Arrow 3x07

Eigentlich hätte die Arrow-Episode Draw Back Your Bow auch ganz gut zum Valentinstag gepasst, doch die Autoren haben sie bei der US-Erstausstrahlung mitten im Herbst platziert. Im Mittelpunkt steht das Thema Liebe und Obsession, das sich durch mehrere der Handlungsstränge zieht.
Cupid
Die Entstehungsgeschichte der zum Ende der vorherigen Episode eingeführten Cupid aka Carrie Cutter (Amy Gumenick) wird dem Zuschauer direkt zu Beginn der Episode gezeigt. Vor sechs Monaten - während des Angriffs der Mirakuru-Soldaten - wurde die Frau von „Arrow“ aus den Klauen eines ebensolchen gerettet. Das hat sie sich zum Anlass genommen, um nun ihrer Obsession freien Lauf zu lassen und zur Bogenschützin Cupid zu werden.
Diese hinterlässt dem Arrow-Team nun ein „Geschenk“. Eines davon ist die wie der Bogenschütze gekleidete Leiche von Isaac Stanzler (Nathan Mitchell) - Ex-sidekick von Ted Grant. Fragen nach dem Training oder ihren Ressourcen sollte man im Fall von Cupid wohl nicht stellen, denn diese liefert die Episode selbst nicht ab. Dafür hinterlässt sie in ihrer Pfeilspitze, die wie ein Herz gefüllt ist, einen sehr direkten Hinweis zu ihrem Hauptquartier, das einem Stalkerparadies gleichkommt und tapeziert ist mit Zeitungsschnipseln, Pfeilen und Herzen. Bei dem einen Geschenk will sie es nicht belassen, daher plant sie weitere Morde, wenn sie nicht das kriegt, was sie möchte: eine Beziehung mit Arrow.
Ihr nächstes Opfer, über das sie den Bogenschützen per Telefon informiert, wird von ihr direkt an einen Galgen gebunden und mit einem Sprengstoffgürtel versehen. Nebenbei schafft sie es auch, direkt Roy unbemerkt auszuschalten, weil dieser immer noch Gewissensbisse hat, seit er erfahren hat, dass er ein Mörder ist. Die Aufmerksamkeit des Arrow-Teams ist ihr jedenfalls gewiss. Durch ihr Konstrukt gelingt es dort aber, noch einmal zu entkommen, während Oliver sich um die Rettung der Geisel kümmern muss. Auch Oliver ist nämlich nicht mit vollem Herzen dabei.
Der Grund dafür ist, dass Felicity (Emily Bett Rickards) von Ray Palmer (Brandon Routh) mehr denn je für dessen Dienste eingespannt wird. Neben der Umbenennung von Queens Consolidated zu Palmer Technologies soll sie ihm in einem teuren Kleid inklusive noch teurerer Kette zu einem Geschäftsessen begleiten. Spätestens, nachdem sie Palmer bei der Salmon-Ladder-Übung gesehen hat, steht fest, dass sie körperlich zu ihm hingezogen ist. Oliver gefällt diese Entwicklung gar nicht, er vermag es aber nicht, seine Gefühle ihr gegenüber entsprechend zu artikulieren und frisst das Ganze wieder einmal in sich hinein.
Es braucht den vermittelnden Diggle, der zunächst Felicity in der Firma besucht und ihr über Olivers Gemütslage erzählt und dasselbe später noch einmal mit Oliver macht, als dieser in der Konfrontation mit Cupid zu verstehen gibt, dass er im Moment mit niemandem zusammen sein kann. Das hört dann passenderweise auch Felicity, die das allerdings durchaus beschäftigt. Wieder einmal besteht ein nicht gerade kleiner Teil der Episode also aus Soapelementen und Beziehungsdrama.
Cupid bleibt allerdings nicht inaktiv und hat eine eigene männliche Felicity. Ihr Bekannter Kirby Bates (Daniel Boileau), der wiederum in sie verliebt ist, hilft ihr dabei, das Hauptquartier des Superheldenteams zu lokalisieren. Doch als Dank gibt es kein Geknutsche, sondern einen tödlichen Pfeil für den Helfer und einen Hinweis für Quentin Lance und das Team. Sie selbst verschlägt es ins Verdant und somit in die Nähe von Olivers Schwester Thea. Diggle kann Oliver darüber informieren und dieser lockt sie an einen neutralen Ort, der gar nicht so neutral ist.
Offenes Schicksal für Cupid

Am Ort ihrer Wandlung kämpfen die beiden nun erneut miteinander und dabei macht Cupid gar keine schlechte Figur, obwohl Oliver sich wahrscheinlich zurückhält, was aber auch zu seinem Verhängnis zu werden droht. Bald landen sie nämlich durch einen beherzten Tritt gegen ein Gitter in einem U-Bahnschacht, wo Cupid den Bogenschützen mit Handschellen an die Schienen fesselt und bereit ist, gemeinsam mit ihm zu sterben, damit sie so vereint sind.
