Batwoman 1x01

© uby Rose als Batwoman (c) The CW
The CW hat seit dem Start des Arrow-verse im Jahr 2012 immer mehr Programmplätze für Serien freigeräumt, die auf Comicvorlagen basieren. Arrow, The Flash, Legends of Tomorrow, Supergirl, Black Lightning und auch Riverdale basieren auf Comicabenteuern. Da Arrow bald schon zu Ende geht und Batman abseits von Prequels (siehe Gotham und Pennyworth) fürs Fernsehen tabu zu sein scheint, greift man nun zu seiner Cousine Kate Kane aka Batwoman, die von Ruby Rose gespielt wird und ihren ersten Auftritt während des „Elseworlds“-Crosovers im Jahr 2018 hatte. In der Comicvorlage hatte diese Version von Batwoman 2006 ihren ersten Auftritt. Davor waren schon andere Personen als Batwoman unterwegs. Vor allem der militärische Hintergrund war hier neu und ebenso die Tatsache, dass Kate und Bruce Wayne miteinander verwandt sind, denn wie Kara und Clark sind die beiden Cousine und Cousin. Nun erhält Batwoman also eine eigene Serie, die von Caroline Dries auf dem Showrunner-Posten betreut wird, was man auch merkt, wenn man mit The Vampire Diaries vertraut ist.
Time to turn off the Signal?
Drei Jahre lang ist Batman nun bereits spurlos verschwunden. Würde er Gotham City einfach so verlassen oder ist etwas vorgefallen? Das erfahren wir im Auftakt noch nicht. Wir sehen aber, dass Crow Security unter der Führung von Jacob Kane (Dougray Scott) die Lücke geschlossen und den Schutz von Gotham zusammen mit dem GCPD übernommen hat. Kane hat einst seine erste Frau und eine seiner Töchter bei einem Autounfall verloren. Nur Kate hat überlebt, wobei das Verhältnis der beiden frostig erscheint. Kate war beim Militär, wobei sie kurz vor dem Abschluss suspendiert wurde, weil sie eine Affäre mit Sophie Moore (Meagan Tandy) hatte. Während Sophie sich für die Karriere entscheidet, zieht Freigeist Kate ihr eigenes Ding durch und trainiert etwa irgendwo im Nirgendwo beim Tauchen ihren Körper. Weil Sophie durch die Gang von Alice (Rachel Skarsten) verschleppt wird, kehrt Kate nach Gotham zurück und versucht zunächst, ein Teil der Crows zu werden, zieht aber doch eher ihr eigenes Ding durch.

Sie hofft, mit der Technik ihres Cousins Bruce Wayne Hinweise zum Verbleib ihrer Ex zu finden und trifft auf Luke Fox (Camrus Johnson), der einige Geheimnisse seines Arbeitgebers bewahrt. So zum Beispiel die Tatsache, dass er Batman war. Als sie die Bathöhle im Wayne Tower entdeckt, beschließt sie nun, diese Lücke zu füllen und das Kostüm überzustreifen. Alice möchte nämlich Jacob Kanes Aufmerksamkeit - warum, erfahren wir am Ende der Folge...
We Batlieve!

