Bauchgefühl: Kritik der Pilotepisode der ZDFneo-Serie

Bauchgefühl: Kritik der Pilotepisode der ZDFneo-Serie

In der neuen ZDFneo-Serie „Bauchgefühl“ findet Lena heraus, dass sie schwanger ist. Sie steht als Lehrerin vor einer Beförderung, ihr Mann steht ihr bei und ihre Tochter ist ein Sonnenschein. Lena steht vor einer großen Entscheidung: Soll sie die Schwangerschaft abbrechen?

Lena (Laura Berlin) in der Serie „Bauchgefühl“
Lena (Laura Berlin) in der Serie „Bauchgefühl“
© Lisa Eidenhammer/ZDF

Lena (Laura Berlin) hat einen liebevollen Mann, eine wunderbare Tochter und nun auch eine lange erhoffte Beförderung in Aussicht - und zu Beginn der Serie Bauchgefühl hat sie außerdem noch einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand... Kaum ein Thema wird so gerne umschifft und unter den Tisch gekehrt wie der freiwillige Schwangerschaftsabbruch. Die neue ZDFneo-Serie will das nun ändern.

Wovon handelt die Serie „Bauchgefühl“?

Lena und ihre Familie stehen in den Startlöchern für ihren Umzug nach Bangkok. Kurz vorm Kofferpacken dann die Überraschung: Lena ist schwanger. Gemeinsam mit ihrem Mann Max (Jan Liem) hat sie eine Tochter, mit der sie ein idyllisches Familienleben hat. Trotz dieser nach außen hin so guten Voraussetzungen für weiteren Nachwuchs möchte Lena jedoch die Schwangerschaft abbrechen.

Doch weder in ihrer Frauenarztpraxis noch bei ihrem Ehemann findet sie Unterstützung für diesen Plan. Nur ihre jüngere Schwester Tina (Luise von Finckh), eine Medizinstudentin, steht der Entscheidungsfindung offen gegenüber.

Der erste Kontakt mit dem Arzt ihres Vertrauens endet schon nach wenigen Minuten bei der Sprechstundenhilfe. Einen Termin will man ihr erst in Wochen geben, die Bitte um Dringlichkeit will man nicht verstehen, bis Lena Klartext spricht und das Wort Abbruch in den Mund nimmt. Dann wird ihr schmallippig empfohlen, ohnehin eine andere Praxis zu suchen, „so etwas“ biete man hier ohnehin nicht an.

Nachdem sie also immerhin Rückhalt von ihrer Schwester bekommen hat, steht das Gespräch mit ihrem Mann an. Doch der reagiert anders als gewünscht... Er bricht in Freude über die Aussicht auf ein weiteres Baby aus. Der erste Moment ist also nicht besonders gut gelaufen, wo geht es von dort aus hin für die beiden, denen ja auch noch ein gemeinsamer Umzug ans andere Ende der Welt bevorsteht...?

Wie kommt die Serie „Bauchgefühl“ rüber?

Während über die vergangenen Jahre viele Themen aus der Schweigeecke mehr oder weniger erfolgreich herausgeholt wurden, bleibt der Schwangerschaftsabbruch immer noch ein Tabu. Im Privaten wird selten darüber gesprochen, in der Öffentlichkeit findet ein Diskurs vor allem in anderen Ländern statt. Die Streitigkeiten in Amerika dringen zu uns herüber, aber haben so wenig mit der Situation hierzulande zu tun, dass man kaum einen Anknüpfungspunkt findet.

Wie die Situation in Deutschland ist, wissen die meisten wohl erst, wenn sie selbst oder eine Vertrauensperson in die Lage gekommen ist, sich damit auseinandersetzen zu müssen. Wie die anderen Menschen im eigenen Umfeld über das Thema Schwangerschaftsabbruch denken, kann man meistens selbst bei guten Freunden nur erahnen...

Es ist also ein schwieriges Feld, das sich die Macher der Serie Bauchgefühl da ausgesucht haben - aber deswegen natürlich umso wichtiger. Auch wenn das Thema in Film und Fernsehen mittlerweile hin und wieder auftaucht, ist es doch ein großer Schritt, die Protagonistin wirklich in die Klinik zu schicken. Oft steht der moralische Konflikt offen im Mittelpunkt, aber am Ende fällt die Entscheidung dann doch gegen den Abbruch. Lena geht die Sache anders an. Noch bevor sie jemandem von ihrer Situation erzählt hat, bekommen wir als Zuschauer:innen den Eindruck, dass sie deutlich in eine Richtung tendiert.

Im Mittelpunkt der ersten Episode steht weniger der emotionale Aspekt als eher die Tatsache, wie ihre Umwelt sie mit diesem Wunsch empfängt. Die schneidende Stimme der Sprechstundenhilfe geht in eine so realistische Richtung, dass einem vor der Mattscheibe schon unwohl wird. Eine freie Entscheidung gibt es für Lena nicht mehr, sie wird schon gerichtet, bevor sie sich wirklich festgelegt hat.

Die Episoden der neuen ZDFneo-Serie sind recht kurz, rund eine Viertelstunde lang dürfen wir Lena jeweils auf ihrem Weg begleiten. Sie fungieren als komprimierte Schlaglichter, die in wenigen Szenen viele Aspekte einer komplizierten Situation ausleuchten. Das gelingt den Serienmachern wunderbar, mit viel Feingefühl und einem Blick für die Realität.

Wir vergeben vier von fünf Sternen.

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Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Bauchgefühl“, die bei ZDFneo läuft und in der ZDFmediathek abrufbar ist:

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