Back 2x06

© erienposter zur UK-Serie Back (c) Channel 4
Dass wir angesichts von Corona-Pandemie und mehr als zwei Jahren Wartezeit doch noch eine zweite Staffel der schwarzhumorigen UK-Comedy Back bekommen, war trotz der periodischen Vergewisserung der Macher, dass man noch daran arbeite, eine Überraschung. Plötzlich ging es nach der unsäglich langen Sendepause tatsächlich weiter mit Simon Blackwells britischer Serie über einen Dorfpub und zwei grundverschiedene Brüder, die vielleicht gar keine sind. Über neues Material mit dem Dreamteam David Mitchell und Robert Webb, das die Kids heute wohl vor allem durch das „Are We the Baddies?“-Meme aus dem dazugehörigen Sketch kennen, wollen wir uns aber überhaupt nicht beschweren. Staffel eins war nach einigen Fehlanläufen, die Magie ihrer PoV-Sitcom Peep Show erneut einzufangen (looking at you, Ambassadors), eine wahre Wucht und brachte die beiden zurück zu alter Form in vertrauter Charakterkonstellation. Kann Staffel zwei nach all der Zeit daran anknüpfen?
Wir erinnern uns: Die erste Staffel von „Back“ begann sehr im Sinne von Six Feet Under mit dem Tod des Lebemanns und Barbesitzers Laurie (Matthew Holness), dessen unscheinbarer Sohn Stephen (Mitchell) Mühe hat, in seine Fußstapfen zu treten. Bei der Beerdigung taucht dann wie aus heiterem Himmel Andrew (Webb) auf - eines von vielen Adoptivkindern, das die Familie damals bei sich hatte. Im Nu wickelt er die Familie und den Rest des verträumten englischen Städtchens Stroud in Gloucestershire um den Finger. Nur Steven bleibt skeptisch, denn ganz offensichtlich handelt es sich bei dem vermeintlichen Pflegebruder um einen mit sämtlichen Wassern gewaschenen Hochstapler mit gedoptem Lebenslauf, der vielleicht nicht einmal derjenige ist, der er behauptet zu sein. Der Schabernack nimmt seinen Lauf.
Staffel zwei beginnt mit Stephen in einer psychiatrischen Heilanstalt, denn nicht nur seine Paranoia bezüglich Andrew, sondern auch sein immer wieder angedeutetes Alkoholproblem nahmen offenbar überhand. Beides hat sich kein Stück gebessert, es gelingt ihm aber, seinem Therapeuten so weit etwas vorzugaukeln, dass man ihn nach Hause entlässt. Dort ist es gleich zu mehreren Veränderungen gekommen: Mutter Ellen (Penny Downie) ist mittlerweile mit dem dogmatischen Priester Julian (John MacMillan) zusammen, Schwester Cass (Louise Brealey) versucht sich als späte Studentin, Onkel Geoff (Geoffrey McGivern) hat mit seinem eigenen Trickbetrüger zu tun und der Pub John Barleycorn muss sich hippe Konkurrenz gefallen lassen. Die Betreiber dieses Ladens namens P:ub (sprich: „puh-ub“) wollen Stephen daraufhin anwerben, um ihren Laden authentisch-ländlich zu gestalten, doch der Rest der Familie vermutet berechtigterweise krumme Machenschaften.

Die Frage nach Andrews wahren Motiven gerät die gesamte Staffel lang leider ziemlich in den Hintergrund. Es gibt Andeutungen in die Richtung, dass er womöglich Stephens Leben oder zumindest den Pub stehlen wollte und aufgrund seiner leiblichen Mutter, die ihn nicht wollte, geltungsbedürftig ist, aber einen großen Plan scheint er nicht mehr zu verfolgen. Vielmehr ist nur noch einer von vielen Charakteren eines Ensembles, das zum Inventar des Pubs zählt, ohne dass die Story sich an seiner Ankunft und Manipulierung aufhängt, obwohl genau das einst die Prämisse der ganzen Serie war. Man ist in den neuen Folgen mehr an Stephens berechtigter (?) Obsession über ihn interessiert, die durch seinen Alkoholkonsum nicht immer besonders rational erscheint. Jemand, der vorgibt, trocken zu sein und Sport zu treiben, aber stattdessen seinen gut platzierten „Heckenvodka“ aufsucht, ist am Ende des Tages nicht besonders glaubwürdig...
Zwischenzeitlich wird auch Stephens eigene Identität in Zweifel gestellt. Als ein charmanter Aufschneider namens Charismatic Mike (Buffy the Vampire Slayer-Mentor Anthony Head) im Ort auftaucht, der vor langer Zeit ebenfalls ein Techtelmechtel mit Ellen hatte, kommt die Frage auf, ob er wirklich der leibliche Sohn Lauries und somit der rechtmäßige Erbe des John Barleycorn ist, was durch einen heimlichen DNS-Test geklärt werden könnte. Immerhin besteht für Stephen die Chance, wieder mit seiner Exfrau Exfrau Alison (Olivia Poulet) zusammenzukommen, deren Eltern unterdessen von Andrew umgarnt und beeinflusst werden, bis sie sich trennen und letzterer zum unentbehrlichen Sohn wird, den sie nie hatten.
Fazit
Back ist zurück, aber leider ist auch etwas die Luft raus. Ob das daran liegt, dass zu viel Zeit zwischen den Staffeln verstrichen ist, oder die Autoren von Anfang an keinen wirklichen Plan für Andrews manipulative Machenschaften hatten, sei dahingestellt. Mitchell und Webb sind eingespielt wie immer und nach wie vor unendlich unterhaltsam anzusehen, weshalb die Serie sehr guckbar bleibt. Es fühlt sich aber alles etwas richtungslos und unmotiviert an. Das Finale, in dem auch die Mutter nach kurzer Krankheit stirbt und sich eine bisher unbekannte Adoptivschwester wie Andrew zu Anfang der Serie auf die Beerdigung schleicht, funktioniert sowohl als Serienfinale als auch als Set-up für eine weitere Staffel. Diese wird auch gerne noch genommen, nur halten wir dieses Mal nicht mehr so die Luft an wie noch in den letzten zwei Jahren.
Die erste Staffel von „Back“ kann mittlerweile auch hierzulande via iTunes und Google Play gefunden werden.
Hier abschließend noch der Trailer zur zweiten Season der UK-Serie „Back“:
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Verfasser: Mario Giglio am Donnerstag, 25. Februar 2021(Back 2x06)
Schauspieler in der Episode Back 2x06
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