Behind Her Eyes: Review der Pilotepisode

© zenenbild aus Behind Her Eyes / (c) Netflix
In der sechsteiligen Miniserie Behind Her Eyes geht es um eine alleinerziehende Mutter, die eine Affäre mit ihrem Vorgesetzten anfängt und sich mit dessen Ehefrau anfreundet. Die Netflix-Serie basiert auf dem gleichnamigen Bestseller (im Deutschen: „Sie weiß von dir“) von Sarah Pinborough.
Das passiert in der Pilotepisode von Behind Her Eyes
Louise (Simona Brown) ist eine circa 30-jährige alleinerziehende Mutter, die in London einem Teilzeitjob als Sekretärin in einer psychiatrischen Praxis nachgeht. Als sie sich endlich mal einen Abend für sich gönnen möchte, geht sie in eine Bar und trifft dort auf David (Tom Bateman). Sie wirken beide eher ungeübt darin, jemanden in einer Bar kennenzulernen und beginnen eine holprige Konversation miteinander, bei der aber schnell klar wird, dass sie einander sympathisch sind. Einen von ihm selbst inszenierten Abschiedskuss bricht er jedoch ab. Wieso er das getan hat, findet Louise am nächsten Morgen heraus: David ist verheiratet. Zeitgleich wird ihr offenbart, dass David neu in der Praxis anfängt, in der sie arbeitet, und ab sofort ihr Vorgesetzter ist. Sie beschließen, die Sache zu vergessen und eine professionelle Beziehung aufzubauen.
Dass David Louise trotz seiner Ehefrau Adele (Eve Hewson, The Knick) küsst, weist auf Probleme in der Ehe hin. Dabei erscheint er ihr gegenüber eher kalt und verschlossen, während sie versucht, ihm alles recht zu machen. Hierbei kommt auch das Gefühl auf, dass sie ihn nicht verlieren möchte, was aber bereits passiert und sie ihm deshalb so oft ihre Liebe gesteht. Wie ihr Verhalten mit ihrem mentalen Zustand zusammenhängt, ist unklar. Sie muss jedoch aus irgendeinem Grund Medikamente nehmen. Es wirkt auch so, als hätte es in der Ehe der beiden mal einen unerfreulichen Vorfall gegeben, der die Ehe zu dem gemacht hat, was sie jetzt ist - und Adele dabei psychischen Schaden genommen hat. Bereits in ihrer Jugend hatte sie derartige Probleme, nachdem ihre Eltern in einem Feuer gestorben waren.
Auch Louises Gesundheitszustand scheint nicht ganz optimal zu sein: Sie schlafwandelt und träumt dabei immer wieder, dass ihr Sohn Adam (Tyler Howitt) verschwunden wäre. Ob diese Verlustängste aufgrund eines vergangenen Ereignisses oder einfach ohne Grund vorhanden sind, ist bisher unklar. Trotz ihrer Verlustängste und erstem Widerwillen lässt sie ihren Sohn mit seinem Vater Ian und seiner neuen, schwangeren Freundin für einen Monat nach Südfrankreich fahren. Louises Freundin Sophie hat sie davon überzeugt, dass sie sich auch mal Zeit für sich nehmen muss und diesen einen Monat dafür nutzen soll, mal endlich die Dinge zu machen, auf die sie schon so lange Lust, jedoch nie die Zeit dafür gefunden hatte. Was das genau ist, weiß sie selbst noch nicht so genau, denn die freien Wochenenden, an denen ihr Sohn bei seinem Vater war, hat sie für Haushaltskram und schäbige Fernsehsendungen genutzt. In den nächsten Wochen könnte ihre neue Bekanntschaft Adele eine Rolle spielen. In diese stürzt sie an einem freien Morgen hinein und spontan gehen sie einen Kaffee miteinander trinken, da sie einander indirekt kennen und Adele neu in der Stadt ist.
So kommt Behind Her Eyes rüber
Auf den ersten Moment erscheint das Konzept der Serie nicht besonders spannend, aus der Masse herausstechend, neu oder sehenswert: Zwei Menschen haben miteinander geschlafen, befinden sich jedoch in einem Vorgesetzten-Angestellten-Verhältnis und einer der beiden ist verheiratet. Dabei steht in der Pilotepisode dieses Dilemma allerdings eher weniger im Fokus. Stattdessen konzentriert sich die Netflix-Serie stark auf das Trio bestehend aus der Ehefrau Adele, ihrem Mann David und Louise. Hier wird ihr Alltag dargestellt, wodurch wir uns ein näheres Bild von den Figuren, ihrem Leben, ihrer Art und ihren Beziehungen zueinander machen können.
Diese Figuren sind und bleiben jedoch durch ihre Darstellung mysteriös und geheimnisvoll. Das trifft besonders auf die Ehe von Adele und David und den beiden Individuen an sich zu. Diese wirken zwielichtig und undurchschaubar. Als Zuschauer weiß man nicht, was man von ihnen und ihrer Ehe halten und erwarten soll. Dabei hängt ihre unbekannte Vergangenheit unweigerlich mit diesem Eindruck zusammen. Die Enthüllung dieser in den folgenden Episoden dürfte für große Spannung und Thriller-Momente sorgen - insbesondere, da diese mit dem instabilen, mentalen Zustand von Adele zu tun hat.
Durch die geheimnisvolle Inszenierung gelingt es der Serie bisher gut ein, unerklärliches Unsicherheits- beziehungsweise Gänsehautgefühl zu verursachen, ohne jedoch damit zu übertreiben. Das liegt auch an der Fokussierung auf die Personenkonstellationen, was ich für einen ausgezeichneten Startpunkt halte, um die nötige Spannung der Serie aufzubauen. Dabei ist die Performance der Schauspieler - insbesondere die von Eve Hewson - überaus positiv hervorzuheben. Ich bin mir sicher, dass sich dieses Gefühl mit der Zeit verstärken wird und die Netflix-Serie sich zu einem ausgezeichneten (Psycho-)Thriller entwickeln wird. Genügend Erfahrung für Thriller-Serien bringen die Showrunner auf jeden Fall mit. Zuvor waren sie - Angela LaManna und Steve Lightfoot - an Serien wie Hannibal, Punisher, Narcos und The Haunting of Bly Manor maßgeblich beteiligt.
Kleiner Tipp am Rande: Stellt Eure Bildschirme heller, wenn ihr „Behind Her Eyes“ anschaut. Die Miniserie hat doch viele Nachtszenen, bei denen man so gut wie nichts erkennen kann. Das ist zwar an manchen Stellen sicher so gewollt, da hier eine spannende und gruselige Atmosphäre erzeugt werden soll, kann aber in manchen Momenten ebenso nerven.
Fazit
Behind Her Eyes erweckt den Eindruck, als ob wir uns hier in äußerst fähigen Händen befinden und uns auf einen spannenden Psychothriller mit Dramaelementen freuen können. Den Fokus auf die Figuren zu legen, war eine gute Entscheidung, die durch die starken Darsteller gestützt wird. Schauspiel und Drehbuch beweisen in der Pilotepisode viel Potential, das es in den nächsten Episoden auszuschöpfen gilt. Dabei ist die Länge der Miniserie mit sechs Episoden à 50 Minuten durchaus bingeable.
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie: