
Mit „Tanz der Teufel“, „Tanz der Teufel 2“ und dem dritten Film „Armee der Finsternis“ schuf Regisseur Sam Raimi („Spider-Man“) eine kultige Trilogie, die nun im Serienformat wieder von den Toten aufersteht. Ash vs. Evil Dead soll das alte Feeling ins Wohnzimmer transportieren und hat neben dem alten Hauptdarsteller Bruce Campbell eine Menge Humor und eine Riesenportion Blut zu bieten.
You can't outrun evil
Bereits zu Anfang der Pilotepisode El Jefe präsentiert sich Hauptcharakter Ash (Bruce Campbell) gewohnt selbstironisch. Die grausamen und abenteuerlichen Ereignisse aus den Filmen haben bei Ashs Gemüt anscheinend kaum Spuren hinterlassen: Er ist zwar ein wenig aufgedunsen und muss sich nach wie vor mit seiner Handprothese arrangieren, aber der Supermarktangestellte nimmt das Leben locker. Er hat es seit dreißig Jahren nicht mehr mit blutrünstigen Dämonen zu tun gehabt und mit seinem Charme und einer erdachten Geschichte kann er bei seiner abendlichen Sauftour immerhin Eindruck beim weiblichen Geschlecht schinden.
Als Ash und seine Eroberung das dreckige Kneipenklo als Hort der Liebe missbrauchen, kippt die Stimmung plötzlich von einen Moment auf den anderen und Ash hat eine erschreckende Vision, die ihn und den Zuschauer ganz bleich werden lässt. Die Libido gewinnt zwar letztendlich die Oberhand und Ash lässt sich nicht das körperliche Vergnügen verderben, aber das Erlebnis gibt ihm keine Ruhe und so wird zuhause nach langer Zeit wieder das alte Necronomicon aka Das Buch der Toten aus der Schublade gekramt. Dabei macht Ash eine erschreckende Entdeckung und ihm wird bewusst, dass die Geister seiner Vergangenheit ihm wieder auf den Fersen sind und dass eine erneute Konfrontation mit höllenhaften Kreaturen bevorsteht.
Das Ganze hört sich dramatisch an und das ist es auch, aber der Horror wird immer wieder von so absurden Umständen begleitet, dass das Lachen niemals zu kurz kommt. Beispielsweise hängt die Rückkehr der Dämonen nicht etwa mit einem besonders geheimnisvollen Ereignis zusammen, sondern hat vielmehr mit Ashs Unachtsamkeit zu tun. Erhöhter Drogenkonsum und Angeberei vor dem hübschen One-Night-Stand bilden jedenfalls keine gesunde Symbiose mit den finsteren Schriften des Necronomicon.
Noch bevor Ash der Sache ausführlich auf den Grund gehen kann, tauchen die Dämonen relativ schnell auf und sorgen für Unruhe in der Kleinstadt. Auf ihrem Weg zu Ash suchen sie zunächst andere Menschen heim und sorgen dabei meistens für ein ausuferndes Blutbad. Flucht erweist sich für Ash über kurz oder lang als keine Option und er muss den Kampf gegen die sinistren Kreaturen wieder aufnehmen. Zum Glück befinden sich noch die gute alte Schrotflinte und die Kettensäge in seinem Besitz, die er statt der Handprothese an seinem rechten Arm befestigen kann.

Zusätzlich bekommt er Verstärkung von seinen Arbeitskollegen Pablo (Ray Santiago) und Kelly (Dana DeLorenzo). Während letztere Ash gegenüber zunächst mehr als skeptisch ist und ihn belächelt, erkennt Pablo sofort Ashs Potential und sieht in ihm den Bezwinger des Bösen. Schon bald kann Ash seine Fähigkeiten beim Ausmerzen der Dämonen unter Beweis stellen und entwickelt sich innerhalb des Piloten von einer Lachfigur zum Actionhelden.
Auch die Polizistin Amanda (Jill Marie Jones) macht eine übernatürliche Begegnung, die in einem wahren Splatterfest endet und ein Zusammentreffen zwischen ihr und Ash erscheint für die Zukunft als wahrscheinlich. Xena: Warrior Princess-Darstellerin Lucy Lawless gehört ebenfalls zum Cast, aber sie hat hier nur einen kurzen Auftritt und man hält sich mit ihrer Figur noch im Dunkeln.
This is gonna hurt
Fans von Blut und Splatter werden bei Ash vs. Evil Dead auf ganzer Linie bedient und von abgehackten Körperteilen bis hin zu explodierenden Köpfen wird hier einiges geboten. „Armee der Finsternis“ zeigte sich seinerzeit in Sachen Gewalt gegenüber den ersten beiden „Tanz der Teufel“-Filmen ein wenig massenkompatibler und überzeugte mehr durch kreative Einfälle wie die unvergesslichen Miniatur-Ashs und weniger durch besonders brutale Szenen. Ash vs. Evil Dead geht teilweise wieder zurück zu den Anfängen und zeigt schon im Serienauftakt einige rabiate Szenen. Einige Elemente lassen aber durchaus auch Erinnerungen an „Armee der Finsternis“ wach werden und sorgen für einen gewissen Wiedererkennungswert, ohne dass es sich nach einer Kopie anfühlt.
Die Spezialeffekte wirken zu einem beträchtlichen Teil handgemacht und es wurde viel mit Masken, Kostümen und einer Menge Kunstblut gearbeitet. Dadurch wirkt alles wesentlich authentischer und erinnert angenehm an die Horrorfilme der achtziger Jahre. Allerdings gibt es auch Szenen mit CGI-Effekten und die fallen einem sofort ins Auge, gerade weil so vieles andere mit Hand umgesetzt wurde. Die computergenerierten Elemente sind aber in der Unterzahl und wirken in der Regel nicht deplaziert, sondern können wegen der bewusst trashigen Machart sogar für ein Schmunzeln sorgen. Dennoch sind echte Special Effects immer besser und es bleibt zu hoffen, dass man in dieser Hinsicht auch bei folgenden Episoden eine gute Mischung finden wird.

