Bad Judge 1x01

Mit Kate Walsh (Private Practice, Grey's Anatomy, Fargo) konnte man sich im Vorhinein eine namhafte Hauptdarstellerin für Bad Judge sichern, darüber hinaus zeichnen Hochkaräter wie Will Ferrell (The Spoils of Babylon) und Adam McKay für das gut 20-minütige Format als Executive Producers verantwortlich. Diese beiden haben unter anderem schon mit ihren „Anchorman“-Filmen bewiesen, unterhaltsame und vor allem grenzwertige Comedy zu fabrizieren, auch wenn sie sicherlich nicht jedem gefallen mag.
„Bad Judge“ ist letztendlich - wie bei so vielen anderen Vertretern des Genres üblich - ein klassischer Fall von Geschmackssache. Den altbewährten und oft vulgären Charme ihrer bisherigen Arbeiten vermögen Ferrell und McKay in ihrer Rolle als ausführende Produzenten der neuen NBC-Comedy nicht richtig aufzudrücken, auch wenn einige Szenen deutlich die Handschrift der beiden tragen. Insgesamt präsentiert sich die Serie jedoch sehr platt und teils arg überzeichnet, was den Zugang zu ihr eher erschwert. Hier und da kann man ein paar Lichtblicke ausmachen, zu denen manch einer auch Kate Walsh zählen würde, doch am Ende dieser Pilotepisode verspürte ich nicht wirklich das Gefühl, hier unbedingt noch eine weitere Folge sehen zu müssen.
A judge, not a social worker
In „Bad Judge“ schlüpft bereits erwähnte Kate Walsh in ebenjene Rolle der bad judge Rebecca Wright. Diese macht mit ihrer eigenwilligen Art im Gerichtssaal gar nicht mal so eine schlechte Figur, ihr Privatleben steht jedoch immer wieder kopf. Von diversen Eskapaden, Saufgelagen, Seitensprüngen bis hin zum schon beinahe zur Routine gewordenen panischen Warten auf das negative Ergebnis eines Schwangerschaftstests ist hier alles Denkbare mit dabei.
Der spezielle Charakter der Hauptfigur macht so auch den wesentlichen Dreh- und Angelpunkt der gesamten Serie aus. An Walshs Seite zeigen sich dann noch ein paar illustre Nebenfiguren, die jedoch allesamt dem Lehrbuch entnommen sind: der grummelige Oberrichter und Chef Wrights, der die Faxen immer wieder dicke hat, in Wright aber auch viel Potential sieht; ein eigentümlicher Chefankläger, der sich mit der Hauptfigur ein Wortgefecht nach dem anderen liefert; der vermeintliche on/off-love-interest, ein gutaussehender Gerichtspsychiater. Diese Charaktere bieten nicht viel Neues an, jedoch präsentieren sie sich auch nicht als unsympathische Zeitgenossen.

'Cause you feel guilty
Am meisten kann hinsichtlich der verschiedenen Figuren wohl der junge Theodore Barnes punkten, der den kleinen Robbie spielt, dessen Eltern von Wright hinter Schloss und Riegel gebracht wurden. Natürlich übernimmt seine Rolle die sehr simple Funktion, Walshs Figur nicht nur als flapsige Egoistin und schambefreite Grenzgängerin darzustellen, sondern ihr auch eine warme und fürsorgliche Seite zu geben. Dieses Element ist ebenfalls nicht besonders originell, jedoch passt die Chemie zwischen Walsh und ihrem kindlichen Kollegen, was dem Ganzen zumindest ein wenig Charme gibt.
Die zahlreichen Witze, die oft in Form einer zackigen Gagparade abgefeuert werden, treffen nur selten voll und ganz ins Schwarze. Die Gerichtsverhandlung um einen notorischen Bigamisten, der sich neben seinen beiden Frauen flugs auch noch seine Strafverteidigerin angelacht hat, bietet ein paar amüsante Momente, ebenso ein Schulgespräch aufgrund Robbies anrüchiger Zeichenkünste. Im Großen und Ganzen probiert man aber eher einfach und bisweilen recht billig, Lacher einzuheimsen. Die Formel, nach der hier agiert wird, erschließt sich einem so schnell - viel Einfallsreichtum und originelle Charakterzeichnung sollte man hier nicht unbedingt warten.
Making things right-side up
Dabei kann man der grundsätzlichen Prämisse von Bad Judge durchaus zugutehalten, dass sie etwas Andersartiges versucht. Der Blick hinter die Kutte einer Richterfigur darf gerne auch mal ein wenig bizarr und spezieller sein. Walsh selbst scheint zumindest Gefallen an diesem Charakter zu finden, auch wenn der Eindruck entsteht, dass sie diesen eher mühelos aus dem Ärmel schüttelt.
Problematisch wird es dann noch einmal für all diejenigen, die sich von den quatschigen Wendungen der Geschichte mehr genervt fühlen, als dass sie diese als bewusst überzeichnete Comedy akzeptieren können. Das Justizsystem in den USA weist sicherlich einige grundlegende Unterschiede zu jenem in Deutschland auf, skurrilere Gerichtsbeschlüsse sind da gerne mal an der Tagesordnung. Inwiefern die Serienmacher jedoch in „Bad Judge“ den Bogen dahingehend überspannen werden, kann man nur erahnen. Wrights Richtspruch gegen den Bigamisten mag vielleicht dem Comedyaspekt gerecht werden, ernst nehmen kann man diesen aber eher weniger. Vielleicht sollte man das auch lieber nicht.

Fazit
„Bad Judge“ ist die äußerst seichte Comedyunterhaltung, die so manch einer erwartet hat. Am meisten frustriert wohl der Umstand, dass sie sich doch arg generisch anfühlt und in keiner Weise irgendwelche Anstrengungen unternimmt, etwas Außergewöhnliches zu probieren. Die Chance wäre aufgrund der speziellen Hauptfigur da, doch man verliert sich zu schnell in austauschbaren Witzchen, die das Format zu einer recht eintönigen Angelegenheit verkommen lassen.
Anhand der Pilotepisode darf man wohl davon ausgehen, dass sich hier hinsichtlich des Aufbaus der Handlung wohl nicht mehr viel ändern wird. Ab und an wird dann noch die Weisheit der Woche eingebaut, damit wir ja nicht vergessen, dass Wright nicht nur dauertrunken, absolut verpeilt und vulgär ist, sondern auch ein Herz hat und mitfühlend sein kann. Ob einem das gefällt, muss ein jeder für sich selbst entscheiden. Ich für meinen Teil war trotz ein paar ordentlichen Momenten eher weniger begeistert und werde es bei dieser einen Folge von „Bad Judge“ belassen. Wobei ich mir gut vorstellen könnte, dass Walsh aufgrund ihrer Beliebtheit in der Lage dazu ist, der Serie ein paar Zuschauer zu sichern.
Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 4. Oktober 2014Bad Judge 1x01 Trailer
(Bad Judge 1x01)
Schauspieler in der Episode Bad Judge 1x01
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