Bancroft 1x01

© ie Ermittlerinnen Bancroft (Sarah Parish) und Stevens (Faye Marsay) (c) ITV
Mit dem Vierteiler Bancroft von Kate Brooke (Mr. Selfridge) bringt ITV diese Woche einen knackigen Crime-Drama-Happen heraus, was entweder bedeutet, dass wir es mit dem höchsten Kaliber an Krimi wie Broadchurch zu tun bekommen oder mit etwas abgedroschener Kost abgespeist werden, wie es in letzter Zeit mit Serien wie The Loch oder Fearless der Fall war. Lasst uns einen Blick riskieren.
Der kreative Kniff von „Bancroft“ besteht darin, dass die Titelfigur nicht die Hauptfigur ist. Diese Ehre fällt der aus Game of Thrones bekannten Faye Marsay zu, die bereits in der Black Mirror-Episode Hated by the Nation eine ähnlich ambitionierte Nachwuchsermittlerin spielte. Hier ist sie Katherine Stevens, die etwas pikiert darüber ist, nicht von ihrem Schreibtisch wegzukommen, während ihre Kollegen interessanten Fällen zugeteilt werden. Sie gelobt jedoch, selbst bei der Untersuchung von Cold Cases alles zu geben und kniet sich in einen Fall aus den 1990er Jahren, bei welchem eine schwangere, junge Frau mit 18 Stichen zu Hause ermordet wurde. Ein Einbruch, wie die Akte sagt, doch Stevens erscheint die unnötig blutige Angelegenheit zu verdächtig.
Die respektierte DCI Elizabeth Bancroft (perfekt besetzt mit der kühlen Sarah Parish) befasst sich hingegen mit dem prestigeträchtigen Fall, die kriminelle Kamara-Gang zu zerschlagen und erlangt gleich zu Beginn der Miniserie einen Teilerfolg, indem ihr Athif (Amit Dhut), der Bruder des Gangsterbosses, in die Fänge geht. Als sie jedoch mitbekommt, dass Stevens den Fraser-Fall neu aufrollt, an welchem sie einst als junge Polizistin gearbeitet hatte, steht ihr die Panik ins Gesicht geschrieben. Nicht nur, weil sie womöglich einen Fehler bei den Ermittlungen begangen hatte und diesen kurz vor einer weiteren Beförderung begraben möchte, sondern, weil sie damals direkt mit dem Mord an der Schwangeren zu tun hatte. Ein Katz-und-Maus-Spiel in den eigenen Reihen beginnt, ohne dass die mickrige Mieze davon weiß, wer die mächtige Maus ist.

Stevens arbeitet im Rahmen des alten Falls mit der neuen Forensikerin Anya Karim (Amara Karan) zusammen und nimmt als Erstes Kontakt zum damaligen Chefermittler Baverstock (Kenneth Cranham) auf, dem zum einen seine korrupten Machenschaften von damals, aber vor allem seine Bancroft gegenüber erwähnte Absicht, sich aus Schuldgefühlen der Neuermittlung anzuschließen, zum Verhängnis werden.
Alles, was wir über das Privatleben der Cold-Case-Knackerin erfahren, bezieht sich ebenfalls auf die Polizeiarbeit. Eine unglückliche Affäre unterhält sie mit ihrem verheirateten Kollegen DS Andy Bevan (Charles Babalola), während sie auch ein wenig mit dem Mediziner Joe (Adam Long) flirtet, der sich als Bancrofts Sohn entpuppt, was diese Konstellation etwas eigenartig gestalten könnte.
Fazit
Leider ist die erste Stunde von „Bancroft“ weder so emotional wie Broadchurch noch so fesselnd wie Marcella oder dermaßen von gut ausgearbeiteten Charakteren besiedelt wie Line of Duty, in welchem ebenfalls Polizeikorruption im Vordergrund steht. Alles wirkt ein wenig altbacken, abgegriffen und flach, so als hätten wir ein sehr ähnliches Set-up mit identischen Charakteren schon viel zu oft gesehen. Ein Problem, das allein auf das Drehbuch zurückgeht und nichts mit der Produktionsqualität oder den Darsteller/-innen zu tun hat. Besonders Eiskönigin Sarah Parish als hochkarätige Ermittlerin mit Blut an den Händen ist ein echter Gewinn.
Als kleiner Krimisnack von der Insel ist „Bancroft“ vermutlich durchaus zu gebrauchen. Für ein ITV-Crimedrama mit etwas mehr Substanz müssen wir wohl doch auf die zweite Staffel von „Marcella“ warten.
Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 13. Dezember 2017(Bancroft 1x01)
Schauspieler in der Episode Bancroft 1x01
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