Arrow 3x23

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Diese dritte Staffel von Arrow hatte es schwer. Die zweite Staffel mit Slade Wilson (Manu Bennett) aka Deathstroke baute auf zwei Jahren Vorarbeit durch unterhaltsame Flashbacks auf. In der dritten Staffel mussten sich die Autoren bemühen, einen roten Faden zu spannen, und entschieden sich, zunächst ein Whodunnit zu präsentieren, ehe der big bad Ra's Al Ghul sein Gesicht und nicht nur seinen Rücken zeigte. Doch besonders in der ersten Hälfte der Staffel war das nicht immer gut genug. Und zusammen mit den recht langweiligen Flashbacks aus Hong Kong waren Unterhaltung und Spannung nicht immer gegeben. Erschwerend kam wieder der Soap-Faktor hinzu, der in Staffel zwei glücklicherweise fast völlig fehlte. Kurz gesagt: Die Staffel hatte ihre Höhen und Tiefen.
Schaffen es die Autoren, zumindest im Finale die Kurve zu kriegen?
My name is Oliver Queen!
Oliver Queen aka Al Sah-him aka Arrow befindet sich zu Beginn von My Name is Oliver Queen im Flugzeug der League of Assassins, die sich bereit macht, seine Heimat Starling City mit der Alpha/Omega-Waffe anzugreifen. Ra's meint, dass Al Sah-him sein Nachfolger wird und einen feschen Daumenring als Bonus erhält, wenn die Tat vollbracht ist.
Wie erwartet, lässt Oliver das nicht zu und hat die Maschine zuvor sabotiert. Sein Plan: Al Ghul im Flieger zu töten, auch wenn es seinen eigenen Tod, aber dafür die Rettung seiner Heimat bedeutet. Also erfolgt der Angriff mitten in der Luft. Der Plan geht nicht auf und der Demon's Head kann mit der Waffe entkommen. Nyssa (Katrina Law) und Oliver müssen derweil das Flugzeug landen.
Wunderwaffe Barry

Der Rest des mittlerweile ziemlich großen Arrow-Teams wacht in Nada Parbat, wie ebenfalls erwartet, wieder auf. Alles war ein Teil des großen Plans: von Malcolms „Verrat“ über Olivers Schauspiel bis hin zur Tatsache, dass Malcolm mit Hilfe von Ollies Blut alle gegen das Virus immunisiert hat (warum schliefen sie dann alle?). Auch die Verstärkung und der Weg heraus ist schon bestellt. Barry Allen (Grant Gustin) rettet Tatsu (Rila Fukushima) vor dem Tod und schafft die Assassine erst einmal mit Supergeschwindigkeit weg, ehe er den Rest herausholt. Nebenbei freut sich Barry über den Whirlpool (aka die Lazarus-Gruppe) und wird von Felicity (Emily Bett Rickards) vor dem Superschurken Malcolm (John Barrowman) geoutet. Immerhin wird der running gag, dass alle wissen, wer der Flash ist, damit aufrechterhalten. Meiner Meinung nach wissen einfach zu viele Leute, wer Barry insgeheim ist.
Barrys Ausrede, warum er nicht helfen kann, ist fadenscheinig, aber immerhin ein Alibi, um Fans ruhig zu stimmen, die genau das Szenario vorgeschlagen haben. Ein gewisser Harrison Well (Tom Cavanagh) erfordert seine ganze Aufmerksamkeit. Der Gastauftritt ist witzig, raubt dem Ganzen aber irgendwie auch das Gefühl der Dringlichkeit, denn wenn man weiter denkt, könnte man mit dem schnellsten Mann der Welt und seiner Zeitreisefähigkeit ja im Prinzip noch andere Dinge ungeschehen machen. Aber wir akzeptieren es einfach mal, sonst gäbe es ja kein Serienfinale.
FlashBorings oder Flashbacks?

Auch Tatsu widmet sich nun lieber wieder einem Leben in Einsamkeit. Genau, das hat sie nämlich gemacht, als ihr Mann Maseo (Karl Yune) sie nach dem Tod ihres Sohnes Akio für die League verlässt. Sie selbst geht in ein japanisches Kloster, während Oliver den Verantwortlichen brutal foltert und ein Stück seiner Menschlichkeit verliert.
Sehr viel mehr bringen die Flashbacks allerdings auch nicht zutage, außer vielleicht, dass Oliver zu Abschieden gerne die gleichen Worte benutzt, den Satz „You have failed this city“ auch in Hong Kong spricht und nach diesem Erlebnis noch weiterzieht, um allein zu sein. Wohin geht es also? Und können wir das Ganze vielleicht in etwas gestraffterem Tempo erfahren? Niemand muss sehen, wie Oliver irgendwo allein ist und wütend dreinblickt. Seine Zeit in Russland müsste wohl noch geklärt werden. Falls dem so sein sollte, kann man nur hoffen, dass die spannender ist als sein Hong-Kong-Aufenthalt. Auch wenn schlussendlich das Alpha/Omega noch wichtig wurde.
Malcolm mittendrin

