Ballers 1x01

Für die Rezension zu „Ballers“ wurden neben der Pilotepisode insgesamt die ersten vier Episoden der 1. Staffel gesehen.
Dwayne Johnson, der seine Karriere im Unterhaltungsbereich einst als Wrestler begann und heute mit gigantischen Blockbustern fast schon im Monatstakt Erfolge am Box Office feiert, ist wohl derzeit einer der gefragtesten Darsteller im Geschäft. Vor allem sein unglaubliches Charisma sowie seine einzigartige Leinwandpräsenz haben Johnson bereits so einige Türen geöffnet. So jetzt auch im Seriengeschäft, wo Johnson nun in der neuen HBO-Serie Ballers nicht nur die Hauptrolle übernimmt, sondern darüber hinaus auch (neben bekannten Namen wie Mark Wahlberg und Peter Berg) als ausführender Produzent fungiert.
Die Idee zu dem Format stammt derweil von Steve Levinson, welcher lange Zeit als Executive Producer bei Entourage sowie als Produzent von Boardwalk Empire tätig war. Levinsons Vergangenheit mit der erstgenannten Serie werden auch sogleich in seinem neuen Format deutlich, das über einen ähnlich simplen beziehungsweise bisweilen nicht wirklich existenten Plot verfügt und uns einfach in diese glamouröse Welt der Reichen und Schönen Miamis wirft. Mit Johnsons Charakter in ihrer Mitte tauchen wir in das bunte Treiben um kommende Talente, verzweifelte Sportagenten und alternde Footballstars ein - und werden dabei im Großen und Ganzen sehr ordentlich unterhalten.
Golden boy
Die Pilotepisode von Ballers vermittelt dabei einen guten ersten Eindruck, auf was sich die Zuschauerschaft hier gefasst machen kann: heiße Autos, wilde Party, extrovertierte und extravagante Typen - „Ballers“ genießt es förmlich, uns diese teils groteske Welt der schwerreichen Athleten und ihrer Eskapaden auf dem Silbertablett zu präsentieren. Ein Teil dieses gewaltigen Rummels war auch einst Spencer Strasmore (Dwayne Johnson), der eine große Karriere hinter sich hat und nun seine Brötchen als Agent und Vermarkter hungriger Footballtalente verdienen möchte. Von diesen wurden vielen von den Medien und der Öffentlichkeit das Gehirn gewaschen, sodass Themen wie zum Beispiel permanente Selbstüberschätzung auf der Tagesordnung von Strasmores potentiellen Klienten stehen.
Doch dieser möchte seinen Nachfolgern im Geiste und teilweise sogar ehemaligen Vereinskameraden mit Rat und Tat zur Seite stehen und wenn möglich dabei selbst erfolgreich in seinem neuen Berufsfeld sein. Leichter gesagt als getan, denn das Footballgeschäft ist ein Haifischbecken und kostet einige Nerven. Der Weg zum Erfolg ist nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben ein äußerst steiniger, egal, wie groß dein Name einmal gewesen ist. Denn im Endeffekt geht es um weit mehr, als ein paar Menschen, die sich tagein tagaus auf einem grünen Rasenplatz um ein ledernes Spielgerät kämpfen.

Bad life choices
Wie bereits bei „Entourage“ folgt auch „Ballers“ nicht wirklich einem roten Faden, sondern stellt unseren Protagonisten Spencer immer wieder vor mehr oder minder große Herausforderungen, die seine neue berufliche Tätigkeit mit sich bringt. Hier liegt es wie immer am Zuschauer selbst, ob er Spaß und Interesse daran hat, sich auf diesen Trip durch das überzeichnete aber wohl auch erschreckend realistische Setting zu begeben, welches uns hier angeboten wird. Der Pilotepisode gelingt es dabei gut, diese Welt anzureißen und einzuführen, was in den folgenden drei Episoden (insgesamt hatte HBO der Presse vorab vier Episoden zur Verfügung gestellt) nur noch umso mehr ausgearbeitet wird.
Natürlich kommen so einige sehr amüsante Momentaufnahmen zusammen, so schon in der ersten Episode, die zur Kurzweiligkeit des Formats beitragen. Für den weiteren Verlauf der Staffel wäre jedoch ein übergeordneter Handlungsstrang, der gerne im Hintergrund ablaufen und zum Ende prominenter gezeigt werden kann, wünschenswert. Dies haben sich wohl auch die Macher gedacht, denn bereits in der Pilotepisode gibt es mit dem Verweis auf eine womöglich psychische Erkrankung Spencers Andeutungen in eine derartige Richtung. Dies wird im Folgenden immer wieder kurz aufgegriffen und generiert etwas Spannung hinsichtlich der Hauptfigur und ihrer weiteren Entwicklung.
My man
Dwayne Johnson selbst gefällt in dieser Rolle recht gut, was vielleicht daran liegt, dass man die fleischgewordene Naturgewalt im Gegensatz zu vielen seiner Spielfilmen auch einmal etwas menschlicher als sonst sieht, da seiner Figur eben nicht alles gelingen will. Sein Auftreten bleibt dennoch imposant und so bekommt er mindestens einmal pro Episode von Serienschöpfer Steve Levinson einen knackigen Monolog zugeschustert, in dem er seinem jeweiligen Gegenüber eine unmissverständlich Ansage macht. Dank Johnsons Ausstrahlung fruchten diese Charaktermomente, da man sich als Zuschauer schon beinahe selbst von dieser Art pep talk angesprochen fühlt.
Johnson zur Seite gestellt ist eine interessante Riege an Darstellern, von denen Rob Corddry den meisten wohl am ehesten ein Begriff sein sollte. Auch dieser spielt einen Sportagenten, der versucht, irgendwie in dieses Geschäft reinzupassen, wobei er sich dabei gelegentlich recht unbeholfen anstellt. Corddry passt jedoch in dieser Rolle, vor allem wegen seiner komödiantischen Eigenart. Ansonsten springen wir zwischen den einzelnen Figuren im Schatten Johnsons, so zum Beispiel dem von John David Washington gespielten Skandalsportler Ricky auf dem Weg der Besserung oder dem grundsympathischen ehemaligen Footballspieler Charles Greane, verkörpert von Omar Benson Miller. Auch für diese vermeintlichen Nebencharaktere ergeben sich recht zügig Probleme, da sie ähnlich wie Spencer an einem gewissen Punkt in ihrem Leben angekommen sind, wo sie genau überlegen müssen, was ihr nächster Schritt sein wird, da dieser im schlimmsten Fall vielleicht sogar ihr letzter sein könnte.
Play ball
Etwas schade ist wiederum, dass weibliche Charaktere in Ballers eher Mangelware sind. Die Darstellung dieser Welt wirkt mehr als einmal recht proletenhaft, weil sie nun einmal auch von Alphatieren beheimatet ist. Nach vier Episoden hat man etwas Hoffnung in die von Arielle Kebbel gespielte Sportreporterin Tracy Legette gesetzt, welche mit Spencer eine Art Beziehung hat, ebenso wie in Jazmyn Simon, welche die Ehefrau von Charles verkörpert. So richtig kommen diese beiden Figuren trotz kleineren Momentaufnahmen jedoch nicht zum Zuge, was sich eventuell in der zweiten Hälfte der ersten Staffel noch ändern wird. Auch dies wäre wünschenswert, da so einfach für etwas mehr Abwechslung gesorgt wäre und man andere Facetten dieser Serie ergründen könnte.

Ebenfalls ein wenig ärgerlich ist, dass der hier angepriesene Sport selbst eher die zweite Geige spielt und man nur vereinzelt Blicke auf das komplexe Spiel des amerikanischen Footballs bekommt. In gewisser Weise verständlich, da hier die Geschehnisse hinter den Kulissen im Zentrum stehen, dennoch würde ich mich in Zukunft auch über ein paar mehr Sportszenen sehr freuen. Mit Peter Berg (Friday Night Lights) hat man dahingehend einen erfahrenen Mann im Kreativteam sitzen, der darüber hinaus für die Regie der Pilotepisode verantwortlich zeichnet. Diese mag vielleicht nicht unglaublich spektakulär sein, fängt das Setting, den Glamour Miamis und seiner Privilegierten jedoch sehr glaubwürdig und stilvoll ein.
Fazit
Ballers strotzt durchaus vor einer großen Portion Testosteron, viel nackter Haut und einem spezifischen Football-Vokabular, in das man sich als Zuschauer erst einmal hineinfuchsen muss. Es würde nicht verwundern, wenn Teile des Publikums sich bereits schon wieder nach der Pilotepisode dieser Serie verabschieden, da sie eben doch recht speziell sein kann. Doch nach vier Episoden kann man sagen, dass noch einiges an Potential in dem Format schlummert, was sich bereits stellenweise in der Auftaktepisode zeigt. Ich persönlich fühlte mich gut von „Ballers“ unterhalten, was unter anderem an Dwayne Johnson lag, der einen mit seiner Art oft einfach nur mitreißen kann. Es bleibt abzuwarten, was man aus dieser Figur machen wird und wie man dieser eventuell noch ein viel komplexeres Profil verpassen kann.
Die Macher sollten bei den verschiedenen Figuren neben Johnsons Spencer Strasmore vielleicht noch etwas nachjustieren und müssen gleichzeitig Acht geben, dass ihre Geschichten nicht zu redundant oder gar repetitiv werden. Irgendwann kann der ganze Rummel nämlich auch einmal ermüdend werden. Nach vier Episoden hält sich dies alles noch im Rahmen und so kann man sicherlich seinen Spaß mit den Charakteren und ihren persönlichen Handlungssträngen haben. Wenn man nun noch die uns hier gezeigte Scheinwelt auf irgendeine Art und Weise entzaubern kann, was sich an vielen Stellen bereits mehr als eindeutig zeigt, kann man eventuell auch ein paar ernstere Töne anschlagen, was nicht uninteressant wäre. Die Vorzeichen dafür stehen zumindest gar nicht einmal all zu schlecht.
Englischsprachiger Trailer zur HBO-Serie „Ballers“:
Verfasser: Felix Böhme am Montag, 22. Juni 2015Ballers 1x01 Trailer
(Ballers 1x01)
Schauspieler in der Episode Ballers 1x01
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