Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers 1x01

© us Tagebuch eins Uber-Fahrers (c) Joyn/Christoph Köstlin
Die deutsche Serie Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers ist ein sogenanntes „Joyn Original“. Das heißt, dass die Serie eine Eigenproduktion des deutschen Streaminganbieters Joyn ist und nur bei der kostenpflichtigen Variante von Joyn, also Joyn Plus+, verfügbar ist. Darin begleiten wir, wie der Name bereits sagt, einen Uber-Fahrer bei seinen alltäglichen Begegnungen, die er durch seinen Beruf erlebt.
Scheiß Uber-Fahrer!
Die Hauptrolle des Uber-Fahrers übernimmt Kostja Ullmann, der aus deutschen Romcoms wie „Mein Blind Date mit dem Leben“ und „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ bekannt ist. Während er mit seinem Auto durch Hamburg fährt, nimmt er die verschiedensten Menschen mit und bekommt dabei jeweils kleine Ausschnitte aus deren Leben erzählt.
Manchmal unterhalten sie sich, manchmal nicht. Manchmal telefoniert sein Passagier und er schweigt und hört zu. Sollte sich dann mal unterhalten werden, gehen die Gespräche nie tiefer als Smalltalk - bis zu seinem letzten Mitfahrer: Dass es ausgerechnet mit diesem alten Mann zu einem tiefergehenden Gespräch kommt, überrascht, da er bis zu diesem Moment nur geschwiegen hat und kein Wort aus ihm herauszubekommen war.
Hier beschäftigt sich die Dramedy zum ersten Mal mit ihrem Uber-Fahrer und verleiht dem Tagebuch die nötige Tiefe und Intimität: Ben gibt zu, dass er nicht genau weiß, was er mit seinem Leben vorhat und mehr so von Tag zu Tag vor sich hin lebt. Dabei hat er zwar einen Job und sozialen Kontakt zu Menschen, also abseits von seiner Arbeit als Uber-Fahrer, aber so richtige Erfüllung bringt ihm beides nicht.
Das ist aber auch kein Wunder, denn so richtige Anerkennung bekommt er weder von seinen Passagieren noch von der Gesellschaft: So wird er zweimal innerhalb eines Tages mit irgendwelchen Lebensmitteln beworfen, wobei ein Ausruf „Scheiß Uber-Fahrer“ hinterher gebrüllt wird. Während die erste Person einfach so einen Groll auf ihn hegt, so ist die zweite Person direkt persönlich involviert, denn er ist sein Konkurrent - er ist Taxifahrer...
Er dient auch als (scheinbar) kostenloser Chauffeur für Freunde und Bekannte, die seinen Fahrservice gerne in Anspruch nehmen. So nimmt er eine Freundin und eine vermeintliche (Ex-)Freundin namens Nadja (Claudia Eisinger) mit, die - so, wie es scheint - von ihm schwanger ist, aber keine andere Beziehung zu ihm möchte als die des Chauffeurs. Zwischen den beiden herrscht eine angespannte Stimmung.
Es ist ganz schön düster da unten
Immer wieder werden wir von der Serie hinters Licht geführt und überrascht, was einen positiven Effekt hat: Die Passagiere sind quasi wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß also nie, was man bekommt. So hegt jeder Mitfahrer die Möglichkeit, uns zu überraschen. Meist kommen dabei ungeahnte Geschichten heraus. Dieser Überraschungseffekt ist durchaus erfrischend.
Ähnlich wie bei dem grandiosen Film von Jim Jarmusch, „Night on Earth“, begegnen wir also den verschiedensten Menschen. Wer den Film kennt und Freude daran hatte, könnte auch die deutsche, adaptierte „kleinere“ Variante genießen. Denn das Grundprinzip ist das gleiche. Die Begegnungen werden nur nicht so sehr auf die Spitze getrieben wie in dem Independentfilm, wissen aber trotzdem zu unterhalten.

Fazit
Die sechsteilige erste Staffel von Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers hat einen sympathischen Schauspieler zu bieten, dessen Figur zwar noch etwas unpersönlich rüberkommt, jedoch wird immerhin bereits in der Pilotfolge daran gearbeitet, einen ersten Einblick in sein Innenleben zu gewähren. Abgesehen davon wird man durch die diversen Begegnungen immer wieder zum Lachen gebracht, da diese stets eine unvorhergesehene Wendung nehmen - in welcher Art und in welche Richtung auch immer... Das hat eine ganz angenehme kurzweilige Struktur, indem wir immer wieder für ein paar Minuten einen Lebensausschnitt seiner Passagiere miterleben. Auch die Episodenlänge ist mit circa einer halben Stunde passend angesetzt, da die Situationen somit auch nicht zu langatmig werden können.
Verfasser: Maike Karr am Donnerstag, 28. Mai 2020(Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers 1x01)
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?