Nach der Rückkehr in die Heimat übernimmt Malcolm das Kommando und hat die richtigen Ideen, auch wenn seine „Gefolgschaft“ eigentlich keine Lust hat, von ihm Befehle anzunehmen. Diggle (David Ramsey) stimmt dem, was er vor hat jedoch zu und so bekommt jeder, die erwartete Aufgabe. Zumindest bis Ollie und Nyssa dazu kommen und für Unmut sorgen. Besonders bei Diggle, dessen Schlag gegen Oliver sich richtig gut anfühlt.
Er ist richtig angepisst vom Verhalten seines Freundes. Diesen Aufbau hat die Staffel gut hinbekommen. Der Kontrast vom Trauzeugen und Bruderersatz zum unterkühlten neuen Pseudo-Assassin hat für den Konflikt gut funktioniert.
Typisch für Oliver sind seine Alleingänge (oder in diesem Fall die Partnerschaft mit dem Teufel in Menschengestalt Merlyn) mit der scheinheiligen Begründung, andere schützen zu wollen. Das ist natürlich, wie wir wissen, mehr als riskant und geht auch manchmal nach hinten los. Immerhin wurde bis auf Sara niemand aus seinem direkten Umfeld in Mitleidenschaft gezogen.
Auch hier bleibt zu hoffen, dass sein Märtyrerdasein und sein Hang zu Selbstmordmissionen mit der Al-Ghul-Story ein Ende findet. Diggle ist jedenfalls so verletzt, dass ein einfaches Sorry nicht genug ist.
Damien Darhk Rises
Darüber hinaus wird ein erster Hinweis auf den großen Widersacher der vierten Staffel gelegt. Denn Damien Darhk soll in der Stadt sein, der bereits erwähnte Erzfeind Al Ghuls, dem wohl eigentlich der Anschlag auf Starling City gilt. Das Team glaubt, dass man zwei Fliegen mit einer Klappe erledigen könnte, und überlegt, ob man Damien gegen das Virus tauschen könnte. Der Plan ist so böse gut, dass selbst Malcolm begeistert ist.
Allerdings ist ein Mann wie Darhk schlauer und schickt nur einen Repräsentanten, der auch kurzerhand von der League erledigt wird. Im Gegensatz dazu hat Ra's seine Leute gleich an vier Orte gleichzeitig hingeschickt, um es dem Team extra schwer zu machen. Vier klingt in diesem Zusammenhang irgendwie willkürlich oder so, als wollte man genau die Anzahl an Leuten weglocken, von denen er weiß. Wenn er jedoch ernstes Interesse an der Zerstörung der Stadt hätte, würde man denn nicht 10 oder 20 Leute losschicken oder das vielleicht gar nicht erst hinausposaunen? Naja, die Comiclogik schlägt wieder zu, was aber nicht weiter schlimm ist.
Quentin wird rückfällig
Nach einer etwas längeren Pause sehen wir auch Quentin (Paul Blackthorne) in dieser Episode wieder. Laurel (Katie Cassidy) versucht ihn davon zu überzeugen, dass die Stadt in Gefahr ist. Sein schöner Meta-Kommentar („The City is under attack? It must be May“/„Die Stadt wird attackiert, es muss Mai sein“) ist einfach herrlich. Nicht so schön ist die Tatsache, dass er rückfällig geworden ist und sicherlich auch wegen der Kluft mit seiner Tochter und der Arrow-Situation wieder die Kontrolle verloren hat.
Zwei Drinks am Tag mögen nach nicht viel klingen, können aber für Alkoholiker den Anfang vom Ende einleiten. Das Gespräch der beiden ist ein schöner emotionaler Moment der Episode. Laurels Ultimatum lautet: Trink weiter oder mach' deine beiden Töchter stolz, indem du der Stadt hilfst. Was Quentin sich, trotz mancher Sturheit, nicht zwei Mal sagen lässt.
Olicity

