Badults 1x01

Die Comedians Ben Clark, Matthew Crosby und Tom Parry mimen in der neuen Sitcom Badults nicht nur die zentralen Figuren, sondern haben den Dreien auch gleich ihre eigenen Vornamen verliehen. Die Endzwanziger Ben, Matthew und Tom wohnen gemeinsam in einer heruntergekommen Wohnung und sträuben sich mit Händen und Füßen dagegen, ernst genommen zu werden, was sie zu den titelgebenden „bad (ad)ults“ machen soll.
Drei Kindsköpfe
In der Pilotepisode verbringen die drei ein verlängertes Wochenende miteinander und führen den Zuschauern im Schnelldurchgang ihre jeweiligen teils stupiden und teils nerdigen Eigenheiten vor Augen: Tom rühmt sich damit, ein Parfüm entwickelt zu haben, das seinem Namen Mouldy Chops (so etwas wie schimmlige Koteletts) augenscheinlich alle Ehre macht. Als Tom den gewöhnungbedürftigen Duft dann im Stil einer gängigen Parfüm-Werbung in einem schwarz-weißen Exkurs anpreist, zeugt dies von einem guten Gespür der Serienverantwortlichen für die unfreiwillige Komik des Alltags. Leider wirkt der sketch-artige Einschub vor der etwas angestaubten Sitcom-Kulisse reichlich platt.
Der arme Ben ist bekennender Alkoholiker und darf sich eigentlich nur durch eine grenzenlos überzeichnete Naivität und sein Talent hervortun, metaphorische Formulierungen stets wörtlich zu nehmen. Matthew, der dritte im Bunde, outet sich zunächst einmal als Fan des Nachtprogramms von BBC Two. Seine Begründung („That little sign-language-lady is so fit!“) zeugt zwar auch nicht von einer ausgeprägten Reife, doch immerhin kleidet und benimmt er sich etwas repräsentativer als seine Mitbewohner. Das bedeutet aber weder, dass er nicht auch ungemein begriffsstutzig ist, noch, dass er Erfolg bei Frauen hätte. Das weibliche Geschlecht wird in Badults übrigens durch die sympathische Rachel (Emer Kenny; EastEnders) vertreten, die sich während dieser Episode auf einem Murder Mystery Weekend vergnügt. Dank ihrer verhältnismäßigen Normalität lässt sie die drei karrikaturhaften Jungs noch konstruierter erscheinen.

Geldsegen
Was die Figuren Ben, Matthew und Tom neben ihrer nicht vorhandenen Lebensnähe und den vielfältigen Ausprägungen von Untauglichkeit gemein haben ist die Tatsache, dass sie vollkommen pleite sind. Vor dem Geldautomaten kommt der Einfallsreichtum zum Vorschein, durch den sich die Sitcom fraglos auszeichnet. So kennt jeder der drei nur eine der Ziffern des Pincodes für ihr gemeinsames Konto. Nach der gemeinsamen Eingabe der vierten Nummer („Three!“) kommt es zwischen den Kindsmännern zu einem Handgemenge an deren Ende sie versehentlich ganze 5000 Pfund (Tom: „That's nearly six grand!“) in Händen halten.
Geldfluch
Eine Rückblende soll die Tatsache untermalen, dass die drei Freunde nicht gut mit Geld umgehen können. Richtig witzig ist der Sketch inklusive seiner königlichen Kostüme zwar nicht. Aber immerhin quittieren die Freunde den Abstecher in biblische Zeiten mit einer großzügigen Portion Selbstironie.
Der Rest der Auftaktepisode wird durch das unsinnige Ausgeben und das neuerliche Beschaffen des kleinen Vermögens bestimmt. Dabei halten sich gute Witz-Einlagen wie die abstruse Tatsache, dass Matthews Schwarm von BBC Two die Handlung zeitweise tatsächlich in die Gebärdensprache übersetzt, die Waage mit wenig originellem Humor. So wird eine Geldzählmaschine für 600 Pfund erkauft, um damit die nunmehr lediglich verbleibenden 100 Pfund zu zählen. Wer sich an den derberen Ausprägungen der englischen Sprache erfreut, kommt in Badults durchaus auf seine Kosten: Der letzte Hunderter soll mithilfe eines kurzerhand gegründeten Unternehmens wieder vermehrt werden. Während die Jungs sich zwar noch nicht auf einen Namen für ihr kapitalistisches Imperium einigen können („MATTHEWTOMBEN“, „TOMMATTHEWBEN“ oder doch lieber „BENTOMMATTHEW“?), steht zumindest das Firmenlogo fest: „An Eagle fucking the world.“

Witzgewirr
Es sorgt zwar für eine Verdichtung der Erzählstruktur, dass einzelne Begebenheiten im Handlungsverlauf immer wieder aufgegriffen werden. In der Masse der albernen Verknüpfungen geht dabei jedoch jegliche Natürlichkeit verloren. So stellt sich heraus, dass Mouldy Chops ein brillanter Abflussreiniger ist, wodurch die drei für kurze Zeit das sinnlos investierte Geld zurück bekommen.
Fazit
Selbstverständlich reicht die Spielzeit einer Pilotepisode oft nicht aus, um dem Zuschauer alle Charaktere eines neuen Formates nahe zu bringen. Doch sowohl Tom als auch Matthew - und besonders Ben - wirken fast ununterbrochen wie gedopte Clowns. Besonders ihre teilweise an Slapstick erinnernden Gesichtsausdrücke verhindern zunächst, dass man die allzu eindimensionalen Figuren ins Herz schließt.
Es war zwar die Absicht des Comedy-Trios aus Perry, Crosby und Clark, ihr Bühnenprogramm in Badults im Stil einer „old school studio sitcom“ zu inszenieren. Doch weder die unspektakuläre Kulisse noch das grässliche Publikumsgelächter können die Serie aufwerten - im Gegenteil.
Der große Pluspunkt von „Badults“ ist die Vielfalt der teilweise wirklich witzigen Eingebungen der Freunde, die beispielsweise in einer Neuauflage der französischen Revolution samt genialer selbstgebauten Guillotine resultieren.
Wünschenswert wären in jedem Falle Charaktere, die sich stärker von einander unterscheiden, und weniger „Hau-drauf-Humor“. Dann könnte „Badults“ neben hanebüchenem Unsinn vielleicht auch einmal eine subtilere Facette des Humors abdecken.
Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 24. Juli 2013(Badults 1x01)
Schauspieler in der Episode Badults 1x01
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