In der Welt von Batwoman muss man bestimmte Dinge als gegeben ansehen: Es geht damit los, dass Batman seine Heimat hinter sich lassen würde, was nötig ist, um die Prämisse loszutreten. Die Figur Batman würde wahrscheinlich eher sterben, als den Kampf gegen das Verbrechen vorzeitig zu beenden. Aber die Serienmacher haben ja eine Weile Zeit, den Verbleib zu erklären.
Batmans Existenz im Arrow-verse stellt allerdings Oliver Queen (Stephen Amell) als einer der ersten Vigilanten infrage beziehungsweise er fragt sich, wo Batman bei großen Krisen oder Crossovern bisher steckte. Green Arrow hat in der TV-Serie lange Zeit auch einige Schurken und Szenarien von Batman übernommen wie die League of Assassins oder Ra's al Ghul (Matt Nable), was man wohl auch akzeptiert, weil immer noch sehr viel von der Schurkenriege offen ist und nun für Batwoman bleibt.
Bruce war in der hier präsentierten origin story tatsächlich lange Zeit ein Teil von Kates Leben, ohne dass sie etwas von seiner Zweitidentität ahnte, was auch verzeihbar ist in einem Comicuniversum. Kate dachte schließlich 15 Jahre lang, dass Batman sie und ihre Familie im Stich gelassen hätte. Später findet sie aber heraus, dass ihn der Unfall rund um die mangelhafte Sicherung des Autos lange Zeit beschäftigt hat.
„Batwoman“ hat als Figur zwar auch eine Tragödie überlebt, allerdings nicht ihr ganzes Leben dem Kampf gegen die Ungerechtigkeit verschrieben, im Gegensatz zu Bruce, der nach dem Mord an seinen Eltern um die Welt reist, um zum Verbrechensbekämpfer zu werden. Kate kann sich für ihre Mission Zeit lassen, bis sie erwachsen ist, was wiederum an Green Arrow erinnert. Es ist bei ihr viel mehr ihr überlassen, dass sie das Kostüm anzieht, wobei sie natürlich auch in gewisser Weise ein Familienerbe antritt.
Alice! Who the fuck is Alice?

Gleichzeitig entscheiden sich die Serienmacher, ihr mit Alice eine Erzfeindin zu verpassen, die persönlicher kaum sein könnte, denn, wie das Episodenende schon verrät, ist es ihre verrückt gewordene (?) Schwester Elizabeth, die den Autounfall überlebt hat und in Gotham nun eine von „Alice im Wunderland“ inspirierte Gang leitet. In den Comics ist sie auch so etwas wie Batwomans Joker. Man kann gespannt sein, wie lange diese Duell die Serie bestimmen wird.
Die Pilotfolge fühlt sich an wie ein Mischmasch aus verschiedenen The CW-Serien. Aus Arrow sind zumindest in der ersten Folge ein paar, wenn auch nur vereinzelte Flashbacks entlehnt. Aus The Vampire Diaries scheint die verbotene und komplizierte Liebesgeschichte zwischen Kate und Sophie entliehen zu sein, ebenso wie das Tagebuchschreiben, was aber in der ersten Staffel wieder fallengelassen wurde und die Vielzahl an Popsongs erinnert auch eher an Old-School-Zeiten des Senders. Vom Ton und der Stimmung erinnert die Serie auch eher an Arrow, was aber nicht verwundert. Der erste Showdown mit Alice wirkt ein wenig cartoonmäßig. Geiselnahmen, Fässer und Schurkendrohungen kennt man aber auch aus Arrow (und den Looney Tunes) zur Genüge.
Die Auftaktfolge muss allerdings auch einiges unter den Hut bringen: Kate muss zurück nach Gotham, die Tragödie muss aufgedröselt werden, Kate findet das Geheimnis von Bruce Wayne und Alice heraus, rettet den Tag und verträgt sich halbwegs mit dem distanzierten Vater. Das führt alles dazu, dass alles nur halb und nichts so richtig überzeugend herüberkommt, weswegen man wohl die weiteren Folgen abwarten sollte.
Batwoman
Ob einem die Serie gefällt, dürfte hauptsächlich damit zusammenhängen, ob man Ruby Rose leiden kann. Persönlich geht sie schauspielerisch eher in Richtung Stephen Amell, der auch erst in die Rolle reinwachsen musste und vor allem in emotionalen Momenten etwas hölzern rüberkam (und es durchaus auch nach sieben Staffeln immer noch tut), was bei Rose aber vielleicht auch am Material liegen kann. In Orange Is the New Black hatte sie durchaus scene stealer-Qualitäten. Wie sie sich als Hauptdarstellerin einer eigenen Serie schlägt, muss sich zeigen. Rose und Amell sind jedoch durch ihre Körperlichkeit prädestiniert für ihre Rollen. Die Actionszenen des Auftakts sind okay, haben mich persönlich aber nicht vom Hocker gerissen. Vielleicht bin ich aber auch vom Arrow-Stil inzwischen etwas gesättigt.

