Baby Bandito 1x01

© Netflix
Das passiert in der Serie „Baby Bandito“
Kevin Tapas (Nicolás Contreras) ist in der Netflix-Serie Baby Bandito nicht gerade mit dem Goldlöffel im Mund geboren. Sein Vater sitzt im Knast, seine Mutter versucht, die Familie durch kleine Drogendeals über Wasser zu halten und er selbst interessiert sich mehr für das Skateboarden als für die Schule, deren Gebühren sie sich mühsam vom Mund abspart.
Eines Tages lernt Kevin die Teenagerin Gènesis kennen. Sie stammt aus einer privilegierten Familie und hat alles, was er sich sein Leben lang nur erträumen konnte. Als ihm der Sohn des Bosses der gefürchteten Schlächtergang nach einem Unfall sein Skateboard wegnimmt, verfolgt der smarte Junge ihn bis ins Bandenversteck. Er holt sich nicht nur sein geliebtes Board zurück, sondern lässt auch noch ein Tagebuch mitgehen, in dem ein detailliert ausgeklügelter Plan für einen Jahrhundertraub aufgeführt ist. Kevin beschließt daraufhin, sich einige Partner zu suchen und das Ding auf eigene Faust zu drehen.
Synchro-Fauxpas
„Basierend auf realen Ereignissen... die zu eurem und unserem Vergnügen verfälscht wurden.“ Mit diesem smarten Satz beginnt die chilenische Heist-Serie „Baby Bandito“ und verspricht auf diese Weise eine rasant erzählte, spannende Räubergeschichte zu erzählen. Bevor wir darauf zu sprechen kommen, warum dies nur in Teilen gelingt, sei zu Beginn noch einmal auf die unsägliche Synchronisationspolitik des Streaming-Giganten Netflix hingewiesen. Es erschließt sich nämlich in keiner Weise, warum das Format sowohl in spanischer Originalfassung als auch in englischer, französischer, italienischer, polnischer und ungarischer Sprachversion vorliegt, nicht aber in deutscher. Ein wenig fühlt man sich da zum Zuschauenden zweiter Klasse degradiert, eine unverständliche und im Grunde genommen fast schon unverschämte Veröffentlichungspolitik.
Peppiger Beginn

Aber zurück zu „Baby Bandito“, die einerseits erfrischend spritzig und jugendlich daherkommt, andererseits aber auch typisch südamerikanische Telenovela-Attitüden nicht verleugnen kann. Tatsächlich basiert die Geschichte auf den in Chile sogenannten Jahrhundertraub vom 12. August 2014, in dem eine Bande am internationalen Flughafen von Santiago nach damaligem Wert umgerechnet rund sieben Millionen Dollar erbeutete. Das ist natürlich die ideale Prämisse für die Entwicklung einer Heist-Show, zumal Nicolás Contreras der Figur eine gesunde Portion Smartheit und Kaltschnäuzigkeit mit auf den Weg gibt, die durchaus ihre Schauwerte haben.
Contreras zeichnet das Bild eines intelligenten jungen Mannes, der aber in einer Welt aufwächst, die ihm kaum eine Chance zur Entfaltung lässt. Zwar sorgt seine Mutter dafür, dass die Studiengebühren gestemmt werden, dafür muss sie sich aber mit Dealern und korrupten Polizisten herumschlagen, die die Familie kaltblütig ausbeuten und drangsalieren. Als der Junge die aus privilegiertem Hause stamme Gènesis (Francisca Amstrong) kennenlernt, die sich trotz der Ablehnung ihrer Familie in ihn verliebt, scheint sich sein Leben zu ändern. Hier offenbaren sich bereits die ersten Telenovela-Elemente, die der bis hierher peppig erzählten Geschichte zwar Emotionalität verleihen, ihr aber gleichzeitig auch ein wenig des anfänglichen Schneids raubt.
Die Pilotfolge von „Baby Bandito“ beginnt mit einem witzig-spritzigen Cold Open, in dem wir Kevin als reichen Yuppie kennenlernen, der gerade in Italien sein Vermögen verprasst. Aus der Ich-Perspektive erzählt er garniert mit kurzen Flashbacks von dem dreisten Raubüberfall und auch davon, wie er am Ende gefasst wurde. Die charmante Frechheit, mit der Kevin dabei in die Kamera grinst, spricht Bände für den möglichen Coolnessfaktor der Show, der sich da breitmacht.
Telenovela-Attitüden
Mit dem so geweckten Interesse im Gepäck beleuchtet die Episode nun ausführlich Kevins vormalige Lebensumstände und geht auf die Frage ein, wie es zu dem Jahrhundertraub kam. Ab hier wird die Inszenierung stellenweise leider etwas schwammig. Einerseits lernen wir die oben erwähnte Gènesis kennen, die das Potential hat, ihn aus der Armut herauszuholen, wenn er sich denn darauf einlassen würde. Andererseits scheint sie aber auch gelangweilt von all dem Überfluss und wittert an der Seite Kevins das große Abenteuer. In bester Soap-Manier verlieben sich die beiden unsterblich ineinander, ein Umstand, der etwas zu redselig vor dem Publikum ausgebreitet wird.
Die zweite große Veränderung in Banditos Leben ist der Diebstahl eines Notizbuches mit detaillierten Plänen für einen Geldtransportüberfall am internationalen Flughafen Santiago, der ausgerechnet dem Sohn des Chefs der brutalen Schlächterbande gehört. Natürlich ist dieser stinksauer und setzt alles daran, das wertvolle Büchlein zurückzubekommen, wobei er wenig subtil agiert und damit den entsprechenden Szenen bisweilen die Glaubwürdigkeit nimmt.
Timing, bitte

Der Rest der ersten beiden Episoden geht dann dafür drauf, das Team zusammenstellen, zu dem auch Gènesis stößt, die Kevin blind vor Liebe folgt. Der letztliche Raub ist dann in mehr oder weniger fünf Minuten - und damit viel zu schnell - abgehakt. Derartig unglückliche Timing-Entscheidungen gehen letztlich zulasten des Erzählflusses, obwohl der Unterhaltungswert aufgrund der teils schrägen Partner Kevins doch überwiegt. Folge zwei endet dann erwartungsgemäß mit einem Knall, der zum Weiterschauen animieren soll.
Fazit
Bitte nicht falsch verstehen: „Baby Bandito“ hat seine starken Momente und ist alles andere als schlecht. Die Abgebrühtheit und Zielstrebigkeit, mit der Nicolás Contreras an die Verkörperung der Hauptfigur herangeht, ist unterhaltsam und treibt die Serie fraglos voran. Kevins Partner sind zwar klischeehaft gezeichnet, haben aber Schauwerte und der peppige Soundtrack mit chilenischem Rap verleiht der Show ihre jugendliche Tonalität. Hätte man den Herz-Schmerz-Teil ein wenig verkürzt, die Jungs der Schlächtergang wirklich gefährlich statt bemüht skrupellos dargestellt und sich am Ende der zweiten Folge mehr Zeit für den Überfall gelassen, wäre sicherlich mehr drin gewesen.
So vergeben wir gut gemeinte und optimistische dreieinhalb von fünf Punkten.
Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zur Serie „Baby Bandito“ von Netflix:
Verfasser: Reinhard Prahl am Mittwoch, 31. Januar 2024Baby Bandito 1x01 Trailer
(Baby Bandito 1x01)
Schauspieler in der Episode Baby Bandito 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?