
Mit der Pilotepisode bringt die Serie Banshee ihre Zuschauer tief in die Welt eines namenlosen Betrügers (Antony Starr, Tricky Business, Lowdown) mit überragenden Kampfkunstfertigkeiten.
Um was geht's?
Der namenlose Protagonist hat das Gefängnis gerade hinter sich gelassen und sucht seine Ex-Partnerin Anna (Ivana Milicevic, „James Bond 007 - Casino Royale“) auf, mit der er nicht nur das Bett sondern auch die Beute aus einem großen Diamantenraub geteilt hat. Zumindest war das der Plan, denn als er „seien Anna“ nach 15-jähriger Haftstrafe sucht, findet er nur noch die verheiratete Mutter zweier Kinder, die unter dem Namen Carrie Hopewell in der Kleinstadt Banshee lebt und die die Diamanten nicht mehr hat.
Doch schnell findet er einen neuen Freund, den Barkeeper und ehemaligen Boxer Sugar Bates (Frankie Faison, One Life to Live, The Wire). Der Zufall will es, dass der namenlose Ex-Häftling Gelegenheit bekommt, in die Rolle des neuen Sheriffs zu schlüpfen. Damit bekommt er den Namen Lucas Hood. Einen Gegenspieler bekommt er vom Bürgermeister Dan Kendell (Daniel Ross Owens) direkt vorgesetzt, den lokalen Unterweltboss Kai Proctor (Ulrich Thomsen), der in mehrfacher Hinsicht Bezüge in die amische Kultur hat. Zu guter Letzt schickt auch noch der damals von dem Gangsterpaar bestohlene Mr. Rabbit (Ben Cross) seine Männer aus, die Diamanten und ihre Räuber zu finden.
Die Pilotepisode der Serie Banshee beginnt mysteriös, mit einem wortkargen, namenlosen Helden. Und endet offen wie ein Buch, indem die Konstellation der Serie so offen und vollendet aufgebaut wird, dass der Zuschauer einige der kommenden Handlungsstränge direkt erahnen kann.
Was kommt dabei raus?
Eines bietet die Serie Banshee in jedem Fall: Sex und Brutalität, zum Teil auch äußerst detailliert. Andere Ansprüche stellt die Serie merklich an sich selbst, scheitert jedoch ein Stück weit in der Umsetzung: Finstere Charaktere bleiben zumindest in der Pilotepisode noch flache Abziehbildchen in einem in vielerlei Hinsicht übertriebenen Plot.
Die Frage ist, mit welcher Erwartung man an die Serie herangeht. Als würdiger Thronfolger für Justified zeigt es sich bisher nicht, auch wenn das möglich gewesen wäre. Doch Banshee schafft es nicht, echte Coolness zu erzeugen, einen eigenen Weg zu gehen. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Schauspieler - zumindest bisher - noch nicht das dafür nötige Charisma rüberbringen können. Aber auch die Ideen der Autoren sind oft nicht hilfreich. Der Mord an einem Kriminellen mithilfe einer Steaksauce, zwei ehemalige Geliebte, die sich zum Zeichen ihrer immer noch währenden körperlichen Anziehungskraft leidend tief anatmen, der Berufsböse, der neben einem Schlachthaus auch Stripclubs betreibt und seine Gegner gerne bei laufendem Schlachtbetrieb zusammenschlägt. Vieles scheint seinen Weg ins Drehbuch gefunden zu haben weil jemand annahm, dass das garantiert abgefahrene Bilder geben würde. Doch die Vorhersehbarkeit des großen Plots löst diese Versprechen nicht ein. Die Serie versucht zu verkrampft, locker zu sein.
Fazit
Gerade diese Vorhersehbarkeit, aber auch die übertriebenen Figuren und Handlungen geben Banshee jedoch auch eine gewisse Einzigartigkeit. Die Serie zeigt sich als passendes Drama für alle, die gut gemachten Trash wertzuschätzen wissen. Und die Verkrampftheit der ersten Episode mag dem Druck geschuldet sein, am Ende des Serienauftakts das gesamte Universum der Serie vorgestellt haben zu wollen. Es ist noch Hoffnung.