüngste Tochter Duke (Olivia Edward) in der Pilotepisode von „Better Things“ / (c) FX
Sam Fox (Pamela Adlon) und ihre jüngste Tochter Duke (Olivia Edward) in der Pilotepisode von „Better Things“ / (c) FX

Es ist durchaus erstaunlich, dass eine begabte Schauspielerin, Synchronspecherin und Autorin wie Pamela Adlon (Californication, King of the Hill) erst mit 50 Jahren die Chance erhielt, Star einer eigenen Serie zu werden. Doch offenbar hat sie selbst nie so recht daran geglaubt oder gar darauf gehofft. „Are you fucking crazy?“, soll sie zu ihrem langjährigen Freund und Kollegen Louis C.K. gesagt haben, als dieser ihr vorschlug, eine Serie für den Kabelsender FX zu produzieren. Mit ihm zusammen trat sie bereits 2006 in der kurzlebigen HBO-Sitcom Lucky Louie auf und später wurde sie sowohl vor als auch hinter der Kamera zu einem wichtigen Teil seiner Ausnahmeserie Louie, deren Zukunft weiter offensteht.

Louis C.K. weiß also von den Fähigkeiten Adlons und ließ deshalb nicht locker. Letzten Endes konnte er sie überzeugen und so feierte Better Things mit der Pilotepisode Sam/Pilot nun Premiere. Ob die Serie tatsächlich zur legitimen Erbin von Louie werden kann, muss sich erst noch zeigen. Damit seiner potenziellen Nachfolgerin die ersten Schritte gut gelingen, leistete C.K. anfangs etwas Unterstützung: Er beteiligte sich an den Drehbüchern und übernahm die Regie bei der Auftaktepisode.

Dating my daughters

Die ersten Parallelen zu Louie werden bei Better Things bereits in der grundlegenden Prämisse der Serie deutlich, sogar schon beim Namen der Hauptfigur. Aus Louis wird Louie und aus Pam wird Sam - ein klarer Hinweis der beiden, dass das Präsentierte autobiografisch ist. Außerdem sind beide Protagonisten Künstler: Er ein deprimierter Stand-Up-Komiker in New York, sie eine gestresste TV-Schauspielerin in L.A. Die dritte offensichtliche Parallele ist, dass beide alleinstehende Eltern mehrerer Töchter sind, wobei Sam eindeutig mehr gestraft/gesegnet wurde, da sie nicht nur zwei, sondern drei Kinder und für jedes von ihnen das volle Sorgerecht hat. Klar also, dass das Muttersein eine wichtige Rolle in der Serie spielt, so fiel zum Beispiel auch beim Titellied die Wahl auf John Lennons „Mother“.

Dabei verläuft sich Adlon zum Glück nicht in den typischen Klischees, die dieses Thema oftmals mit sich bringt. Man sieht nicht erst einen Konflikt, dann eine Lösung und damit die Lektion, sondern vielmehr das echte Leben. Als Mutter verhält sich Sam vielleicht nicht immer ideal und offensichtlich hat sie Schwierigkeiten, hart durchzugreifen, doch zumindest respektiert sie die Intelligenz ihrer Kinder und zeigt ihnen auch ehrlich ihre Schwächen. Hier sieht man weitere Parallelen zu Louie. Die Kinderdarstellerinnen Mikey Madison (Max), Hannah Alligood (Frankie) und Olivia Edward (Duke) stehen dabei Hadley Delany (Lilly) und Ursula Parker (Jane) in wenig bis gar nichts nach.

Pamela Adlon (mitte) präsentiert in %26bdquo;Better Things%26ldquo; die Alltagsprobleme einer alleinstehenden Mutter. © FX
Pamela Adlon (mitte) präsentiert in %26bdquo;Better Things%26ldquo; die Alltagsprobleme einer alleinstehenden Mutter. © FX

Ohnehin sind die Töchter interessant gezeichnet. Jede von ihnen hat einen eigenen Weg gefunden, Sam das Leben schwer zu machen: Während sich Max, die Älteste, der Welt der Drogen hingibt, rebelliert die Mittlere, Frankie, auf politischer Ebene. Das Nesthäkchen Duke will hingegen nur Zeit mit ihrer Mutter verbringen und nimmt damit die letzten paar Stunden in Anspruch, die Sam noch für sich übrig hat. Für Sam sind ihre Kinder eine der drei Säulen ihres Lebens: Kinder, Arbeit, Dating.

