Benders 1x01

Benders 1x01

Die neue Comedyserie Benders, in der wir einer Gruppe von passionierten Amateureishockeyspielern folgen, legt mit ihrer Pilotepisode einen charmanten Auftakt hin. Die ganz großen Lacher bleiben zwar (noch) aus, das flotte Drehbuch macht aber durchaus Lust auf weitere Folgen des Neustarts.

Andrew Schulz (in der Mitte) in der neuen IFC-Comedy „Benders“ / (c) IFC
Andrew Schulz (in der Mitte) in der neuen IFC-Comedy „Benders“ / (c) IFC

Der amerikanische Kabel- und Satellitensender IFC hat sich bekanntermaßen auf die Fahnen geschrieben, vor allem andersartigen Comedyformaten eine Chance zu geben, die sich zumeist weit abseits vom Mainstream bewegen. Das Sendermotto „Always on. Slightly off.“ ist Indiz genug für diese Programmpolitik, der Blick auf andere IFC-Formate schafft Bestätigung: Portlandia, Maron, The Increasingly Poor Decisions of Todd Margaret, das zwar abgesetzte, aber bei einer treuen Fanschar beliebte Garfunkel and Oates oder auch die beiden von mir sehr geschätzten The Spoils of Babylon und The Spoils Before Dying - allesamt Comedyformate, die nur wenige Zuschauer auf dem Radar haben, die sich aber ihre Nische verdient haben.

Gut möglich, dass Serienneustart Benders von Tom Sellitti und dem erfahrenen Serienmacher Jim Serpico (Rescue Me, „Maron“, Sex&Drugs&Rock&Roll) sich ebenfalls schon bald in ebendieser wiederfinden und ein treues Publikum für sich entdecken kann. Der kurzweiligen Pilotepisode der 20-minütigen Comedy gelingt ein angenehmer, wenn auch nicht wahnsinnig spektakulärer Einstieg in die Welt vier guter Freunde, die über ihre Leidenschaft zum Eishockey sowie ihre Mitgliedschaft in einem unterklassigen Verein miteinander verbunden sind. Die erste Episode von „Benders“ vermittelt dabei den Eindruck, dass die bevorzugte Freizeitbeschäftigung der Protagonisten vor allem als Rückzugspunkt funktioniert, an dem die Freunde stets zurückkehren und sich austauschen. Was für andere eine Bar ist, ist für unsere „Helden“ nun einmal die Eisfläche. Oder besser gesagt: die Ersatzbank, von der aus man ein gepflegtes Pläuschchen halten kann.

Stiff shafts

Als vermeintliches Oberhaupt der Freundesgruppe in „Benders“ gilt Paul, der ein glückliches Familienleben mit Frau und Kind führt. Wir lernen diesen in einer „Slice of Life“-Episode kennen, einer alltäglichen Situation, die einen durchaus finsteren Hintergrund hat. Denn der Großvater Pauls (herrlich gespielt von Altmeister Mark Margolis, vor allem bekannt als dauerklingelnder Tio Salamanca aus Breaking Bad) hat eine Bitte (oder eher Forderung) an seinen Lieblingsenkel, die Paul gehörig aus der Bahn wirft: Der Greis hat das Alter und Leben satt und möchte gerne das Zeitliche segnen. Und Paul kommt die Ehre zuteil, seinen Großvater um die Ecke zu bringen.

Es entspinnt sich eine zweifellos skurrile Geschichte, die bisweilen vielleicht etwas zu konstruiert wirkt, um Lacher und Schmunzler zu generieren. Der Ansatz der Comedy gefällt jedoch gut, denn anstelle einer ausgelutschten Prämisse (Freunde wollen ihre Verlierermannschaft in ein Erfolgsteam verwandeln und erleben dabei witzige Abenteuer) zu folgen, konzentriert man sich zunächst mehr auf die Charaktere und deren tagtägliches Dasein, so seltsam dieses gelegentlich auch anmutet.