Der Supporting Cast ist, wie erwartet, auch schon halbwegs in Stellung. Neben Luke Fox dürfte auch bald schon Stiefschwester Mary Hamilton (Nicole Kang) Kates Verletzungen regelmäßig verarzten und Vater Jacob darf bestimmt bald auch eins und eins zusammenzählen und herausfinden, wer das Batwoman-Kostüm trägt. Dabei bleibt nur die Frage, ob er ihr freundlich gesinnt ist oder wie in dem „Detective Comics“-Run von James Tynion IV eher den fehlgeleiteten Antagonisten spielt - oder gar beides. Gespannt bin ich tatsächlich auch auf die Schurkenriege der Staffel, neben Alice wurde beispielsweise schon Tommy Elliot alias Hush angekündigt.
Werden sich die Autoren außerdem der Tendenz hingeben und Batwoman bald zur Teamserie machen (wie Arrow und The Flash es schnell wurden) und damit andere DC-Helden oder Figuren aus der Bat-Familie an ihre Seite stellen? Werden wir beispielsweise Luke als Batwing sehen? Oder ist „Batwoman“ doch eher eine Einzelgängerin? Das muss sich in Zukunft noch zeigen.
The Bat Diaries
Der Pilot versucht in meinen Augen, etwas mehr eine weibliche Zuschauerschaft anzusprechen, wie man an der Romanze merkt, die sich gleich zum Liebesdreieck entwickelt. Es ist sicherlich nicht verkehrt, die Serie mit Supergirl zusammen am Sonntag zu senden und so gleich zwei DC-Heldinnen zu bündeln, da die Herren der Schöpfung ja ohnehin schon genug Serien und Filme für sich hatten. Bleibt zu hoffen, dass man genug Ideen hat, um das abwechslungsreich zu gestalten. Aber das Berlanti/Arrow-verse-Team ist inzwischen so erfahren, dass ich da keine Zweifel habe. Persönlich finde ich die Auftaktfolge etwas zu gewöhnlich und safe. Das eine oder andere Risiko mehr hätte ich mir schon gewünscht, wobei ich gut finde, dass man beim Alice-Twist nicht lange Zeit schindet, sondern sofort reinen Tisch macht und auch Kate herausfinden lässt, was Sache ist. Caroline Dries hat bei The Vampire Diaries aber auch von Julie Plec gelernt, die gerne mal das Plot-Tempo anzieht.
Fazit
Da ich die „Batwoman“-Comics gerne lese, bleibe ich vorerst dran, sehe aber noch viel Verbesserungspotential. Wie Kate Kane selbst tritt der Auftakt von „Batwoman“ nämlich direkt mehrere schwere Erben an: das von Batman (wobei man sich hier größtenteils einen eigenen Mythos aufbauen kann) und das von Green Arrow, der sich bald zur Ruhe setzen wird. Aber: Da, wo Supergirl etwas besser auf eigenen Beinen stehen konnte, steht Batwoman schon vom Start weg irgendwie im Schatten des dunklen Ritters, der trotz seines Verschwindens omnipräsent erscheint. Hoffentlich gelingt es Kate Kane zukünftig, ebenso auf eigenen Beinen zu stehen.
Hier noch der Trailer zur nächsten Episode, The Rabbit Hole (1x02), der US-Serie Batwoman:
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Verfasser: Adam Arndt am Montag, 7. Oktober 2019Batwoman 1x01 Trailer
(Batwoman 1x01)
Schauspieler in der Episode Batwoman 1x01
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