Im letzten Moment gelingt es Ollie, sich per Daumentrick zu befreien und beide zu retten. Carrie wird ARGUS für die Dienste in der Suicide Squad übergeben, denn dort kann sie sich nützlich machen, auch wenn Diggle weitergibt, dass sie noch verrückter sein soll als das letzte Mitglied des Selbstmordkommandos. Gemeint ist die nur angedeutete Harley Quinn.
Die Abschiebung zur Squad ermöglicht ein etwaiges Wiedersehen. Die Figur, die durchaus eine der interessanteren Schurken im Arrow-Kosmos ist, sollte man auch nicht einfach so mit einem Einzelauftritt abfrühstücken. Gut ist, dass relativ schnell ausgeschlossen wird, dass sie die Täterin im Fall Sara ist, denn es passt auch nicht dazu, dass Sara den Mörder kennt. Zum möglichen Täter ist mir darüber hinaus ein neuer Kandidat eingefallen, dessen Wiederkehr für reichlich Gesprächsstoff sorgen würde. Aber warten wir einmal ab. Bis es weitere Beweise gibt, bleibe ich kryptisch.
Auch wenn die Cupid-Schauspielerin reichlich dick aufträgt, ist ihr Spiel doch passend und durchaus kurzweilig. Die Dynamik als verblendete Verehrerin wurde bisher so auch noch nicht bedient und weibliche Schurken sind gerne gesehen.
Wohin geht Felicitys Entwicklung?

Neben Oliver Queen ist Felicity Smoak inzwischen so etwas wie die zweite Hauptfigur der Serie. Ihr wird extrem viel Screentime zugestanden in dieser dritten Staffel. Dabei geht ihre Entwicklung allerdings in die entgegengesetzte Richtung, als es einem als Fan der Figur vielleicht lieb wäre. Fast schon inflationär wird mit dem Hässlichen-Entlein-Motiv gespielt, wobei inzwischen jedem klar sein sollte, dass die Schauspielerin alles andere als unattraktiv ist. Dabei reicht es scheinbar schon, dass sie ihre Brille abnimmt und ein schickes Kleid anzieht.
Allerdings überrascht eine gewisse Oberflächlichkeit ihrerseits dann doch. In dieser Episode etwa, als sie sich von materiellen Werten wie dem Kleid und der Halskette sowie der Körperlichkeit von Palmer so beeindrucken lässt. Die Wertschätzung für schöne und teure Dinge ist sehr menschlich, aber doch wirkt es manchmal so, als wäre das nicht die Felicity, die wir am Anfang der Serie kennengelernt haben.
Von charakterlichem Wachstum kann man hier aber nicht unbedingt sprechen, sondern vielmehr von einem schleichenden Wandel zum Babe, weil die Autoren den Fans geben wollen, was sie verlangen. So kommt es, dass Felicity inzwischen in recht kurzer Zeit mehrere love interests gleichzeitig jongliert (Barry, Ray, Ollie) und überhaupt zur Überfigur stilisiert wird. Inzwischen kann sie nämlich nicht nur alles und jeden innerhalb weniger Minuten hacken oder jegliche Information herausfinden, sondern auch die Männerwelt um ihren Finger wickeln. Ich würde mir wünschen, dass man den Fokus vielleicht wieder ein wenig von Felicity wegnimmt oder sie weniger allmächtig zeigt. Ansonsten wird man übersättigt und die Serie verliert ihre Spannung.
In dieser Folge wird nun das Liebesdreieck zwischen Ollie, Felicity und Ray zu seinem bisherigen soapigen Höhepunkt gebracht. Im Endeffekt kann Oliver seine Gefühle für sie natürlich doch nicht abschalten, wird sich dessen jedoch zu spät bewusst und kommt genau dann in Rays Firma an, als Ray und Felicity einander küssen - während Ray die Beziehung der beiden platonisch halten will und nach dem Kuss geht.
Nutzt Ray sie also aus und hat ihre Schwäche erkannt? Schließlich bekommt er durch sie ständig genau das, was er will. In diesem Fall nämlich die Übernahme des Grundstücks von Mr. Gardner (Fred Henderson). Beim Abendessen hält Felicity eine schöne Laudatio auf Ray, bei der sie betont, dass Ray kein Geschäftsmann, sondern ein Weltverbesserer ist. Weiterhin bleibt aber offen, ob diese Einschätzung wirklich stimmt, denn ständig führen die Taten Felicitys dazu, dass Ray in Besitz von Technologie kommt, deren Nutzen der Zuschauer nicht abschätzen kann.