Emotional, aber in eine andere Richtung wird es bei Oliver und Felicity. Er erzählt ihr von seinen wiederkehrenden (Alp-)Träumen, in denen er manchmal vor dem Kampf mit Ra's lieber mit ihr durchbrennt und oft immer wieder seine herbe Niederlage gegen Ra's Al Ghul durchlebt. Oliver ist, Felicity zufolge, als er selbst und als Arrow gescheitert, weil seine Gefühle eben keine Schwäche, sondern eine Stärke sind und er solle nicht kämpfen mit dem Gedanken an den Tod im Hinterkopf, sondern mit der Hoffnung weiterzuleben.
Was die Autoren auch über Bord werfen können, ist die Tatsache, dass sie am Anfang und am Ende einer Staffel Oliver und Felicity zusammenführen, nur um sie dann wieder zu trennen. Die interessantere Variante wäre diesmal, zu schauen, was eine Beziehung der beiden bringen könnte. Denn aus vielerlei Gründen ist dieser Punkt bei den beiden nun ganz eindeutig erreicht. Weder Laurel noch Ray scheinen dem Glück der beiden im Weg zu stehen. Warum also mal nicht, außer eben der Hater wegen. Doch wer weiß, vielleicht bringt das ja eine leichtere Note in die Serie rein.
Schnitzeljagd
Oliver, Diggle, Malcolm sowie Laurel und Nyssa teilen sich die Aufgabe, die Waffe ausfindig zu machen. Dabei macht Diggle zuerst Bekanntschaft mit dem Boten, der kurz davor ist, ihn zu erschießen, bis Thea (Willa Holland) ihren coolen Auftritt als rote Bogenschützin im ehemaligen Arsenal-Kostüm gibt. Doch es sind, wie sich herausstellt, nicht die Aktenkoffer, die das gefährliche Gut enthalten, sondern die Menschen selbst, die bei ihrem Tod den Umstehenden Verderben bringen. Denn das Blut, das sich in die Umgebung absetzt, ist der Überträger. Malcolm, Nyssa und Laurel schaffen ihre Gegner ebenfalls aus dem Weg, sodass es nun an Oliver ist, das Finale zu bestreiten.
Kampf gegen den Dämon
Oliver trifft unterdessen auf einem Staudamm - also dem, was dem Duell auf dem Berg aus The Climb am nächsten kommt - auf Ra's Al Ghul. Und wieder: Der Kampf und seine Choreographie laufen wie erwartet ab. Das, was das Stunt-Team vollbringt, ist oft solide Arbeit, aber nach drei Staffeln ist es schwer, mit ähnlichen Moves etwas Neues zu präsentieren. Immerhin gibt es hier den netten Twist, dass die SCPD den Kampf im Auge hat und gegen Quentins eindringliche Warnung vor hat, zu schießen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Davon berichtet Malcolm auch Felicity und rückt somit von seiner harten Linie ab. Felicity sorgt sich natürlich um ihren Oliver. Hier muss man aber sagen: Irrational viel. Für einen Verliebten mag es Priorität haben, den Partner retten zu wollen, doch Ray Palmer (Brandon Routh), der daran arbeitet mit Hilfe seiner Nano-Technik ein Heilmittel zu entwickeln, wirft richtig ein, dass das Wohl der Stadt vorrangig ist.
Oliver steht kurz davor, gegen Ra's den Kürzeren zu ziehen, und dem amtierenden Demon's Head gelingt es, sein Schwert zu zerstören. Aus heiterem Himmel dreht Oliver dann das Duell und tötet seinen Kontrahenten mit dem Schwert, erweist ihm mit den Worten des Dämons die letzte Ehre und erhält von ihm den Ring. Just in dem Moment wird Oliver von einem Scharfschützen erwischt und fällt vom Staudamm. Genau da kommt der Atom-Anzug angeflogen. In ihm ist jedoch nicht Ray, sondern - und das hat man sich wie schon einiges andere von „Iron Man“ abgeschaut - Felicity. Wie Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) in „Iron Man 3“ darf sie in die Rüstung steigen. Nachsehen muss man hier die Tatsache, dass es keinerlei formelles Training gab und die gute Vizepräsidentin von Palmer Industries dennoch ohne Probleme genau in der richtigen Sekunde erscheint und den schweren Ollie aus der misslichen Lage holt. Ollie selbst verdankt sein Überleben ohnehin nur der guten Rüstung der League of Asssassins.
Oliver hatte nun also die Ehre, die eigentlich Nyssa gebührte, während Rays Gegenmittel anschlägt. Offen bleibt die Frage: Ist Oliver nun ein verheirateter Mann (und Vater ja auch, wenn man an Staffel zwei denkt) oder wird die Ehe annulliert?
Starling City Heroes

