Berlin 1x01

© Netflix
Schon seit zwei Jahren ist das Haus des Geldes geschlossen. Davor war die spanische Erfolgsserie, die im Original „La casa de papel“ heiĂt und international als „Money Heist“ bekannt ist, eine der beliebtesten Eigen-Produktionen des Streamingdiensts Netflix ĂŒberhaupt. Noch kurz vor dem Serienfinale wurde die Bestellung vom Prequel Berlin rund um Pedro Alonso bekannt gegeben. Als kleinen Zwischenunterschlupf konnten die Fans des Franchise von Mastermind Ălex Pina zuletzt bei Haus des Geldes: Korea einkehren, das viele aufgrund der dort vorherrschenden politischen Brisanz sogar besser fanden als die Vorlage...
Nach einem ersten Blick in die neue Netflix-Serie - das Spin-off „Berlin“ -, die am heutigen Freitag, den 29. Dezember mit der achtteiligen Auftaktstaffel aufschlĂ€gt, muss man leider festhalten, dass die Reise in die Vergangenheit qualitativ ein RĂŒckschritt ist. Vor allem die Titelfigur wirft unzĂ€hlige Fragezeichen auf - und der Serienmacher Pina scheint sich nicht entscheiden zu können, was er eigentlich drehen will: Dramaserie oder Comedyserie. Weder das eine noch das andere gelingt ihm dabei jedoch...
Neben Alonso ebenfalls im Ensemble der Meisterdiebe und ihrer wohlhabenden Opfer: TristĂĄn Ulloa als DamiĂĄn, Michelle Jenner als Keila, Begoña Vargas als Cameron, Julio Peña FernĂĄndez als Roi, Joel SĂĄnchez als Bruce und YouTuberin Masi Rodriguez als Susi sowie Itziar Ituño als Raquel Murillo, Najwa Nimri als Alicia Sierra Montes, Miko Jarry als Olivier und MartĂn Aslan als Alain. Die Handlung spielt - entgegen der Erwartungen durch den Serientitel - allerdings in Paris.
Wovon handelt die Netflix-Serie âBerlinâ?
„Berlin“ setzt einige Jahre vor der Mutterserie ein. Man will uns den legendĂ€ren Juwelenraub zeigen, mit dem sich AndrĂ©s de Fonollosa (Alonso) spĂ€ter seinen Platz im Team des Professors (Ălvaro Morte) verdient. Der Plan ist richtig schön wahnwitzig: Man klaut erst einen antiken Bronzekelch aus dem Schloss eines MilliardĂ€rs, lĂ€sst diesen dann mit Chemikalien altern, versteckt ihn unter einer Kirche und beginnt dort mit fingierten Ausgrabungsarbeiten, um sich so einen Tunnelzugang zu einem benachbarten Auktionshaus zu buddeln und die wertvollsten Edelsteine der KönigshĂ€user Europas zu entwenden.

Bereits nach wenigen Minuten stecken wir mittendrin im groĂen Coup. Leider lĂ€sst sich - und so auch uns - der „Haus-des-Geldes“-Architekt Pina durch das hohe Tempo einige der spaĂigsten Station im Heist-Genre entgehen. Die Vorstellung des Teams wird genauso stiefmĂŒtterlich behandelt wie das Planschmieden. Zumal die dadurch eingesparte Zeit an anderer Stelle verschwendet wird: Es geht ermĂŒdend viel um Berlins gebrochenes Herz und seine sehr seltsame Stalking-Side-Quest.
Ganz allgemein kann man sich mit der Hauptfigur schwer tun: War der Professor in „Haus des Geldes“ bewundernswert fĂŒr seine ProfessionalitĂ€t, fehlt es Berlin sowohl an GenialitĂ€t als auch an Charisma. Ihm verzeiht man daher nicht, wenn er sein Team in Gefahr bringt, weil er sich zufĂ€llig in die Frau seines nĂ€chsten Opfers verliebt (oder wenn er archĂ€ologische SchĂ€tze vernichtet). Besonders unangenehm ist die Geiselszene ganz am Anfang, als er einem Mann mit dem Tod droht, um seine eigenen GefĂŒhle zu verarbeiten. Wenn wir schon keinen Helden kriegen, bitte wenigstens einen aufrichtigen Antihelden...
Wie gut ist die Netflix-Serie âBerlinâ?
Alles in allem unterstreicht die neue Netflix-Serie „Berlin“, dass „Haus des Geldes“ nie zur Spitzenklasse der Heist-Unterhaltung gehört hat. Ălex Pina denkt und arbeitet vor allem in Klischees: Er findet keine Freude in den Details der Methode wie der groĂe Meister Steven Soderbergh („Ocean's Eleven“), sondern darin, dass es cool aussieht - und auch darĂŒber lĂ€sst sich streiten. Dass im Jahr 2023 (fast 2024) ĂŒberhaupt noch grĂŒne ZahlenstĂŒrme als Hacking durchgehen, ist einfach albern. Ehrlich gesagt, weiĂ man auch nicht immer, was die Serie ernst meint und was nicht. Der musikalische Einsatz von „Je t'aime... Moi non plus“ ist hoffentlich ironisch gemeint gewesen...
Was der Serie „Berlin“ auch fehlt, ist ein Gegenspieler. Von den Behörden, die den Dieb:innen in die Quere kommen könnten, sieht man in Episode eins gar nichts. Im Gegensatz zum Original „Haus des Geldes“ findet auch das Ensemble keinen Platz. Ein bisschen was passiert da zwar zwischen Berlins SchĂŒtzling Roi (FernĂĄndez) und der Femme fatale Cameron (Vargas), aber auch das ist ziemlich oberflĂ€chlich und egal. Mehr als zwei von fĂŒnf Juwelen kann die Crew bei uns nicht ergaunern.
Hier abschlieĂend noch der Trailer zur Serie „Berlin“, die nun beim Streamingdienst Netflix gestartet ist:
Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 29. Dezember 2023Berlin 1x01 Trailer
(Berlin 1x01)
Schauspieler in der Episode Berlin 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?