In der neuen FX-Comedy Baskets durchlebt Zach Galifianakis als Rodeoclown eine existenzialistische Lebenskrise. Seine Sorgen und Nöte werden dabei so peinlich genau und umbarmherzig seziert, dass uns Zuschauern das Lachen allzu oft im Halse stecken bleibt.

Chip Baskets (Zach Galifianakis) bereitet sich auf seinen nächsten Auftritt vor. / (c) FX
Chip Baskets (Zach Galifianakis) bereitet sich auf seinen nächsten Auftritt vor. / (c) FX

Die Grenzen zwischen Comedy und Drama verschwimmen zunehmend. Formate wie BoJack Horseman, Review, Transparent oder Rick and Morty haben das in den vergangen Jahren zur Genüge bewiesen. Die neue FX-Serie Baskets geht hierbei sogar noch einen Schritt weiter - sie verkauft eine Geschichte als Comedy, die eigentlich ein Drama mit komödiantischen Ausflügen ist.

I am a ,cloon'

Chip Baskets (Zach Galifianakis) ist ein ziemlicher Idiot. Er träumt von einer großen Karriere als Clown und lässt sich deshalb von seiner transidenten Mutter (Miles Anderson) den Besuch der teuren Pariser Académie de Clown Francais bezahlen, obwohl er kein Wort Französisch spricht. Weil er dort von allen nur belächelt oder gar ignoriert wird, erkennt er bald, dass es ein aussichtsloses Unterfangen ist, den Abschluss anzustreben. Stattdessen zieht er den Rückzug ins heimische Wüstenland von Kalifornien an.

Er kehrt nicht alleine in die Heimat zurück, sondern in Begleitung seiner Ehefrau Penelope (Sabina Sciubba), die das aber nur ist, weil sie gerne Amerikanerin sein möchte. Für Chips hat sie nichts als Verachtung übrig. Sie lässt sich von ihm aushalten, obwohl er völlig mittellos ist. Sofort kommt die Frage auf, wieso er sich das überhaupt antut. Neben der Antwort, dass er schlicht ein Idiot ist, fällt mir dazu nichts Besseres ein. Während man darüber noch schmunzeln kann, weil sowohl Galifianakis als auch Sciubba ihre Rollen mit viel Verve ausfüllen, geraten die übrigen Beziehungen geradezu herzzereißend.

Gegenüber der gutmütigen Versicherungssachverständigen Martha (Martha Kelly) verhält sich Chips so, wie sich alle anderen ihm gegenüber verhalten. In einer ebenso witzigen wie brutalen Szene versuchen beide, Chips' wahnwitzig ausgefallene Getränkebestellungen - Tangerine Fanta, Pepsi Lime, Schweppes - aufzugeben. Statt zu realisieren, dass ein herkömmliches Fast-Food-Restaurant nicht über eine solch breite Angebotspalette verfügt, nötigt Chips seine Chauffeurin dazu, rückwärts an das Mikrofon zu fahren, weil er glaubt, er könne die Bestellung selbst besser aufgeben.

Die Indieästhetik von %26bdquo;Baskets%26ldquo; ist kaum zu übersehen. © FX
Die Indieästhetik von %26bdquo;Baskets%26ldquo; ist kaum zu übersehen. © FX

Seine Mutter erscheint zunächst gutherzig, offenbart aber gegenüber Martha bald eine tiefe Verachtung bezüglich ihres eigenen Sohnes. Von ähnlicher Verachtung ist auch die Beziehung zwischen Chips und seinem Zwillingsbruder Dale (Galifianakis in einer Doppelrolle) geprägt, der es mit seinem eigenen Baskets Career College zu relativem Erfolg in Bakersfield gebracht hat. Mit hochnäsigem Aplomb und falscher Großzügigkeit gewährt er Chips einen winzigen Kredit, den der nutzen möchte, um Penelope Pay-TV zu bezahlen.

I need to bury a flower before I can bloom again

Das mickrige Einkommen aus seinem neuen Job als Rodeoclown reicht nämlich gerade, um ein schäbiges Motelzimmer zu beziehen. Außer der Freude seines Arbeitgebers Eddie (Ernest Adams) über seinen Namen, der sich perfekt als Clownsname eigne, schlägt ihm auch bei den Auftritten als menschlicher punching ball im Rodeo kaum Gegenliebe entgegen. Für seine artistischen Einsätze hat das Publikum nichts übrig - erst, als er von den Stieren attackiert wird, erntet er hämisches Lachen. In diesen Szenen sieht es übrigens so aus, als würde Galifianakis die Stunts selbst machen. Sollte das wirklich so sein, gebührt ihm dafür großer Respekt.

Der Respekt, der dem Comedian Galifianakis für seine Arbeit entgegengebracht wird, dürfte Chips so schnell nicht beschieden sein. Zu einem nicht unerheblichen Grad ist er daran natürlich selbst schuld. Aber irgendwie ist es auch bewundernswert, wie unnachgiebig er an seinem Lebenstraum festhält. Trotz aller Widrigkeiten sieht er überhaupt keine andere Möglichkeit, als diesem Pfad zu folgen. Sein ständiges Insistieren darauf, ein Clown zu sein, bekommt dadurch die nötige faktische Unterfütterung. Es ist seine Identität, er kann nichts anderes sein, er will nichts anderes sein. Er tut das, was viele so oft für sich und andere fordern, was aber allzu oft als hohle Phrase verpufft: Er ist er selbst.

Eingehüllt ist das geistige Kind von Portlandia-Autor Jonathan Krisel, Executive Producer Louis C. K. und Galifianakis selbst in den Mantel der bedächtigen Indiedramedy. Diese Herangehensweise schlägt sich auch in der visuellen Umsetzung nieder (Krisel führte im Piloten Regie), die grelle Farben nur in Chips' Schminke kennt, welche aber öfter verlaufen als perfekt aufgetragen zu sehen ist. Ansonsten spiegeln die in melancholisches Beige getauchten Bilder das schwermütige Pathos der Geschichte wider.

Es ist wahrlich schwierig, in Baskets auch nur eine Figur zu finden, für die sich das Einschalten lohnt. Am ehesten eignet sich dazu noch die liebenswürdige Martha, die einem in Renoir aber fast nur leid tun kann. Und obwohl es wenige Szenen gibt, die zu uneingeschränktem Lachen anregen, hat die Serie doch ihren ganz eigenen Charme. Vorerst genügt mir das, um weiterzuschauen. Eine echte Entwicklung der zentralen Charaktere, die sich allesamt nicht als Identifikationsfiguren eignen, wäre aber sehr wünschenswert.

Diese Serie passen auch zu «Baskets»