Der Tag ist gerettet, Oliver und seine Freunde feiern in der Arrow-Cave. Endlich sieht er ein, dass er nichts ohne seine Begleiter und Kameraden wäre und dass diese auch auf sich allein gestellt funktionieren. Die Stadt ist in guten Händen, so heißt es. Zumindest, möchte ich ergänzen, bis jemand vom Kaliber eines Brick (Vinnie Jones) oder Damien Darhk sich breitmacht.
Oliver will deswegen dem Team das Feld überlassen, die Arrow-Identität hinter sich lassen, die Ra's ohnehin zerstört hat, und den nächsten Schritt mit Felicity wagen - und zwar weit weg von Starling. Sowohl Thea als Speedy als auch Laurel als Canary erhalten also seinen Segen. Es ist eine schöne Botschaft, dass es in Starling City so viele Frauen gibt, die den Ton angeben und dem Verbrechen den Kampf ansagen. Nun gibt es eine mehr: Thea als Speedy/Red Arrow.
Man könnte sehr leicht eine Art „Birds of Prey“-Team daraus machen, wo Nyssa die Huntress-Rolle übernehmen könnte. Doch sie kehrt vorerst zurück nach Nanda Parbat, wo Malcolm nun das Sagen hat (ihre Herausforderung akzeptiert) und sie zum Niederknien auffordert. Im Austausch für die Hilfe gegen Ra's ist er nun also der neue Ra's. Im Endeffekt hat er so ziemlich alles bekommen, was er wollte. Seine Tochter, Oliver als Ersatz-Sohn, den Posten als Chef der League of Assassins, den Sturz seines Vorgängers, und das Ganze ohne Gefängnisstrafe oder Verantwortung für das Undertaking zu übernehmen. Ob er das lange bleibt und auf welcher Seite er in Zukunft stehen wird, muss sich zeigen. Damien Darhk klopft ja bereits an.
Diggle, der für Ollie und die Stadt der Fels in der Brandung ist, wird seinen Kampf gegen die Verbrecher mit Sicherheit fortführen - ob mit oder ohne Ollie. Der Handschlag zeigt eine Annäherung, aber ob es je so wie früher wird, ist am Ende der Episode unklar. Genauso wie die Frage, ob er Ollies Rat annimmt und sich eine Art der Maskierung ausdenkt. Wenn schon die Gerüchte nicht stimmen, dass er zu einer Green Lantern wird, wie wäre es dann mit Mr. Terrific, liebe Comicfreunde? Mal sehen, was hieraus wird.
Oliver und Felicity brechen tatsächlich gemeinsam auf ins Ungewisse und sehen dabei sehr glücklich aus. Ray braucht also eine neue Vizepräsidentin und auch eine neue Frau an seiner Seite. Zunächst widmet er sich jedoch seinem Anzug und der Nano-Modifikation. Doch das Experiment geht schief und die oberen Etagen von Palmer Industries explodieren.
Wir wissen wahrscheinlich alle, dass das nicht das Letzte ist, was wir von Ray sehen, denn er wird Teil von Legends of Tomorrow sein, der dritten Serie aus dem DC-Universum von The CW. Das soll aber auch Caity Lotz sein, und die sieht momentan relativ tot aus. Da die Serie über eine Zeitreisekomponente verfügt, kann bis zu ihrem Start aber noch eine Menge passieren. Während Arrow schon im Herbst 2015 in den USA weitergehen wird, startet „Legends of Tomorrow“ erst zum Jahreswechsel. Womöglich dann mit einem Atom, der die Schrumpffähigkeiten seines Comicvorbilds benutzen kann.
Fazit

Komischerweise fühlt sich dieses Staffelfinal fast wie ein Serienfinale an - und das, obwohl die Serie bereits im Januar 2015 für eine vierte Staffel verlängert wurde und auch nie die Gefahr einer Absetzung bestand. Mein Eindruck ist, dass die kommende Staffel die Helden-Ära einleiten wird und der Wandel zu „Green Arrow“ mit einem neuen Kostüm anstehen könnte.
Ansonsten wurden die meisten losen Fäden aufgewickelt, einige andere (Quentin, Damien Darhk, Thea, Malcolm) angedeutet und sich Ra's Al Ghuls entledigt. Der hatte als Schurke keineswegs den Impact eines Dark Archer oder Deathstroke und enttäuschte somit etwas. An sich ist das Serienfinale also überdurchschnittlich bis gut, aber eben nicht atemberaubend wie bei den Kollegen von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.: S.O.S. Part Two - Review
Trailer zu „Legends of Tomorrow“
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 14. Mai 2015Arrow 3x23 Trailer
(Arrow 3x23)
Schauspieler in der Episode Arrow 3x23
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