Better Things 2x10

© ie Zwiebel als Anti-Kater-Mittel - wer kennt sie nicht? / (c) FX
Dass wir von SERIENJUNKIES.DE® die FX-Dramedy Better Things lieben, lässt sich alleine schon daran erkennen, dass die Serie beinahe jede Woche einen Auftritt in unserer Top-of-the-Week-Auflistung hatte. Wir lieben sie für ihre Wärme, ihren Humor, ihre Schauspielerinnen und ihre hinreißende visuelle Umsetzung. Wir lieben sie dafür, dass sie alltägliche Familienprobleme in witzige kleine Geschichten verpackt, die aus dem Format eher eine Ansammlung von Kurzgeschichten macht, denn eine Serie, die zusammenhängende Storys erzählt.
It's not over
Nun war jedoch einen Tag nach der vielleicht besten Episode der gesamten Serie, der vorletzten der zweiten Staffel, White Rock, eine niederschmetternde Wahrheit ans Licht gekommen: Louis C. K., Produzent und Autor des Formats sowie langjähriger Geschäftspartner von Showrunner und Hauptdarstellerin Pamela Adlon, wurde in der New York Times des sexuellen Fehlverhaltens beschuldigt und gab diese Anschuldigungen kurze Zeit später auch zu. Was bedeutet dies nun für unseren Konsum der Serie?
Der Sender traf auf Anfrage die deutliche Feststellung, dass die Rolle C. K.s bei „Better Things“ nicht überbewertet werden sollte. Dies sei Adlons Serie. Das stimmt zwar, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass C. K. am Drehbuch jeder einzelnen Episode dieser exquisiten zweiten Staffel beteiligt war, einige davon sogar komplett schrieb. In der kommenden, bereits bestellten Staffel wird es diese Kooperation nicht mehr geben, da der Sender sämtliche Verbindungen zu C. K. gekappt hat. Die Frage, wie mit seinem Material umzugehen ist, löst das jedoch nicht.
Wahrscheinlich muss jeder Zuschauer dafür selbst ein Rezept finden: Schafft man es, den Menschen vom Künstler zu trennen? Ich habe so schnell keine Lust mehr, mir irgendetwas von oder mit C. K. anzuschauen, weil ich dabei schlichtweg sofort an seine Taten erinnert werden würde. „Better Things“ hat dahingehend den Vorteil, dass C. K. nicht selbst vor der Kamera steht. Ich weiß natürlich trotzdem, dass er beteiligt war, aber ich will auch die Errungenschaften von Adlon und ihrem Team nicht schmälern. Im Gegenteil: Sie soll all die Lobpreisungen bekommen, die sie für ihre brillante Serie verdient.

Der vielleicht größte Verdienst von „Better Things“ ist die einfache Tatsache, dass die Serie ein in diesen Zeiten bitter benötigtes Gegengift zu all den furchtbaren Männern darstellt, die das Showgeschäft bis jetzt in ihrem eisernen Griff hielten. Hier geht es im Kern um die Frauen in einer Familie, ihre vertrauenswürdigen männlichen Freunde und Verwandte und nur ganz am Rande um diejenigen, die keinen Pfifferling wert sind. Hier wird eben kein Antiheld abgefeiert, der mit seinem Verhalten durchkommt, weil er ja ach so talentiert in Bereich xy ist. Wir brauchen so etwas momentan.
Thank you for the food and the DJ, please don't be here
Die Finalepisode Graduation ist genau das. Sie handelt von der Schulabschlussfeier von Sams (Adlon) ältester Tochter Max (Mikey Madison). Damit wird ein schöner Kreis geschlossen zur ersten Episode der zweiten Staffel, in der Sam eine Party für ihre Freunde veranstaltete, die von Max gekapert wurde und zu einer der schönsten Szenen der gesamten Serie führte, als sich alle versammelten, um die von Zukunftssorgen geplagte Max zu trösten. Dieses Mal denkt die älteste Fox-Schwester nicht so weit voraus. Dieses Mal hätte sie nur gerne ein paar Tacos, Eiskrem, Bier und die Abwesenheit ihrer Mutter.
Bis auf den Alkohol werden ihr sämtliche Wünsche erfüllt, was natürlich nicht bedeutet, dass sie am nächsten Morgen nicht doch mit einem gigantischen Hangover aufwachen würde. Sam lässt es sich natürlich nicht nehmen, ihre Tochter mit der angeblich heilenden Wirkung der Zwiebel ordentlich zu verarschen, was mir wohlige Erinnerungen an das erste Mal einbrachte, als mich meine Eltern betrunken erlebten. Kurze Zeit später ist der Kater aber Vergessenheit, bei Max dominiert die Freude darüber, dass sich sämtliche Freunde der Familie und die Familie selbst bei ihr zu Hause einfinden, um ihren großen Tag zu feiern.
Am meisten Vorfreude hegt sie jedoch für die Ankunft ihres Vaters, mit dem sie ohne Sams Wissen ausgemacht hat, dass er sie zu den Feierlichkeiten begleitet. Spätestens, als Max zum zweiten Mal nach „my dad“ fragt, dürfte uns Zuschauern aber klar sein, dass sie einmal mehr bitterlich enttäuscht werden wird. Sam rechnet natürlich damit, dass ihr nichtsnutziger Exmann einmal mehr seine Nichtsnutzigkeit unter Beweis stellen wird, aber Max ist noch Kind genug, jedes Mal von neuem darauf zu hoffen, den Vater bei einer für sie wichtigen Veranstaltung begrüßen zu können.

