Banshee 4x08

Ach, finale Staffeln: Gerne meinen Autoren - aus unerfindlichen Gründen -, sie müssten etwas anderes und Besonderes machen. Und gerne kommt dabei einfach nichts Gutes heraus. Man denke nur an How I Met Your Mother oder Dexter. Und auch bei Banshee ist die letzte Staffel eine andere. Hood ist nach den Ereignissen von Staffel drei kein Sheriff mehr, lebt im Wald als Einsiedler und schläft ab und an mit seiner on-and-off-Liebschaft Rebecca (Lili Simmons). Die wird schließlich ermordet aufgefunden, was den Stein der vierten Staffel ins Rollen bringt. Und so fühlt sich Staffel vier irgendwie eher wie eine Art Epilog an, wie ein Crime-Spin-off im „Banshee“-Universum. Dieses Gefühl lässt einen über die ganze Staffel nicht wirklich los und so ist Staffel vier auch die schwächste der Serie. Aber: Es ist immer noch „Banshee“.
Die finale Episode beginnt bereits mit einem kleinen Höhepunkt: der Entthronung von Calvin Bunker (Chris Coy), der vor den Augen seiner Männer von einem Oberhaupt der Bruderschaft und gleichzeitigem Geschäftspartner Procters (Ulrich Thomsen) zur Schnecke gemacht wird. Chris Coy hat mich in dieser Staffel von Anfang an überzeugt und wenn man in dieser Szene sieht, wie sich Bunker Jr. kaum noch zurückhalten kann, wie es in ihm brodelt, dann weiß man auch, warum.
Procter kümmert der vom Thron gestoßene Calvin natürlich nicht weiter - er muss sich schließlich um den größten Deal seiner kriminellen Laufbahn kümmern, bei dem jedoch Carrie (Ivana Milicevic) ihm in einer recht hanebüchenen, aber auch ziemlich coolen Actionsequenz einen Strich durch die Rechnung macht. Die Storyline um Carrie als (völlig unmaskierte) Rächerin war die gesamte Staffel über eher unnützes Beiwerk, läuft aber hier in ihrer letzten Instanz noch einmal zu absoluter Höchstform auf. Nach der darauffolgenden Schießerei, die im Tod des Kartellbosses endet, weiß man: Das Ende des Kai Procter ist gekommen.

Everything I did, I did for you
Während Procter mit seiner rechten Hand Burton (Matthew Rauch) vom Ort des Geschehens flieht, kommt es zu einer Überraschung im Mordfall seiner Nichte Rebecca. Nachdem eigentlich Satanist Declan (Frederick Weller) für den Mord an ihr verantwortlich gemacht wurde, erschließt sich Agent Dawson (Eliza Dushku) nun nach einem Verhör mit seiner Geliebten, dass - wir haben schließlich noch eine Finalfolge zu füllen - doch jemand anderes Rebecca ermordet haben muss. Nach einer halbherzigen Ermittlung von Dawson und Hood (Antony Starr) folgert letzterer, dass diese von ihrem eigenen Onkel ermordet wurde.
Er rammt also in gewohnt sensibel-diplomatischer Manier den Wagen Procters von der Straße und wir finden uns in einem Flussbett wieder - der Szenerie für den letzten, großen Kampf unserer Hauptfigur. Doch wie sich herausstellt, hat nicht Procter Rebecca ermordet, sondern seine ewige rechte Hand Burton. Burton sah die Beziehung zwischen den beiden stets problematisch und reagierte auf Rebeccas Eskapaden auf die einzige Weise, die er kannte: mit Gewalt. Das ist eine durchaus nachvollziehbare Entwicklung des Charakters Burton und eine gute Auflösung des Konfliktes zwischen Rebecca und ihm, doch leider sehen wir dessen Eskalation nur in kurzen Flashbacks.
Statt eines unnötigen Satanismusmörderplots hätte eine genauere Betrachtung dieser komplizierten Beziehung der letzten Staffel gutgetan. Auch der Fight Hood gegen Burton, auf den viele sicher schon lange gewartet haben, enttäuscht. „Banshee“ war eine Serie, die durch ihre kompromisslosen und brutalen Kampfszenen viele Fans fand, weswegen man sich für Hoods final fight durchaus einiges erhoffen konnte. Doch an die großen, denkwürdigen Kämpfe der Serie (man denke nur an den Kampf Burton gegen Nola (Odette Annable) in Staffel drei!) reicht dieser hier kaum heran. Als Hood schließlich Burton für den letzten Genickbruch Procter überlässt, ist man als Zuschauer etwas frustriert über den Abschied einer der besten Figuren, die diese Serie zu bieten hatte. Burton war von all den irren Charakteren in „Banshee“ stets mein Liebling, so dass sein etwas fader Abgang einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

