Die neue USA Network-Comedy Benched startet furios, verliert im Laufe der Auftaktepisode aber ihren Drive. Eliza Coupe spielt darin eine erfolgreiche Anwältin, die nach einem öffentlichen Nervenzusammenbruch wieder bei Null anfangen muss.

Selbst in den peinlichsten Situationen macht Eliza Coupe als Nina Whitley noch eine gute Figur. / (c) USA Network
Selbst in den peinlichsten Situationen macht Eliza Coupe als Nina Whitley noch eine gute Figur. / (c) USA Network

Fans der in ihren Augen viel zu früh abgesetzten ABC-Comedyserie Happy Endings haben seit gestern einen neuen Hoffnungsschimmer. Einer der Stars dieser Serie ist nun nämlich in einer neuen Comedy zu sehen. Eliza Coupe spielt in Benched beim USA Network eine ehemals erfolgreiche und talentierte Anwältin, die noch einmal ganz von vorne anfangen muss, nachdem sie ihrer Karriere selbst den Gnadenschuss gegeben hat.

My breasts aren't going to win any awards

Dabei ist es nur allzu menschlich, wie Nina Whitley auf gleich zwei Hiobsbotschaften reagiert, die sie kurz nacheinander erreichen. Zunächst eröffnet ihr ihr einstiger Verlobter Trent (Carter MacIntyre) am Telefon, dass er nur drei Monate nach der Trennung heiraten werde. Die Nachricht kommt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt, denn eigentlich rechnet Nina damit, dass sie im bevorstehenden Firmenmeeting zur neuen Partnerin ihrer Kanzlei ernannt wird. Postwendend folgt jedoch der nächste Magenschlag: Statt Nina wird ihre Kollegin Debbie (Catherine Reitman) befördert - die laut Ninas Aussage für diesen Job viel weniger gut qualifiziert ist.

Was folgt, ist der frühe Höhepunkt dieser Pilotepisode. Zunächst versucht Nina, ihren Frust zu unterdrücken. Dann platzt es jedoch aus ihr heraus - zunächst nur tröpfchenweise, dann wie ein Wasserfall aus Wut, Zurückweisung und Enttäuschung. Coupe spielt in diesen Szenen ihr gesamtes komödiantisches Potential aus, und auch wenn einige Augenblicke (wie der im Fahrstuhl) altbekannte Comedytropen reproduzieren, musste ich mehrmals laut auflachen. Nichts anderes sollte ein Comedypilot erreichen wollen.

Ein erstes gelogenes „Congratulations, I'm so happy for you“ weicht einer Hasstirade gegen Debbies Brüste, die eigenen unfähigen und korrupten Kollegen, die erbrachten Opfer, den Vorgesetzten, einige Einrichtungsgegenstände und einen schwerkranken Kollegen. Am Höhepunkt ihres Zusammenbruchs tatscht Nina die ach-so-fantastischen Brüste ihrer nunmehr verhassten Kollegin an und testet deren Straffheit. Sie verabschiedet sich mit doppeltem Mittelfinger und einem enthusiastisch herausgebrüllten „Sayonara, motherfuckers!

Der witzige, furiose Auftakt weicht der Etablierung von Ninas neuen Lebensumständen, denn natürlich ist sie auf der Stelle von ihrem Chef entlassen worden. Sechs Monate später hängt ihr der Verlust ihres Hochglanzjobs immer noch nach. Nina muss jetzt wieder bei Null anfangen, im Büro einer Pflichtverteidigungskanzlei. Ihr erstes Auftreten wird von schweren Hip-Hop-Bässen begleitet, das Klientel lässt darauf schließen, dass hier kein Geld zu verdienen ist. Unter ihren neuen Kollegen kursieren wilde Gerüchte darüber, was sie bei ihrem alten Arbeitgeber angestellt hat: „The crazy lady who smashed a vase over Elton John's head? You're a legend.

This is court, people, not Maury Povich

Im neuen Team arbeiten Cheryl (Maria Bamford), Carlos (Oscar Nunez) und ein potentielles neues love interest, Phil (Jay Harrington). Bevor sie ihre Kollegen jedoch kennenlernen kann, schickt sie ihr neuer Chef Burt (Jack McGee) schon gleich zum ersten Termin ins Gericht. Dort muss sie mit Erschrecken feststellen, dass Trent als Vertreter der Staatsanwaltschaft die Anklage gegen ihre neuen Klienten führt. Als Richter Don Nelson (Fred Melamed) sie auch noch ohne Samthandschuhe anfasst, ist Nina bereit, alles sofort hinzuschmeißen.

Praktikantin Micah (Jolene Purdy), die von Nina zunächst als Lesbe und dann als Hogwarts-Absolventin bezeichnet wird, entfacht jedoch mit einem kurzen Appell ihren Kampfgeist - freilich ohne Erfolg. Ninas Auftritte im Gericht geraten zur Farce, sie muss eine Niederlage nach der anderen einstecken. Fairerweise muss man dazusagen, dass sie auch keinerlei Vorbereitungszeit hatte.

Abgesehen von der Anfangsszene passiert im Piloten von Benched nichts wirklich Spektakuläres. Sämtliche Witze, Gags und missliche Situationen hat man schon einmal gesehen. Eliza Coupe macht jedoch den Unterschied. Sie ist sich für nichts zu schade, und wenn eine Szene mal zu lange ausgewalzt wird (wie die mit der verschlossenen Tür), spielt sie diese würdevoll und erhobenen Hauptes. Der mitreißende und wirklich lustige Auftakt lässt indes hoffen, dass aus der Comedy mehr werden könnte als nur die x-te Aneinanderreihung bekannter Tropen. Dafür sprechen auch die teilweise exzellent besetzten Nebenrollen. Vor allem Bamford und Purdy stechen hier heraus. Sollte sich die Serie aber fortan an den Gerichtsszenen orientieren, heißt es für mich ganz schnell: „Sayonara, motherfuckers!

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