So traurig der Moment ist, so herzerwärmend ist seine Auflösung. Statt ihres Vaters bieten sich sämtliche Freunde und Verwandte an, Max an ihrem besonderen Tag zu begleiten. Zu den Klängen von Lou Reeds „Perfect Day“ erkennt sie eine einfache Wahrheit: „You're the best mom in the world.“ Sie entscheidet sich für Rich (Diedrich Bader), der das mit einer witzigen Jubelszene feiert. Die Szene zeigt sehr schön, wie nah Drama und Komödie in dieser Serie liegen, wie spielend leicht Adlon und Konsorten dazwischen oszillieren.
Plastics, Benjamin
Üblicherweise sind Songs wie „Perfect Day“ den Höhepunkten in Serien und Filmen vorbehalten, hier jedoch muss Lou Reed die zweite Geige spielen. Am Tag nach der Abschlussfeier, von der wir Zuschauer gar nichts sehen, wundert sich Max beim Frühstück darüber, dass sie von ihrer Mutter gar kein Geschenk bekommen hat. Die zögert nur kurz, um es ihr zu geben: eine hinreißende Darstellung des Musikvideos zu „Tilted“ von Christine and the Queens, aufgeführt von Sam, Frankie (Hannah Alligood), Duke (Olivia Edward) und Phil (Celia Imrie) - den wichtigsten Personen im Leben von Max.
Es ist der grandiose Abschluss einer grandiosen Staffel. Die Reise-Geister-Familiengeschichte in deren vorletzter Episode mag noch ein bisschen toller gewesen sein als dieses Finale, aber es fällt allgemein nicht leicht, all die wunderbaren Momente, die uns diese Staffel beschert hat, in eine Reihenfolge zu bringen. Vielleicht sollte man das auch gar nicht versuchen. Better Things ist kein seriell erzähltes Format - am Ende der ersten Staffel wurde beispielsweise angedeutet, dass Frankie transsexuell sein könnte, was bis jetzt nicht mehr aufgegriffen wurde -, sondern eines individueller Momente.
Und davon gab es so, so viele wunderschöne. Die bereits erwähnte Party in der ersten Episode, Sams ausgedehnter Tagtraum in der zweiten, die Bekanntschaft mit Robin (Henry Thomas), die einfach off-screen beendet wurde, das dramatische Auftauchen der Demenz bei Phil, die gefakte Trauerfeier für Sam und Duke, die no-Tirade gegenüber Jeff (Greg Cromer), der Krieg zwischen Sam und Frankie und natürlich - NATÜRLICH - die atemberaubende Begegnung von Duke mit der Geisterfrau in Kanada. All das wurde von Adlon, Regisseurin sämtlicher zehn Episoden, in wunderbaren Bildern eingefangen. Dies ist ihre Serie, die uns hoffentlich noch viele Jahre begleiten wird.
Am besten lassen wir überall die Frauen übernehmen.
Verfasser: Axel Schmitt am Samstag, 18. November 2017(Better Things 2x10)
Schauspieler in der Episode Better Things 2x10
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