Aufgestaut 1x01

© ZDF
Mit der Dramedy Aufgestaut betritt man bei ZDFneo hochaktuelles Gebiet. Im Stil einer schnell geschriebenen und produzierten Serie erleben wir hier eine Klimaaktion mit Folgen. Dabei wechselt die Perspektive in jeder der kurzen Episoden zwischen Aktivisten und Autofahrern.
Wovon handelt die Serie „Aufgestaut“?
Finn (Adrian Grünewald) ist zum ersten Mal dabei bei einer Klima-Aktion auf der Straße. Wir begleiten ihn als heimliche Hauptfigur der Pilotepisode zum Treffen der Gruppe. Auf einem Spielplatz, mit gedämpften Stimmen, wird sich abgesprochen. Man fragt sich, wie es jedem geht und dann geht es los, auf die eher überschaubare Kreuzung in einer deutschen Stadt. Sie ziehen ihre Warnwesten an, setzen sich in einer Rotphase vor die wartenden Autos und kleben eine Hand an den Boden. Zumindest die meisten, denn Finn versucht, seinen Grünschnabel durch Überehrgeiz zu kompensieren und klebt direkt beide Hände an.
So warten sie mit freundlichem, aber entschlossenem Blick auf die Dinge, die da kommen. Das Erste, was geschieht, ist die Kontaktaufnahme von Lew (Nicolas Garin), nach dem die Episode auch benannt ist. Er fährt Pakete aus, wird minutengenau getrackt. Als er in Rückstand gerät, bekommt er einen Anruf vom Chef. Was denn los sei, dass er aber nicht wieder lügen solle und überhaupt: die Probezeit!
Lew springt aus seinem Auto, um die Menschen in den Warnwesten zu bitten, den Platz zu räumen, er müsse arbeiten. Unterstützung erhält er dabei von einem Porsche-Fahrer, der seine Tochter von der Kita holen will. Im Dialog macht Neuling Finn, der immer wieder betont hatte, keine Unterstützung zu brauchen, einen folgenschweren Fehler und verrät, dass die Aktionsgruppe stets eine Rettungsgasse lasse...
Wie kommt die Serie „Aufgestaut“ rüber?
„Aufgestaut“ wird vom ZDF als Instant-Fiction-Serie beschrieben. Diese sendereigene Bezeichnung war erfunden worden für schnell produzierte Serien, die durch die kurze Produktions-Zeit auf hochaktuelle Geschehnisse eingehen könne. In der Vergangenheit hatten sich auf der Rückseite der Medaille dann oft Schwächen entweder in Bezug auf das Drehbuch, den Cast und/oder die Umsetzung gezeigt. Das ist bei dieser neuen Serie über Klimaaktivisten anders.
Der Schlüssel zum Erfolg könnte in der Kürze der Episoden liegen. Die Autoren versuchen, keine komplizierte Hintergrund-Story für die Figuren zu zeigen. Stattdessen wird aus der Situation auf der Kreuzung eine Art Kammerspiel. Dabei stehen sich zwei Seiten gegenüber, die schon aus dem Leben gerissen wirken. Die Probleme sind real und die Umsetzung - zumindest in den ersten Episoden - wirkt authentisch genug, um nicht zum Fremdschämeffekt zu führen.
Vor einer Einteilung in Schwarz und Weiß hütet die Serie sich auch. Die meisten Zuschauer können sich mit den aus ihrem Alltag gerissenen Autofahrern identifizieren, doch auch die Aktivisten bekommen Raum, menschliche Seiten zu zeigen. In kurzen Wortwechseln liegt hier oft mehr, als man auf den ersten Blick wahrnimmt... Trotz der schnellen Produktion ist hier Mühe in alle Aspekte der Serienschöpfung geflossen.
Trotz allem bleibt die Serie recht oberflächlich und erhebt keinen Anspruch darauf, die schwierigen Fragen im Hintergrund zu beantworten. Sie erzählt ihre Story und überlasst die Antworten denen vor der Mattscheibe.
Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Donnerstag, 19. Oktober 2023(Aufgestaut 1x01)
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