Kain und Abel
Doch auf diesen sehr mittelmäßigen Abschied von Burton folgt eine Kampfszene, welche alle Stärken der Serie noch einmal zur Schau stellt: Calvin Bunker - geschasst, entehrt und am Boden - will seine Familie zurück, welche sich unter dem Schutz seines Bruders Kurt (Tom Pelphrey) vor ihm versteckt hatte. Das Bruderduell ist eine mitreißende, emotionale Tour de Force und der brutale Schlagabtausch der beiden Brüder wird so gut eingefangen, dass man noch vor dem Bildschirm sitzend jeden Schlag in die Magengrube spüren kann. Und auch, wenn Kurt Bunker seinen Bruder verschonen will, ist beiden klar, dass dieser Tag nur auf eine Weise enden kann - Calvin, manisch schreiend, wird von seinem Bruder erschossen. Die Geschichte der zwei Brüder war der eindeutig beste Handlungsbogen der Staffel und findet in der letzten Episode einen verdienten Höhe- und zugleich Endpunkt.
Das Leben danach
Die Bösen wurden gerichtet, die Guten (soweit noch möglich) gerettet. Daher beschäftigt sich die Episode für den Rest ihrer Laufzeit mit dem Abschied aus Banshee. Die bedeutendste Entwicklung macht dabei wohl Brock (Matt Servitto): War er am Anfang der Serie noch der überkorrekte Polizist, vertuscht er nach seiner Hilfe bei Carries Überfall auf Procter nun auch noch den Mord Kurt Bunkers an seinem Bruder. Er hat eingesehen, dass eine Stadt wie Banshee Gesetzeshüter braucht, die nicht immer nur nach den Regeln spielen können: „You sometimes have to take these badges off and get bloody.“
So lässt er dann auch die schwarzen Geländewagen mit den Killern des Kartells völlig unbehelligt passieren - sie sollen sich um Procter kümmern, der einer erfolgreichen Strafverfolgung stets entkommen ist. Dieser stellt sich seinen Häschern mit einer Tommy Gun, um (off-screen) im Kugelhagel zu sterben. Ein besserer Abschied als der von Burton, aber einen finalen Faustkampf mit Procter (man denke an Procter vs. Hood im Stripclub) hätte man sich eigentlich doch noch gewünscht...

Derweil gestaltet sich das Lebewohl von Carrie und Hood versöhnlich und nicht zu over the top. Hood kündigt an, die Stadt zu verlassen und herumzuziehen und verabschiedet sich mit einer innigen Umarmung unter Flashbacks an die gemeinsamen Zeiten von seiner großen Liebe. Schließlich sagen wir auch noch Sugar (Frankie Faison) und Job (Hoon Lee) auf Wiedersehen. Ersterer kann nun, dank eines überraschenden Geldsegens durch Job, die Bar schließen und sich der Rente widmen. Job selbst hat in seiner unvergleichlichen Art die wohl schönsten Abschiedsworte für Banshee zu bieten: „Banshee, Pennsylvania... Suck my tit!“
Fazit
Der Abschied von Burton hätte besser gestaltet werden können, doch alles in allem macht „Requiem“ seinen Job gut. Nach einer nicht ganz so überragenden vierten Staffel - und einem stellenweise fragwürdigen Mordplot - ein versöhnlicher, wenn auch nicht perfekter Abschied von der Kleinstadt in Pennsylvania. Banshee war eine außergewöhnliche Serie, die zumindest ich schmerzlich vermissen werde.
Verfasser: Benedikt Pichl am Donnerstag, 7. Juli 2016Banshee 4x08 Trailer
(Banshee 4x08)
Schauspieler in der Episode Banshee 4x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?