As We See It: Was ist schon normal? Review der Pilotepisode

© Amazon Prime Video / Universal TV
Bei Amazon Prime Video ist die erste Staffel der Serie As We See It gestartet. Sie stammt von Jason Katims, den man als Serienmacher beispielsweise von Parenthood oder Friday Night Lights kennt. Das sind Formate, die für ihre emotionale Komponente und ihren Pathos bekannt sind. Die neue Dramedy, die mit acht Folgen online steht und den deutschen Beititel „Ungewöhnlich normal“ trägt, reiht sich in seine übliche Arbeit ein, die irgendwo zwischen lebensbejahend, erheiternd, anstrengend und traurig landet.
Worum geht es in As We See It?
Die Serie dreht sich um die drei Mitbewohner Jack (Rick Glassman), Harrison (Albert Rutecki) und Violet (Sue Ann Pien). Sie sind alle in ihren 20ern und befinden sich auf dem Autismusspektrum. Jeder von ihnen hat eine andere Form von Limitierung auf besagtem Spektrum, die es ihnen in der „normalen“ Gesellschaft schwermacht.
Jack ist hochintelligent, aber eben auch brutal ehrlich. Bei seiner Arbeit für einen Verlag in der IT-Abteilung und in Meetings kann er sich im Gegensatz zu den anderen Kollegen nicht auf Bullshit-Floskeln oder Höflichkeiten einlassen. Wenn es Kritik hagelt, dann kommt die Ehrlichkeitskeule zum Einsatz, was ihn im Auftakt „Was ist schon normal“ den Job kostet. Sein unmittelbares Ziel ist ein Saugroboter, den er von seinem Gehalt finanzieren möchte. Später erfährt er zudem noch, dass sein Vater Lou (Joe Montagne) Krebs hat und sehr wahrscheinlich bald sterben wird. Als Person auf dem Spektrum trifft ihn das jedoch anders als eine Otto Normalperson.
Harrison überfordern die Reize der Stadt (vor allem auch Hunde), weswegen es eine soziale Herausforderung für ihn ist, beispielsweise ohne Leitung das Haus zu verlassen und etwa in ein Lokal zu gehen. Violet arbeitet in einem Fastfood-Restaurant und hat eine Art Obsession rund um das Thema Dating. Sie möchte unbedingt die Erfahrungen sammeln, die Gleichaltrige erleben, und flirtet deswegen einen Kunden an, was ihr Ärger von dessen Frau einbringt und eine Versetzung von der Kasse hin zum Burgerbraten. Trotzdem lässt sie nicht locker und installiert sich eine Datingapp, um Männer kennenzulernen.
Bei ihr ist noch ihr Bruder Van (Chris Pang) im Spiel, der darüber glücklich ist, dass Mandy (Sosie Bacon) seine Schwester in der WG betreut und sich auch um die anderen beiden kümmert. Mandy ist der Fels in der Brandung, der selbst von einem Medizinstudium träumt, nur leider hagelt es Absagen dafür. Ihr Partner würde sie gerne mit nach Berkeley nehmen, wo sie aber wahrscheinlich eher rumsitzen würde. Ihr Pflichtbewusstsein sagt ihr deswegen, dass sie sich weiter um das Trio kümmern sollte, was jedoch eine alltägliche Herausforderung ist.
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The honest truth

Gewisse körperliche Beeinträchtigungen, wie zum Beispiel Blindheit, Gehörlosigkeit oder das Gebundensein an einen Rollstuhl werden in Serien immer mal wieder thematisiert. Serien wie Daredevil, Lincoln Rhyme: Hunt for the Bone Collector, The Walking Dead, This Is Us oder Die Heiland fallen mir hier spontan ein, bei welchen einzelne Figuren mit - oftmals körperlicher - Behinderung eine Rolle spielen. Im Fall von Autismus und Asperger ist die Anzahl hingegen überschaubarer - und das Thema wird eher gestreift. Club der roten Bänder, Tonis Welt, The Big Bang Theory, Young Sheldon, Community, Parenthood, Touch, Everything's Gonna Be Okay und Atypical sind hier wahrscheinlich die prominentesten Beispiele (in manchen Fällen aber auch nicht wirklich treffsicher, was die Darstellung angeht).
Als Serienthema ist eine Wohngemeinschaft mit gleich drei Personen mit ziemlich unterschiedlichen Bedürfnissen eine spannende Idee und es gelingt in der Auftaktfolge auch durchaus erfolgreich zu etablieren, wie das Leben für diese Individuen ungefähr wäre. Somit erhält man als Zuschauer einen Einblick in eine Welt, die für viele fremd sein dürfte, für andere aber eine gelebte Lebensrealität, mit allem, was daran herausfordernd und anstrengend ist, darstellt. Obwohl das alles nur eine fiktive Serie ist, hat man doch recht schnell großen Respekt für die geduldige und verständnisvolle Mandy, die sich kümmert und immer wieder neue Strategien entwickelt, um dem Trio dabei zu helfen, etwas eigenständiger zu werden. Das Casting von Bacon ist hier außerdem ein Volltreffer.
Und auch das Protagonistentrio macht einen ausgezeichneten Job, was die Performance angeht. Ich musste Jack-Darsteller Glassman nach dem Anschauen einmal in einem anderen Kontext, nämlich einem Interview zu Undateable, anschauen, um sicherzugehen, dass er nicht „nur“ sich selbst spielt. Vorab gab es nämlich Informationen, in denen sich die anderen beiden Darsteller, die weniger Erfahrung mitbringen, durchaus als Personen auf dem Spektrum identifiziert haben.
Der Score, der immer wieder mit leicht schnulzigen Instrumentalstücken daherkommt, passt zu der Geschichte, die hier transportiert wird, und ebenso zu dieser Art von Drama. Die Serie ist eine Art halbstündige Dramedy, die versucht, das ernste Thema luftig zu verpacken, was auch größtenteils durch das ordentliche Drehbuch gelingt. Aber für manchen Zuschauer wird es sich trotzdem um einen Downer handeln, dem man aber eine Chance geben sollte, wenn man seinen Horizont erweitern möchte. Oder wenn man nicht immer nur glatten Alltag oder ein Familiendrama sehen will, in dem die besagten Themen vielleicht mal einen Handlungsstrang von vielen darstellen. Zumindest gilt das für die ersten beiden Episoden, die ich mir bisher angeschaut habe.
Fazit
As We See It verpackt ein ernstes Thema auf ansehnliche Weise, wobei die ganze Bandbreite der Emotionen abgearbeitet wird, also Höhen und Tiefen des Lebens auf dem Spektrum und Menschen, die solche Personen in ihrem Leben haben. Vor allem Fans von anderen Jason-Katims-Formaten oder emotionalen Dramaserien wie This Is Us sollten reinschauen, denn die Serienmacher bilden gewisse Facetten des Alltags auf unvergleichliche und berührende Weise ab. Das Format stellt somit eine überraschende Bereicherung für das Amazon Prime Video-Portfolio dar.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „As We See It“:
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