Bargain: Pfand - Review der Pilotfolge

Bargain: Pfand - Review der Pilotfolge

Aus Südkorea kommt ein interessanter Genre-Mix bei Paramount+: Ein seinerseits zwielichtiger Prostitutionskunde gerät in der Serie „Bargain“ in die Fänge eines Menschenhändlerringes, dessen widerliche Verkaufsauktion von einem schweren Erdbeben unterbrochen wird.

Poster zur Serie „Bargain“
Poster zur Serie „Bargain“
© Paramount+

Noh Hyeong-su (Jin Seon-gyo, „Extreme Job“) trifft sich in einem außerhalb Seouls gelegenen Hotel mit Park Joo Young (Jeon Jong-seo, Haus des Geldes: Korea), einer angeblich 18-jährigen Oberschülerin, die gegen eine ansehnliche Geldsumme ihre Jungfräulichkeit an den älteren Mann verkaufen will.

Kurz nach der ersten Begegnung fallen dem potentiellen Freier verschiedene Ungereimtheiten auf, die eindeutig darauf hinweisen, dass Park Joo Young nicht die ist, die zu sein sie sich ausgibt. Seine Zweifel und seinen Zorn tut sie mit spöttischem Gelächter ab. Schließlich kommt es trotzdem zu einer Übereinkunft zwischen den beiden.

Während der Freier sich in der Dusche auf die Dinge, die da kommen sollen vorbereitet, verlässt Park Joo Young das Hotelzimmer und nimmt einen Anruf entgegen, in dem sich ihr ein weiterer Interessent an ihren Diensten vorstellt.

Sie betritt einen anderen Raum des Hotels, in dem ein komplettes Team professionell arbeitender Menschenhändler unter Leitung des grausamen Hui-suk (Park Hyung-soo, „After The Rain“) ihre verwerflichen Einsätze vorbereitet. Park Joo Young erhält eine scharfe Rüge von Hui-suk, da sie sich eigenmächtig mit weiteren Freiern verabredet hat.

Noh Hyeung-soo wurde zwischenzeitlich gefangengenommen und wird auf einer entwürdigenden Verkaufsveranstaltung praktisch stückweise feilgeboten. Insbesondere der junge Go Geuk-ryeol (Jang Yull, „My Name“) bemüht sich verzweifelt um eine neue Niere für seinen sterbenden Vater. Unter Einsatz seines eigenen Körpers erhält er schließlich Kredit von den Organhändlern.

Plötzlich kommt es zu einem leichten Erdbeben, das von Hui-suk als Folge von Tunnelarbeiten in der Nähe abgetan wird. Doch der Menschenhändlerboss hat gelogen, in Wahrheit handelte es sich dabei lediglich um ein Vorbeben. Mitten in der fortschreitenden Organauktion kommt es schließlich zu einem weiteren, diesmal schweren Beben, bei dem das ohnehin marode Hotel in das tieferliegende Erdreich absinkt.

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Allerspätestens seit dem Erfolg von Squid Game, hierzulande bei Netflix veröffentlicht, hat sich Südkorea einen ausgezeichneten Ruf als Herkunftsland mitunter höchst ungewöhnlicher Spannungsstoffe erworben.

Die sechsteilige, aus unter 40 Minuten langen Folgen bestehende Serie Bargain, in ihrem Herkunftsland bereits vor fast einem Jahr gezeigt und auf dem Cannes International Series Festival ausgezeichnet, geht nunmehr daran, diesen Ruf zu festigen und beizubehalten.

Produziert von der auch als Schauspielerin bekannten Kim Bo-ra („SKY Castle“) für die Produktions-Gesellschaften SLL und Climax Studio unter der Regie von Jeon Woo-sung, der auch an den Drehbüchern mitarbeitete präsentiert „Bargain“ eine Mischung aus verschiedenen Spannungsgenres.

Gleich zu Beginn gibt es eine sozialkritische Komponente bezüglich des insbesondere in Asien prekären Themas Prostitution (diese ist in Südkorea seit 1961 illegal, wird jedoch toleriert), das auch Hauptfigur Noh Hyeung-soo nicht zu einem wirklich positiven Charakter macht.

Direkt im Anschluss schwenkt die Serie auf den Großbereich der Organkriminalität um, die weltweit zu den verwerflichsten Verbrechen schlechthin zählt, und schließlich landen wir gemeinsam mit den eigentlich durchgehend zwielichtigen agierenden Figuren in einem Katastrophenszenario, wie wir es beispielsweise aus dem Hollywood-Klassiker „Erdbeben“ kennen.

Davon allerdings ist in der Pilotfolge mit dem schlichten Titel „Pfand“ (Ransom), der sich auf die unwürdigen Kreditbedingungen der Menschenhändler bezieht, noch nichts zu bemerken. Wie bei vielen asiatischen Serien lässt man sich auch bei Bargain viel Zeit damit, die nachfolgende Geschichte vorzubereiten, wobei allerdings keine Langeweile aufkommt.

Allein die Eröffnung der ersten Folge, in der Noh Hyeung-soo nach und nach dahinterkommt, dass Park Joo Young offenbar alles andere als die naive und sexuell unerfahrene Schülerin ist, die er sich erhofft hatte, gestaltet sich spannend. Allein schon deswegen, weil das Verhalten des geschätzten Enddreißigers alles andere als ehrenhaft anmutet.

Die junge Frau wiederum vermittelt ab ihrem ersten Auftritt, dass etwas ganz und gar nicht mit ihr stimmt, allein schon, wenn sie die Feststellungen ihres Gegenübers mit ihrem Lachen abtut. Dieses kann sie, wie wir wenig später in einer Szene mit ihr am Telefon sehen, allem Anschein nach mühelos an- und ausknipsen.

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Ambivalente Charaktere

Szenenfoto aus „Bargain“
Szenenfoto aus „Bargain“ - © Paramount+

Doch wie bereits erwähnt ist von der sicherlich stattfindenden weiteren Entwicklung der Charaktere, von denen wir im Grund genommen für den Anfang nur drei kennenlernen, noch nichts zu bemerken. Die Folge endet mit einem Cliffhanger, während dem das Erdbeben einsetzt.

Bis dahin haben wir jedoch zumindest einen Eindruck von dem verzweifelten jungen Go Geuk-ryeol erhalten, der an der menschenverachtenden Aktion nur teilnimmt, um seinen dringend auf eine Spenderniere wartenden sterbenden Vater zu retten. Auch hinter Noh Hyeung-soo scheint letztlich mehr zu stecken, als uns die Pilotfolge verrät.

Wirklich lupenrein gute Mädels und Jungs zeigt man uns im Asia-Kino und TV bekanntlich nur selten, und gerade das macht viele entsprechende Produktionen so spannend. Zumindest einen Hauch davon vermittelt uns auch die Pilotfolge zu „Bargain“.

Ob sich das Ganze allerdings zu einem neuen Squid Game auswachsen wird, bleibt indes abzuwarten. Ein kleiner Ausblick auf die weiteren fünf Folgen sieht jedenfalls vielversprechend aus.Allein schon wegen der vielversprechenden Zeichnung der Hauptfiguren und des bizarren Szenarios in der Pilotfolge schicken wir die neue Thrillerserie-Dramaserie-Katastrophenfilm-Mixtur mit dreieinhalb von fünf Sternen auf den Weg - mit der Hoffnung auf Steigerung!

Bargain: Deutscher Trailer zur koreanischen Serie

Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zur Serie „Bargain“, die nun beim Streamingdienst Paramount+ an den Start gegangen ist:

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