Arrow 8x10

© zenenfoto aus der Arrow-Folge Fadeout (c) The CW
2012 startete Arrow in den USA und damit auch das DC-Serienuniversum von The CW, das seitdem als Arrowverse bekannt ist und neben der Mutterserie auch The Flash, Supergirl, Legends of Tomorrow, Batwoman und seit dem „Crisis on Infinite Earths“-Crossover auch Black Lightning offiziell umfasst und bald schon kommt auch noch Superman & Lois dazu, während ein Spin-off namens Green Arrow & the Canaries rund um Mia Queen (Katherine McNamera) im Bereich des Möglichen liegt, aber beim Verfassen dieser Zeilen noch nicht offiziell in Serie geschickt wurde.
Das Arrowverse ist gleichzeitig auch das bisher größte und ambitionierteste zusammenhängende, parallele TV-Konstrukt, das zwar oft nur lose aufeinander aufbaut, aber durch Crossover eben immer wieder zusammengebracht wird. Vielleicht wurden die einzelnen Serien dabei weltweit nicht von so vielen Menschen gesehen, wie die NCIS-, die Law & Order- oder die CSI: Crime Scene Investigation- und „Chicago“-Serien, die es da gibt, aber ein fünfteiliges Mega-Crossover hat keine davon je auf die Beine gestellt.
Der langfristige und nachhaltige Erfolg ist mit Sicherheit auch dem Originaltrio der Serie zu verdanken: Stephen Amell als Oliver Queen, David Ramsey als John Diggle und Emily Bett Rickards als Felicity Smoak haben die Serie besonders zu Beginn getragen und im Fall von Felicity wurde aus einer Nebendarstellerin bald eine überaus beliebte, wenn auch streitbare Hauptfigur. Zudem muss man wohl feststellen, dass wie bei vielen Serien und Superheldenserien im Allgemeinen die magische Formel irgendwann ihre Wirkung verloren und sich gewisse Elemente abgenutzt oder wiederholt haben. Schon in der dritten oder vierten Staffel hat man es enorm gemerkt, dass die Actionszenen und die Stuntarbeit nicht die beste ist (eventuell auch wegen starker Konkurrenz bei anderen Anbietern, darunter zum Beispiel Daredevil bei Netflix).
Die fünfte „Arrow“-Staffel konnte zumindest wieder mit einem überzeugenden Schurken punkten, aber die alten Glanzzeiten und vor allem die Höhen der zweiten Staffel rund um Deathstroke/Slade Wilson (Manu Bennett) konnten schwer je wieder erreicht werden.
Die Autoren haben es immer wieder versucht und neue Figuren eingebaut, das Team erweitert oder die Prämisse auf den Kopf gestellt, wie etwa durch den Gefängnis-Arc in Staffel sieben, die Einschaltquoten neigten sich aber nach unten und, wie es scheint, hatte auch Stephen Amell selbst schon nach der sechsten Staffel überlegt, die Kapuze an den Nagel zu hängen, das finanzielle Angebot für Staffel sieben und acht war anscheinend jedoch zu verlockend für ihn.
Unabwendbares Schicksal
Die achte und finale Staffel stand dann auch relativ stark im Zeichen von „Crisis on Infinite Earths“, die schon lange, aber in Arrow selbst ab dem Elseworlds-Crossover besonders im Fokus. Früh ließ man die Katze aus dem Sack: Oliver Queen muss sich opfern, um seine Freunde und die Welt, sogar das Multiversum zu retten. So starb Oliver während des Crossovers gleich zwei Mal: Erst wurde er durch die Lazarus Grube wiederbelebt, kehrte aber ohne Seele wieder und musste schließlich zu Gottes Zorn aka dem Spectre werden und opferte sich dann im Kampf mit dem Anti-Monitor (LaMonica Garrett), wobei es ihm aber gelingt Earth-Prime zu schaffen und somit alle relevanten Arrowverse-Serien von The CW auf einer Erde zu vereinen. Zudem hatte sein Opfer noch andere Folgen, denn plötzlich leben in Star City (fast) alle toten Kameraden wieder.
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You have saved this city!