Und während sie bei ihren Kindern trotz aller Anstrengungen niemals ans Aufgeben denken würde, zeigen sich in den Bereichen Arbeit und Dating bereits erste Ressentiments. Als sie an einem Casting teilnimmt, offenbart sich im Gespräch mit einer Konkurrentin/Freundin zum Beispiel eindeutig der Zynismus, den sie gegenüber ihrer Berufung als Schauspielerin über die Jahre entwickelt hat. Längst hat sie verstanden, dass man noch so gut sein kann, doch dass es immer jemanden geben wird, der besser ist. Außerdem weiß sie, dass die wenigen Rollen, die für sie in Frage kommen, fernab großer Kunst liegen. Als eine Freundin von Max sie auf ihr Engagement als Synchronsprecherin einer Zeichentrickfigur anspricht, erwidert sie schlicht: „Life sucks“.

Auch im Bereich Liebe und Sex hat Sam so ihre Probleme. Offenbar hatte sie das ein oder andere Date mit alleinstehenden Vätern der Freunde ihrer Kinder, doch aus diesen wurde nichts. Außerdem gibt es noch einen mysteriösen SMS-Kontakt, den sie zwar zu mögen scheint, der aber bereits selbst in festen Händen ist. So ist die einzige kleine Freude, die sich Sam am Abend gönnt, ein Glas Whisky. Nicht mal zum Masturbieren findet sie Zeit oder gar das richtige Material, da die Welt der Internetpornografie einfach nicht ihren Geschmack trifft; sie will „etwas Echtes“ und Frauen in ihrem Alter sehen.

Fazit

Als „etwas Echtes“ kann man auch die Serie Better Things selbst bezeichnen. Ich scheue mich, bei der Beschreibung dieser Serie das Wort Comedy zu verwenden, obwohl die Pilotepisode viele lustige Momente bietet. Der Humor ist anders als in Sitcoms, denn hier werden die Witze nicht erst lang und aufwändig vorbereitet, sondern sie passieren einfach - ganz wie im echten Leben. Adlon verglich diesen Stil, den sie von Louis C.K. gelernt hat, wortgewandt mit einem „Furz“: Je nachdem, wie die Leute darauf reagieren, wird es entweder lustig oder unangenehm. Doch das bedeutet nicht, dass sich Adlon dem Realismus fest verschrieben hat. Genau wie in Louie gibt es auch in ihrer Serie Momente des Übernatürlichen, hier zum Beispiel eine Traumvision.

Zwei für den Ton der Serie nicht unerhebliche Unterschiede im Vergleich zum Vorbild liegen beim Soundtrack und beim Tempo. Während Louie von andauernder Jazzmusik gezeichnet ist, kommt Better Things größtenteils ohne Untermalung aus. Hin und wieder werden jedoch einige Stücke eingestreut, die herrlich absurd wirken - fast wie bei Breaking Bad. In Sachen Tempo legt Adlons Werk den Maßstab eindeutig höher. Die einzelnen Szenen sind meist sehr kurz, wodurch der Erzählfluss passend zu Sams stressigem Alltag recht schnell ausfällt.

Better Things ist also nicht nur eine „weibliche Version“ von Louie, sondern zeigt schon früh eigene Nuancen und damit einen legitimen Existenzanspruch. Trotzdem sind sich beide Serien ähnlich genug, dass C.K.-Verehrer fraglos auf ihre Kosten kommen. Der FX-Präsident John Landgraf kann sich derweil ein wenig zurücklehnen, da er in Adlon nun sein nächstes Wunderkind gefunden haben könnte.

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