Alfie ist ein Lehrer und der Held der neuen britischen Comedy-Serie Bad Education. Allerdings ist er in Sachen Reife so manchem Schüler unterlegen. Das führt zu einer Vielzahl von albernen Konflikten inner- und außerhalb des Klassenzimmers.

Jack Whitehalls beispielhafte Lehrerfigur Alfie und dessen Klasse in „Bad Education“ / (c) BBC Three
Jack Whitehalls beispielhafte Lehrerfigur Alfie und dessen Klasse in „Bad Education“ / (c) BBC Three

Ein Kerl schlurft verstrubbelt und vom Wochenende gebeutelt durch seine Schule, um sich allem Anschein nach zunächst einmal in ein Waschbecken zu übergeben. Doch Alfie Wickers (Jack Whitehall) hat sich nicht in die Bildungseinrichtung verirrt, um einem Eintrag ins Klassenbuch zu entgehen - Alfie ist Lehrer.

Die Pilotepisode von Bad Education kommt nicht langweilig daher. Neben einer Fülle von Gags sorgen auch die jugendlich-rasanten Übergänge zwischen den verschiedenen Sequenzen für eine Dynamik, die dem Zuschauer den Einstieg in die neue Serienwelt erleichtert.

Die Kindsköpfe

Alfie ist als ein Mann, der sich verbissen an seine Restjugend klammert, ein glaubhafter Charakter. Allerdings erweckt Whitehall zwischen den diversen gequälten Gesichtsausdrücken unweigerlich den Eindruck, die Lustigkeit erzwingen zu wollen. Glücklicherweise ist der Protagonist als Pädagoge aber selten allein unterwegs.

Alfies Schutzbefohlene sind fast ebenso unmotiviert wie ihr Lehrer - abgesehen von Jing (Kae Alexander) natürlich. Es ist der Rezensentin schleierhaft, warum IMMER ein(e) Asiat(in) herhalten muss, um den Streber zu verkörpern. Immerhin darf die Figur ihrem Unmut über den stümperhaften Unterricht ausgiebig in ihrer Muttersprache Luft machen.

Auch andere Stereotype tummeln sich in personifizierter Form im Klassenzimmer: Die laszive Tussi ist ebenso vorhanden wie der einfältige Dicke und der stilbewusste Homosexuelle. Für einen Hauch von Innovation sorgt lediglich das Dream-Team aus dem vorlauten Mitchell (Charlie Wernham) und Rem Dogg (Jack Binstead), der seinen Rollstuhl als Freikarte für Unpässlichkeiten aller Art interpretiert.

Die Lehrer

Auch in Alfies Kollegium wird nicht mit der Bestätigung von Vorurteilen gegeizt. Die verträumte Freiwilligendienstleisterin Miss Gulliver (Sarah Solemani), die gleichzeitig als love interest herhält, ist dabei aber weit weniger einprägsam als der möchtegern-hippe Fraser (herrlich unangenehm verkörpert von Mathew Horne) und die überstrenge Miss Pickwell (Michelle Gomez). Der letzteren haftet leider der obligatorische Nazi-Touch an, der gemäß der britischen Mentalität vielen knurrigen Charakteren zugeordnet wird. Trotzdem gelingt es Gomez noch, durch ihre verstörende Autorität zu erfreuen - alleine schon, weil sie dadurch Alfies auf cool getrimmten Sprüchen Parole bietet.

Als an der Abbey Grove Schule der Elternabend ansteht, manövriert sich Alfie selbst - im Zuge seiner Bemühungen, Miss Gulliver zu beeindrucken - in eine derart unangenehme Situation, dass das Fremdschämen einem das Blut zu Kopf steigen lässt. Auch die unorthodoxen Unterrichtsmethoden des Junglehrers sind teilweise so geschmacklos, dass sich nur Freunde des dunklen Humors bei einem schuldbewussten Grinsen ertappen werden.

Fazit

Die basslastige musikalische Untermalung der Serie kann sicher nicht jedermann zufriedenstellen, passt aber sehr gut zu dem jugendlichen Anspruch von Bad Education. Genau so wenig wie man im Verlauf der ersten Staffel des Formates mit Beethovens Neunter rechnen darf, sollte man sich von der Serie einen hohes Niveau erwarten. Der Humor basiert zum großen Teil auf den reichlich vertretenen Stereotypen und driftet nicht selten in die tiefsten Abgründe der derberen Albernheit ab.

Wenn man sich aber auch inmitten einer Horde von betrunkenen Teenagern amüsieren kann, wird man an Bad Education definitiv seine Freude haben. Wer sich zwar gerne weiter im Serienumfeld „Schule“ aufhalten, dabei aber nicht gänzlich auf feinfühligeren Witz verzichten möchte, dem sei an dieser Stelle die Sitcom Gates ans Herz gelegt. Ein Review der Pilotepisode findet sich hier: Gates: Review der Pilotepisode.

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