Im Serienfinale Fadeout sehen wir beispielsweise, dass Oliver den Tod seiner Mutter Moira (Susanna Thompson) verhindern kann. Der eigentliche Moment gehört für mich zu den besten der Serie überhaupt. Als Zuschauer muss man sich fragen, ob das für einen okay ist, weil es sich um einen versöhnlichen Serienabschluss und ein Happy End in einer Comicadaption handelt, bei der der Tod ohnehin gerne per Drehtür ausgetrickst wird oder es eine inakzeptable Entscheidung der Macher ist. Wie man wahrscheinlich merkt, bin ich da überaus nachsichtig und auch schon einiges gewohnt. Die „Arrow“-Autoren haben es in acht Staffeln geliebt, verblichene Figuren in Flashbacks, Visionen oder parallelen Universen zurückzuholen. Da ist es wahrscheinlich nur konsequent, jetzt den letzten Schritt zu gehen und sie einfach knallhart wiederzubeleben. Bei Tommy (Colin Donnell), Moira, Quentin Lance (Paul Blackthorne) sicherlich kein Problem. Ein wenig unpassender finde ich, dass man Emiko (Sea Shimooka) ebenfalls rehabilitiert. Allerdings versucht dieses Serienfinale auch, die Botschaft mit dem Holzhammer zu unterstreichen, dass jeder eine zweite Chance verdient hat und dass vordergründig Oliver Queen selbst einst als De-facto-Mörder angefangen hatte, der auf seinem Rachefeldzug die Übeltäter zur Strecke gebracht hat und erst zu someone und something else werden musste, wie es im Intro immer und immer wieder heißt. Und, um mit Emiko nicht zu schwer ins Gericht zu gehen: Auch Figuren wie Malcolm Merlyn, Slade Wilson, Nyssa und Talia al Ghul wurde mit der Zeit verziehen und sie selbst wurden zu Verbündeten. Mit einer lupenreinen Moral hatten es die Macher also ohnehin nie.
Es kommt dabei auch immer darauf an, mit welchen Personen man sich umgibt. Diggle und Felicity etwa hatten positive Einflüsse auf Oliver, Roy (Colton Haynes) wurde im Laufe der Zeit von einem Straßendieb zum Sidekick und wertvollen Partner und auch Dinah (Juliana Harkavy) und Rene (Rick Gonzalez) hatten persönliche Probleme und Dämonen, die sie erst als Mitglieder im Team Arrow richtig in den Griff bekamen. Das Fass rund um Laurel (Katie Cassidy) aka Black Siren muss ich, glaube ich, gar nicht erst aufmachen.
Epilog und Prolog

Das Finale ist deswegen auch eher ein langer Epilog und ein Tribut an das Vermächtnis und die Entwicklung von Oliver Queen, zu der jeder eingeladen wurde, der Zeit hatte, besonders natürlich Team- und Familienmitglieder. Nennenswerte fehlende Figuren sind eigentlich nur Walter, Malcolm oder Slade, wobei Slade am Anfang sogar kurz noch einmal zu sehen ist.
Ein kleines bisschen ist die Folge auch ein weiterer Prolog für einen Ableger rund um Mia, denn die Ereignisse aus dem Backdoor-Piloten haben sich zugetragen und beschäftigen sie. Nachdem sie durch Olivers Opfer eigentlich ein schönes Leben führen konnte, hat sie die Erinnerungen an die Crisis zurückerhalten, weiß, dass ihr Verlobter John Jr. (Charlie Barnett) in einem früheren Leben ein Deathstroke war (und es jetzt vielleicht wieder ist) und dass Bruder William verschleppt wurde (ein weiterer Dauerbrenner bei „Arrow“). In der Gegenwart versucht sie, Hinweise zu finden, wird aber durch die Rückkehr ihrer Mutter emotional aus der Bahn geworfen. Felicity weiß nämlich ebenfalls nicht, wie sie mit einer erwachsenen Mia umgehen soll, wenn sie die junge Mia doch gerade erst großzieht.
Auch in der Gegenwart wird William entführt, was den eigentlich Plot dieser Folge darstellt und weswegen ein Best-of aller Arrow-Teammitglieder im Bunker zusammenkommt, um die Stadt zu durchsuchen und Olivers Familie wieder zusammenzubringen. Eine praktische Nebenwirkung von der neuen Earth-Prime ist nämlich außerdem, dass Star City fast frei von Kriminellen ist, was dazu führt, dass das Team an sich eigentlich keine wirkliche Relevanz mehr hat.