Der Aufhänger um die Amateureishockeymannschaft wird eher zur Nebensache und zum gemeinsamen Nenner unserer Figuren. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass sich der Fokus im Laufe der Staffel auch einmal auf das äußerst erfolglose Team der vier Freunde verlagern könnte. Genauso gut vorstellbar ist aber auch, dass wir die vier nicht eine Minute auf der Eisfläche den Puck vorantreiben, sondern stets auf der Auswechselbank sitzen sehen, sich austauschend über die neuesten Ärgernisse in ihren Leben, stetig darauf wartend, endlich aufs Spielfeld stolpern zu dürfen.

The new Dexter

Eine charmante Idee der beiden Serienmacher Tom Sellitti und Jim Serpico, die übrigens bei dem Entwurf des Formats von Serpicos langjährigem Produktionskollegen Denis Leary unterstützt wurden. Nun liegt es an dem Autorenteam, nicht nur interessante Charaktere, sondern auch interessante Geschichten für ebensolche zu entwerfen. Die Geschichte um die Todessehnsucht des Großvaters von Paul ist ein erster guter Schritt, auch wenn die Handlung stellenweise etwas unausgegoren erscheint.

Jedoch nutzt man den schrägen Plot dafür, immer wieder erzählerische Ausreißer nach links und rechts zu machen, wodurch weitere skurrile Figuren ihren Auftritt feiern. Mark Margolis stiehlt hier als grantiger und sehr „direkter“ Zeitgenosse zwar allen die Show, doch auch Hauptdarsteller Andrew Schulz weiß zu gefallen. Gleiches gilt für Lindsey Broad (The Office), die Pauls Ehefrau Karen spielt und ein paar spaßige Szenen hat, von der eine wahrscheinlich zum komischsten Moment der gesamten Pilotepisode (dem unbeholfenen ersten Mordversuch Pauls an seinem Großvater) führt.

Tickle time

Überhaupt kann man festhalten, dass der Cast über eine gute anfängliche Chemie miteinander verfügt und sich bereits früh eine eigenwillige Dynamik (selbstverständlich inklusive zahlreicher freundschaftlicher Beleidigungen unter den Protagonisten) entspinnt, die vielversprechend ist. Naturgemäß bleiben einige der auftretenden Figuren noch etwas blass und einfach skizziert, doch das Interesse ist nach der Auftaktepisode durchaus vorhanden, um erfahren zu wollen, wohin die Reise für Benders gehen wird. The Sopranos-Fans dürfen sich zumindest auf einen baldigen Auftritt von Steve Schirripa (aka Bobby „Bacala“ Baccalieri) freuen, der in mehreren Episoden der Comedy zu sehen sein wird. Den markanten Dialekt New Jerseys, der einem in „Benders“ zu jeder Sekunde um die Ohren fliegt, sollte er ja nicht verlernt haben.

Für Zuschauer, die gerne mal etwas vom Comedyeinheitsbrei der Networkriesen wegkommen wollen, ist der Blick auf den Sender IFC schon seit längerer Zeit eine Empfehlung wert. Benders stellt eine weitere kleine, charmante Produktion dar, die sich sehr wahrscheinlich in der Kategorie „unter ferner liefen“ wiederfinden wird. Dennoch: Wer Lust auf recht sympathische Charaktere, eine gewisse Portion speziellen (New Yorker) Humors und unverblümt geschriebene Dialoge hat, sollte hier eventuell mal reinschauen. Auch wenn in der Pilotfolge nicht jede Pointe perfekt sitzt und dem Ganzen vielleicht noch der Zug zur Sache abhandengeht, „Benders“ verfügt über ausreichend Potential, in naher Zukunft über mehrere Episoden hinweg gut bis sehr gut zu unterhalten.

Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 10. Oktober 2015

Benders 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Benders 1x01)
Titel der Episode im Original
Choke
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 1. Oktober 2015 (IFC)
Regisseur
Jim Serpico

Schauspieler in der Episode Benders 1x01

Darsteller
Rolle
Lindsey Broad
Mark Gessner
Ruy Iskandar

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