In dieser Episode ist es nun der A.T.O.M.-Exosuit, zuvor war es etwas vom O.M.A.C.-Projekt. Für Comicfans sicherlich ein Hinweis, wohin die Reise führen könnte. Warum aber macht er denn so ein Geheimnis aus seinen Nebenprojekten?
Das Zuspätkommen Olivers wird sicherlich für weiteres Drama sorgen. Die Wut auf sich selbst lässt er schon einmal in der Arrow-Cave aus und nimmt dann gemeinsam mit sidekick Roy (Colton Haynes) Diggles Einladung zum Abendessen an, um sich abzulenken.
Turn up for what?
Mit dem Titel des Songs von Lil John, der auch in dieser Episode gespielt wird, lässt sich auch der Eindruck von der DJ-Storyline zusammenfassen. Diese fühlt sich nach klassischem Füllmaterial an, um Thea (Willa Holland) etwas zu tun zu geben. Der von sich überzeugte DJ Chase (Austin Butler) versucht, beim Bewerbungsgespräch auf dicke Hose zu machen, wird jedoch von Thea fortgeschickt. Allerdings nur, um später im Club zu beweisen, dass er doch die bessere Wahl gewesen wäre, da der engagierte DJ versagt und niemanden auf die Tanzfläche bringt.
Es ist klar, dass man nicht viel Zeit in so eine Entwicklung investieren will, aber, dass durch einen einzelnen Knopfdruck am DJ-Pult plötzlich alles tanzt, wirkt reichlich weit hergeholt. Im Endeffekt handelt er für sich drei Auftritte pro Woche aus, verzichtet auf seine erste Bezahlung und stiehlt sich stattdessen einen Kuss. Die Storyline selbst bringt nun zwar ein neues love interest für Thea in Stellung, die eigentliche Episode aber so gut wie gar nicht voran und fühlt sich deswegen überflüssig an.
Katana
Ähnliches lässt sich über die Hongkong-Flashbacks schreiben, die sich nur mit Schneckentempo fortbewegen. Tatsu Yamashiro (Rila Fukushima) kann Oliver nicht leiden und hasst, dass sie ihn durchfüttern und seine Wäsche machen muss.
Die beiden verbindet allerdings ihr Gajin-Status. Beide sind Außenseiter. Tatsu als Japanerin in China und Oliver als Amerikaner. Als Tatsus Ehemann Maseo (Karl Yune) sich für mehrere Stunden nicht meldet, beschließen die beiden trotz Maseos Warnung die Docks aufzusuchen. Dort können sie sich zumindest beim Auskundschaften etwas näher kennenlernen und Oliver fängt sich auch Prügel ein. Immerhin kommt dabei endlich heraus, dass sich hinter Tatsu mehr verbirgt als nur eine Hausfrau und Mutter, die Oliver als Hausgast dulden muss. Mit dem Katana kann sie nämlich ziemlich selbstsicher umgehen.
Das Verhör eines übrig gebliebenen Traiden-Mitglieds lässt die beiden kurz schlucken, denn sie glauben, dass Maseo umgebracht wurde. Nun überlegen sie, wie sie das dem Sohn Akio beibringen. Doch, wie sich bei ihrer Rückkehr zur Wohnung herausstellt, war Maseo nicht unter den getöteten ARGUS-Agenten. Dafür rückt die Familie etwas zusammen und umarmt sich, während Oliver, der unfreiwillige Hausgast, ihnen etwas Freiraum lässt.
Boomerang
Die letzte Szene der Episode bereitet indes das Crossover zwischen The Flash und Arrow vor. Hier sehen wir zum ersten Mal den Flash-Feind Digger Harkness aka Captain Boomerang (Nick Tarabay), der sein Gegenüber umbringt. Vielleicht schafft das Aufeinandertreffen der Helden es, wieder etwas mehr Pepp und Momentum in die Serie zu bringen. Im Moment weiß nämlich die Serie des roten Blitzes mehr zu überzeugen.
Fazit

Draw Back Your Bow ist eine nette Episode von Arrow, die hauptsächlich von der Schurkin getragen wird, die schön psychotisch rüberkommt. Dazu kommt wieder einmal ein hoher Soapfaktor und leider auch etwas Leerlauf, dem man bald entgegenwirken sollte. Wenn mindestens zwei von vier großen Storylines sich unnötig anfühlen, hat die Serie nämlich ein Problem.
Videovorschau auf die Arrow-Episode The Brave and The Bold (3x08): Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 20. November 2014Arrow 3x07 Trailer
(Arrow 3x07)
Schauspieler in der Episode Arrow 3x07
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