Rene soll bald das Bürgermeisteramt von Quentin Lance übernehmen, Dinah könnte Polizeichefin werden (sofern sie das will, aber - Achtung, Spoiler! - das will sie nicht) und Diggle zieht es mit der Familie nach Metropolis. Laurel betrinkt sich derweil und fragt sich, warum einige Tote von Oliver wiederbelebt wurden, aber ihr alternatives, besseres Ich nicht dazu gehört und auch eine mögliche Zukunft mit Tommy, der in einer alternativen Welt ihr Ehemann war, wird angedeutet. Roy macht derweil Thea einen Heiratsantrag (vor dem Van-Wayne-Gebäude, was somit eine Anspielung auf Powerless darstellt), den sie unter der Bedingung annimmt, dass man zukünftig offen und aufrichtig zueinander ist und nicht bei Problemen davonläuft. Selbstredend bleibt auch Oliver und Felicity ihr großes Wiedersehen in der Nachwelt nicht verwehrt, wobei hier einer der von den Autoren geliebten Rückbezüge auf den Anfang der Serie präsentiert wird. Etwas Schmalz war irgendwie auch schon immer Teil des Gesamtpakets.
Grün ist die Hoffnung
Es gibt also recht viele Happy Ends für die Bewohner von Star City, aber auch offene Enden für etwaige Spin-offs, weil Dinah etwa lieber andere Städte beschützen will und sie vielleicht in „Green Arrow and the Canaries“ zurückkehren könnte. Am spannendsten dürfte aber der Teaser zu Diggle sein, denn seit Jahren wird hier mit dem Green-Lantern-Mythos gespielt. Sein Ziehvater hatte etwa den Nachnamen Stewart. Diggle selbst hatte einen passenden Militärhintergrund und auch von Coast City war schon öfter die Rede. So, wie es im Finale aufgebaut wird, zieht es Diggle und seine Familie aber nach Metropolis, wo zufällig auch Superman & Lois spielt. Im „Arrow“-Finale crasht offenbar ein UFO auf die Erde und Diggle findet ein Kästchen mit einem grün glühenden Licht. Ist das also die Vorbereitung auf eine Fortsetzung in der neuen Superman-Serie?
Natürlich bin ich mir im Klaren, dass HBO Max ebenfalls eine Big-Budget-Serie rund um die Weltraumpolizisten plant, aber die Vorschau am Ende von „Crisis on Infinite Earths“ hat in meinen Augen recht deutlich gemacht, dass die DC-Serien von DC Universe oder HBO Max auf anderen Welten des Multiversums spielen und nicht im neuen Arrowverse-Status-quo nach dem Mega-Crossover. Diggle als Supporting-Cast-Mitglied in der neuen Superman-Serie stelle ich mir in etwa so vor wie Martian Manhunter bei Supergirl: Ab und zu kann man die teuren Effekte einsetzen, aber für aufwändige Weltraumreisen muss man wohl auf Crossover oder große Folgen warten.
Hier die Erden außerhalb von Earth-Prime:
Arrowverse: Endgame

Wie manche Leser bedauere ich es auch, dass wir leider nur wenig Zeit gefunden haben, uns explizit dem Crisis-Crossover zu widmen. Ein wenig haben wir dazu stets in der Rubrik „Top of the Week“ hier und hier geschrieben. Ich persönlich frage mich, ob und inwiefern es Zufall war, dass manche Elemente und Strukturen des Crossovers an „Avengers: Endgame“ erinnern oder ob es ein Henne-Ei-Problem ist. Bei beiden muss sich quasi die Figur opfern, mit der das Franchise-Universum seinen Ursprung genommen hatte, und bei beiden gibt es große Begräbnisse, bei denen noch einmal viele wichtige Figuren auftauchen. Man kann natürlich einfach damit argumentieren, dass wegen der Wichtigkeit der betroffenen Figuren es nur folgerichtig ist, dass auch die Beerdigung in diesem Ausmaß ausfällt.
Außerdem gibt es gewissen Konventionen, die in großen Comic-Crossovern einfach passieren. In der Vorlage, die immerhin schon 1986 herauskam und die Mutter aller späteren Comic-Crossover darstellte, kann man logistisch sehr viel einfacher alle Helden zusammentrommeln, der Autor und die Zeichner müssen sich nur darauf verständigen. Bei Filmen und Serien - mit Comicursprung - war das lange Zeit nicht möglich, weil der Shared-Universe-Gedanke erst seit 2008 respektive 2012 mit dem MCU und dem Arrowverse wirklich etabliert wurde und beide kamen zufällig nun relativ nah zueinander zu ihrem (vorläufigen) Höhepunkt.
