Awkwafina Is Nora From Queens: Review der Pilotepisode

© wkwafina und Lori Tan Chinn in Awkwafina Is Nora From Queens (c) Comedy Central
Ein Werdegang wie der von Awkwafina ist selbst schon spannend genug, um in einer Serie erzählt zu werden. Mit dem feministischen Rapsong „My Vag" wurde sie 2012 zur YouTube-Sensation und sicherte sich so ihren ersten Plattenvertrag. Anschließend folgten erste kleine TV-Formate bei MTV, bis sie 2016 schließlich in ihrem ersten Film mitspielte, nämlich „Bad Neighbors 2“. Sandra Bullock berief sie 2018 dann zum Team der „Ocean's 8“ und es folgten Erfolgsstreifen wie „Crazy Rich Asians“ und „Jumanji: The Next Level“. Für die Hauptrolle in „The Farewell“ gewann das Multitalent zu Beginn des Jahres ihren ersten Golden Globe. 2021 wird sie zudem in Marvels „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ zu sehen sein.
Eine eigene Serie bei Comedy Central wirkt nach alldem beinahe wie ein Rückschritt. Allerdings befindet sich Awkwafina Is Nora From Queens bereits seit zwei Jahren in der Entwicklung. Und nach der offiziellen Premiere der halbstündigen Comedy am 22. Januar kann man gut verstehen, wieso die Co-Schöpferin (gemeinsam mit Teresa Hsiao) und Hauptdarstellerin trotzdem nicht abgesprungen ist. Denn die biografischen Züge der Geschichte sind an allen Ecken spürbar, besonders mit Blick auf die Beziehung zwischen der jungen Slackerin, die im Zentrum des Ganzen steht, und ihrer knuffigen Großmutter, gespielt von Lori Tan Chinn (Orange Is the New Black). Dieses Thema ist übrigens auch in „The Farewell“ wichtig.
Worum geht's?
Die Pilotepisode von Awkwafina Is Nora From Queens beginnt mit dem vermeintlichen Tod von Nora (Awkwafina). Im Himmel empfängt sie die Stimme Gottes, die eigentlich die Stimme der wunderbaren Laverne Cox ist. Um uns Zuschauerinnen und Zuschauern klarzumachen, mit was für einer Versagerin wir es hier zu tun haben, eskaliert der freundliche Empfang schnell in einem Streit. Als die Verstorbene ihren Schöpfer dann auch noch beleidigt, bleiben die Pforten zum paradiesischen Jenseits endgültig verschlossen. Aber es stellt sich eh heraus, dass das alles nur ein Albtraum war...
Ein durchaus kreativer Start für eine Serie, die sich danach allerdings deutlich irdischeren Problemen widmet. Zunächst lernen wir Noras Familie kennen, also ihren Vater, gespielt von niemand Geringerem als BD Wong (Mr. Robot, Law & Order: Special Victims Unit, „Jurassic Park“-Franchise), und ihre bereits erwähnte Oma, die sich trotz ihres hohen Alters noch immer als Erzieherin der beiden sieht. Und tatsächlich haben sowohl Nora als auch ihr Vater ein bisschen Struktur und Antrieb bitter nötig. Die gesamte Wohnung, die sich dem Serientitel zufolge im New Yorker Stadtteil Queens befindet, ist ein einziges Chaos. Wie zu erwarten war, gibt es diesbezüglich natürlich eine kleine Anspielung auf den japanischen Aufräumguru Marie Kondo, die letztes Jahr durch Netflix berühmt wurde.

Witze wie diese lassen Teile der asiatisch-amerikanischen Community oft anzweifeln, ob Awkwafina tatsächlich die beste Wahl ist, wenn es um Repräsentation geht. Obwohl die Schauspielerin selbst sicherlich als Erste zugeben würde, dass sie den Kontakt zum Kulturkreis ihrer Vorfahren ein Stück weit verloren hat. Und, wenn sie sich als Künstlerin ohnehin über andere Aspekte ihrer Persönlichkeit definiert, kann man ihr auch keinen Vorwurf machen (und ich als Unbeteiligter sowieso nicht). Trotzdem greift sie solche Themen immer wieder auf - vielleicht auch, weil sie denkt, dass sie das einfach machen muss.
Gleichzeitig erfreut es sicherlich auch viele junge Amerikanerinnen und Amerikaner asiatischer Herkunft, mal eine Vertreterin ihrer Kohorte zu sehen, die nicht den üblichen Klischees entspricht. Meist werden Figuren aus Asien ja als langweilige Musterschüler dargestellt, wovon sich Awkwafina wahrlich wie Licht von Schatten unterscheidet. Auch anhand dieser Charakterzeichnung wird deutlich, dass sie sich in Wahrheit wahrscheinlich doch mehr Gedanken um Repräsentation macht, als man annehmen würde. So erleuchtende Einsichten wie Ramy Youssef, der mit seiner Hulu-Serie Ramy ebenfalls einen Golden Globe gewann, hat sie aber leider nicht anzubieten. Vielleicht ist der Vergleich aber auch etwas unfair.
Denn allgemein ist der Humor von Awkwafina Is Nora From Queens ein klein wenig alberner ausgelegt. Fast alle Witze gehen unter die Gürtellinie und manche zünden auch gar nicht. Nach nur einer Episode ist die Serie insgesamt schwer einzuordnen. Irgendwie wünscht man sich ja auch, dass sie den Platz von Broad City bei Comedy Central einnimmt, aber dafür fehlt Awkwafina noch ein kongenialer Gegenpart. Mit etwas Glück könnte Chinn diese Funktion erfüllen, denn ihre Darbietung als Großmutter ist mit Abstand die solideste, so dass ausnahmslos all ihre Szenen Spaß machen. Andererseits entspringen alte Menschen mit frechen Sprüchen auch keiner allzu innovativen Erfolgsformel, wenn man ehrlich ist.
Fazit
Awkwafina-Superfans werden Awkwafina Is Nora From Queens so oder so schauen, zumal die Schauspielerin in ihrer neuen Serie von Comedy Central allem Anschein nach ganz sie selbst sein darf - beziehungsweise die Persona, die sie für die Öffentlichkeit erfunden hat. Wer mit der frisch gekürten Golden-Globe-Gewinnerin noch nicht vertraut ist, braucht vermutlich etwas Zeit, um sich an ihren Stil zu gewöhnen (da ihre Karriere weiter steil nach oben gehen wird, kann das ohnehin nicht schaden). Und Potential ist bei der Comedy auf jeden Fall vorhanden. Positiv sticht vor allem die Seniorin Lori Tan Chinn hervor. Wer sich einen eigenen Eindruck machen will: Die erste Episode steht aktuell gratis bei YouTube zur Verfügung...
Hier abschließend der Trailer der neuen US-Serie Awkwafina Is Nora From Queens: