Bandidos: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

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Miguel (Alfonso Dosal, „Die Knochenfrau“) arbeitet in der Netflix-Serie Bandidos hauptberuflich in einem noblen Luxushotel auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan. Dort logiert gegenwärtig auch seine alte Bekannte Lili (Ester Esposito, Elite) mit ihrem Schoßhündchen Clinton. Die extravagante Dame verdient ihren Lebensunterhalt durch das gekonnte Abziehen gutbetuchter Herren.
Miguels bester Kumpel hingegen sind der immens computerbegabte jugendliche Sohn der Hotelbesitzerin, Lucas (Juan Pablo Fuentes, Pact of Silence) sowie sein windiger Onkel Wilson (Juan Pablo Medina, Blumige Aussichten). Der Bruder von Miguels Vater betätigt sich wenig erfolgreich als Ausflugsveranstalter und stockt aus diesem Grund so wie sein Neffe das schmale Einkommen durch diverse kleinere Gaunereien auf.
Der Grund für Miguels Geldnot ist ein ernster. Sein verwitweter Vater Juan (Bruno Bichir, „Stolen Vacation“) war einst ein angesehener Archäologe, ist nun jedoch an Demenz erkrankt und lebt in einem Pflegeheim. Dies hat nach und nach sämtliche Ersparnisse aufgefressen.
Abends an der Hotelbar macht Miguel die Bekanntschaft eines sturzbetrunkenen spanischen Abenteurers (Eloy Azorin, High Seas), der ihm von einem sagenhaften Aztekenschatz von unbeschreiblichem Wert erzählt. Als Miguel ihn auf sein Zimmer bringt, zeigt der Fremde ihm die Tätowierung einer Karte auf seinem Bauch. Miguel fotografiert diese. Nachts träumt er davon, den Schatz zu finden. Als er am nächsten Morgen mehr über die Sache erfahren will, ist der Fremde verschwunden.
Nachdem Miguel von seinem Onkel als vermeintlicher Polizist aus einer aufgeflogenen Betrugsaktion gerettet worden ist, erzählt er ihm von der Geschichte und zeigt ihm die Fotos der Karte. Derweil wird die Leiche des spanischen Abenteurers aus dem Hafenbecken gefischt. Der schmierige Polizeiermittler Canche (Fermin Martinez, „Züchte Schweine“) und seine Assistentin Ines (Mabel Cadena, „Black Panther: Wakanda Forever“) stellen fest, dass der Leiche eine große Hautfläche am Bauch entfernt wurde.
Miguel und Wilson schmieden derweil Pläne für ihre Schatzsuche. Da die Karte auf der Tätowierung lediglich rudimentär ist, benötigen sie weitere antike Karten. Diese befinden sich im neu eröffneten Museum von Ariel Tavitan (Andres Baida, Control Z), dem einstigen Lieblingsstudenten von Miguels Vater.
Da wird ihm das Handy mit den Bildern von einer pfeilschnellen Diebin (Andrea Chaparro, Rebelde) entwendet. Nach einer Verfolgungsjagd zu Fuß rettet sie sich schließlich durch einen Sprung von einer Brücke, stellt sich anschließend jedoch als Bekannte Wilsons heraus. Der verschwundene Hautfetzen hingegen befindet sich im Besitz von unbekannten finsteren Subjekten.
Miguel, Wilson, Lili und Lucas schmieden zunächst einen gewieften Plan, um an die benötigten uralten Karten aus Ariels Museum für ihre bevorstehende Schatzsuche zu kommen.

„Indiana Jones“ und „Mission: Impossible“ im Taschenformat
So viel zur Handlung der Eröffnungsfolge der neuen Netflix-Serie „Bandidos“, deren siebenteilige erste Staffel seit dem 13. März bei dem Streamingdienst angeschaut werden kann. In den zwischen 41 und 50 Minuten langen Episoden versucht man gar nicht erst, die berühmten Vorbilder für die Schatzsuche der Gaunertruppe zu verbergen, was bereits in der Eröffnungsepisode für einige vergnügliche Momente sorgt.
Mexikanische Action vom „Rambo“-Macher
Obwohl als Showrunner von „Bandidos“ Drehbuch-Autor Pablo Tebar beschäftigt ist (der zuvor unter anderem für die populären mexikanischen Serien Diablero und „Herederos“ schrieb), gibt es Schützenhilfe aus den benachbarten USA. Der gebürtige Argentinier Adrian Grünberg fungiert nämlich als ausführender Produzent und nahm, davon abgesehen, ebenfalls auf dem Regiestuhl Platz.
In seinen Filmen „Get the Gringo“ von 2012 und „Rambo: Last Blood“ von 2019 dirigierte er die beiden Actionfilmlegenden Mel Gibson und Sylvester Stallone. Sein letzter Film war übrigens der Hai-Horrorstreifen „The Black Demon“ von 2023.
Durchwachsener Auftakt der Schatzsuche
Ein Pilotfilm hat ja bekanntlich nun einmal die Aufgabe, das Publikum auf die bevorstehende Geschichte der Handlung einzustimmen und die agierenden Charaktere vorzustellen. Diesen Job erfüllt auch die Einstandsepisode von „Bandidos“. Das Problem ist allerdings, dass er allein noch nicht dazu ausreicht, um mit ihnen und der bevorstehenden Geschichte richtig warmzuwerden.
Natürlich kann man Miguels in klischeehafte Witzeleien gekleidete Notlage gut nachvollziehen, dessen dementem Vater aus finanziellen Gründen der Rauswurf aus dem Pflegeheim droht (zur Illustrierung gibt es eine der in solchen Situationen häufig eingesetzten Fäkalszenen). Doch bleiben die Figuren hier insgesamt sehr an der Oberfläche, was sich selbstverständlich im weiteren Serienverlauf noch ändern mag.
Ein ausgesprochener Pluspunkt wiederum ist die Tatsache, dass die Serienmacher die im Pilotfilm noch ziemlich ungeordnet wirkende Geschichte mit Songklassikern aus den 1970er Jahren von unter anderem Blondie und Plastic Bertrand untermalen. Dessen bestens bekanntes „Ca Plane pour Moi“ läuft im Background der Verfolgungsjagd zu Fuß und per Tuk Tuk (was durchaus als weitere Anspielung diesmal auf „Indiana Jones und das Rad des Schicksals“ durchgehen kann).
Die (in der Pilotfolge noch eher sparsame) Action selbst ist TV-gemäß durchaus ordentlich und ansehnlich geraten. Bloß das Gefühl des Ankommens in der Geschichte, das will sich hier noch nicht recht einstellen.
Mittelmäßige Einführung
Bei alledem versteht die Pilotfolge von „Bandidos“ es durchaus zu unterhalten und lässt keine Langeweile aufkommen. Und dass dergleichen nun auch keinen tiefsinnigeren Unterhaltungsstoff hergibt, bedarf sicherlich gar keiner Erwähnung. Aber insbesondere an der Chemie der Darsteller untereinander und damit verbunden ihr Zusammenspiel wird man im weiteren Verlauf der Serie hoffentlich noch arbeiten und die Flapsigkeit im gegenseitigen Umgang vertiefen.
Tut man das jedoch, hat „Bandidos“ gute Chancen, eine nette Heist-Abenteuer-Kombi zu werden.
Für den Anfang gibt es von uns drei von fünf goldenen Jaguaren.