Ich applaudiere in Richtung beider Bemühungen und kann im Fall der Crisis teilweise kaum glauben, welche Cameos dabei bewerkstelligt wurden, besonders Lucifer und Ezra Miller als Film-„Flash“ sind hier zu nennen. Ein Aspekt, der mir beim „Crisis on Infinite Earths“-Crossover allerdings etwas fehlte - und damit könnte ich eventuell in der Minderheit sein: Die emotionale Komponente hat mich nur unzureichend gekriegt. Vielleicht liegt das daran, dass die Qualität der Mutterserie und auch meine Leidenschaft für das Arrowverse an sich abgenommen hatte oder aber daran, dass Olivers Tod im Prinzip schon viele Monate vor dem eigentlichen Crossover verkündet war, während die Veränderungen im „Avengers“-Film zwar viele Spekulationen verursacht hatten, aber doch bis zum Kinostart zumindest geheim blieben. Das ist aber wie gesagt nur eine subjektive Betrachtung beider Großprojekte und ich bin mir sicher, dass es auch viele leidenschaftliche Arrowverse-Fans gibt, die von Oliver Queens Opfer (zu Recht) sehr berührt wurden.
Wo geht es hin?
Der neue Status quo hat schon einige Veränderungen verursacht, bei Supergirl hat Lex Luthor (Jon Cryer) beispielsweise einen Friedensnobelpreis gewonnen und hat nun das Sagen über die DEO, weswegen sich die Super Friends eine neue Bleibe suchen müssen. Superman (Tyler Hoechlin) ist mehrfacher, statt nur einfacher Vater und auch in Arrow selbst ist Diggles Tochter Sara wieder aufgetaucht. Das dürften noch längst nicht alle Veränderungen sein, denn auch in Gotham und Central City wird wohl einiges durcheinander geraten sein.
Wer nach acht Jahren Arrowverse noch dabei ist, erlebt also womöglich gerade spannende Zeiten. Man muss sich aber unweigerlich fragen, wie lange das Universum noch laufen kann. Die Strategie von The CW scheint auf Expansion oder zumindest Erhaltung der Serienschlagzahl zu liegen. Zukünftige Crossover dürften schwer zu toppen sein und man sollte es vorerst auch nicht versuchen, weil man sich sonst überheben würde. Back to the basics scheint hier der weisere Ansatz zu sein. Kleinere Team-ups, etwa zwischen Batwoman und Supergirl sind denkbar oder Zwei- beziehungsweise Dreiteiler, die vielleicht sogar mehrmals im Jahr stattfinden können. Das Crossover zum Jahresende hat sich für die Produktion bewährt und ich denke, dass es daher auch weitergeht damit. Man kann also durchaus gespannt sein. Die „Crisis on Infinite Earths“ hat im Prinzip auch die „Super Friends“ oder „Justice League“ und eine Hall of Justice zur Realität werden lassen. Es müssen ja nicht immer kosmische Bedrohungen oder Weltenzerstörer sein, die die Helden auf Trab halten, denn die Justice League hat genug Feinde, die multiple Helden erfordern...
Was ebenfalls interessant ist: Welche Helden oder Figuren bisher fehlen. Aus der ersten Liga sind es Wonder Woman und Aquaman, die natürlich im Kino große Erfolge feiern, aber inzwischen scheinen Supermänner und auch der dunkle Ritter Batman, wenn auch als ältere Version, nicht mehr unbedingt tabu zu sein. Und solange die Arrowverse-Serien weiterhin von den Zuschauern verfolgt werden und die Hauptdarsteller Lust auf die Rollen haben, dürfte es auch noch eine Weile weitergehen. Verlängert sind alle Serien zumindest bis zur TV-Season 2020/2021, dann wird The Flash zum neuen Alterspräsidenten.
Fazit
„Arrow“ ist tot, lang lebe „Green Arrow“ und das Arrowverse? Die DC-Serien von The CW gehen auch ohne Oliver Queen munter weiter und auch so manche Figur aus der Serie wird sicherlich in anderen Projekten wieder auftauchen. Das Serienfinale schenkt vielen Charakteren versöhnliche Abschlüsse, unterstreicht noch einmal den Kerngedanken der Geschichte und blickt in eine spannende Zukunft.
Auch, wenn die Mutterserie des Arrowverse ihre Glanzzeiten schon länger hinter sich hatte, hat sie den DC-TV-Fans viele unterhaltsame Stunden, unvergessliche Crossover und Ableger geschenkt. Das kann nicht gerade jede Serie von sich behaupten.
Hier noch der Trailer zum Serienfinale Fadeout:
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Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 29. Januar 2020Arrow 8x10 Trailer
(Arrow 8x10)
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