In Sachen Stimmung und Atmosphäre platziert sich Ash vs. Evil Dead zwischen dem zweiten und dritten Teil von „Tanz der Teufel“. Während der Erstling seinerzeit noch vergleichsweise ernst daherkam, entwickelte sich die Filmreihe später immer mehr in Richtung Horrorkomödie und spätestens „Armee der Finsternis“ sorgte mit grotesken Szenen und Fantasyelementen für mehr Lachen als Gruseln.
Zumindest der Serienpilot ist wieder ein klein wenig bodenständiger und erzeugt manchmal sogar eine klassische Horrorstimmung. Wenn Menschen im Alltag für einen kurzen Moment wie Dämonen aussehen oder die Polizistin Amanda mit zitternden Händen in einem scheinbar verlassenen Haus nach ihrer Taschenlampe greift, dann wirds teilweise richtig unheimlich und der ansonsten omnipräsente Humor rückt kurz in den Hintergrund.
Es ist eine gute Idee, dass man abseits von Ash und seinem Gefolge auch andere Charaktere geboten bekommt, die deutlich verletzlicher wirken. Sie sorgen mit ihrer Angst auch beim Zuschauer für Unbehagen, während Ash im Vergleich wie eine Art Superheld daherkommt. „Ash vs. Evil Dead“ wird zwar bei niemandem für schlaflose Nächte sorgen, aber es ist dennoch erfreulich, dass auch der unheimlichen Seite von „Tanz der Teufel“ in der Serie Rechnung getragen wird.
How does it feel? Groovy!
Als Neuling im „Tanz der Teufel“-Franchise könnte man anfangs durchaus ein wenig überfordert sein, denn der Einstieg gestaltet sich relativ unmittelbar und ohne Kenntnis der Filme weiß man in der ersten Hälfte des Piloten nichts über die Hintergründe. Später gibt Ash allerdings eine kleine Retrospektive zum Besten, bei der sogar kurze Szenen aus den alten Filmen zu sehen sind. Zum Schluss ist man auch als neuer Zuschauer ausreichend im Bilde und für die kommenden Episoden gewappnet.
Fans erkennen natürlich die Elemente der früheren Filme und diese sind hier nicht nur vorhanden, sondern werden immer wieder in aller Deutlichkeit zelebriert. Schrotflinte und Kettensäge sind nicht einfach nur Ashs Waffen, sondern gehören zu seiner Person wie der Kriegshammer Mjölnir zu „Thor“. Spätestens wenn man eine namenlose und dämonische Entität aus der Egoperspektive begleitet und sie auf ihre Opfer zurasen sieht, fühlt man sich als „Tanz der Teufel“-Fan zu hause.
Natürlich lebt „Ash vs. Evil Dead“ nicht zuletzt von Bruce Campbells Performance und man merkt sofort, dass er Spaß an seiner Rolle hat. Selbstverständlich ist Ash kein komplexer Charakter, aber der Mischung aus unbeholfenem Loser und obercoolem Dämonenvernichter kann man sich kaum entziehen und die Figur besitzt durch ihre ungezwungene Art unheimlich viel Charme.
Allerdings muss man noch abwarten, ob mit der Prämisse von „Ash vs. Evil Dead“ auch eine oder mehrere Staffeln einer Serie getragen werden kann. Die vierzigminütige Rückkehr von Ash lässt zwar kaum Wünsche offen, aber in welche Richtung wird man sich bei kommenden Episoden bewegen? Wird man eine große Geschichte erzählen und den anderen Charakteren noch mehr Screentime einräumen oder sich eher darauf konzentrieren, dass Ash auf möglichst stilvolle Weise regelmäßig einen Dämonen nach dem anderen über den Jordan schickt?

Nach der Sichtung des Piloten darf man jedenfalls mehr als zuversichtlich sein, dass Sam Rami mit Ash vs. Evil Dead an die Qualität seiner „Tanz der Teufel“-Filmklassiker anknüpfen wird. Fans von Splatterkomödien sollten sich Ashs blutigen Kampf gegen das Böse auf gar keinen Fall entgehen lassen und man bekommt hier ein gutes Beispiel dafür geboten, wie die Serienadaption einer kultigen Filmreihe auszusehen hat.
Der Trailer zu „Ash vs. Evil Dead“: