Arrow 1x21

Die Episode The Undertaking macht ihrem Namen alle Ehre, denn was sich die Autoren damit vorgenommen haben, ist die wahrscheinlich bisher ambitionierteste Folge der US-Serie Arrow. Was hier in 42 Minuten Laufzeit gezeigt wird, hätte in anderen Serien Stoff für eine Doppelfolge geboten.
Wo ist Walter?
Statt sich mit Tommy (Colin Donnell) und Diggle (David Ramsey) auszusprechen, lenkt sich Oliver (Stephen Amell) lieber damit ab, einen weiteren Namen von seiner Liste abzuhaken. Zufällig stößt er bei der Auswertung des dabei konfiszierten Laptops auf eine auffällige Geldsumme, die Felicity (Emily Bett Rickards) stutzig macht und zum vor einem halben Jahr verschwundenen Walter (Colin Salmon) führen könnte. Die Spur führt zu Dominic Alonzo (Ray Galletti), dem Besitzer eines geheimen und illegalen Casinos. Da Oliver Alonzo über die Firmenkontakte kennt und Diggle nicht verfügbar ist, schlägt Felicitys große Stunde als Undercoverermittlerin, die die Lage vor Ort sondieren soll. Mit Ollie im Ohr versucht sie ihr Bestes, um Alonzo zu finden. Schnell wird sie - wie geplant - beim Schummeln erwischt und Ollie muss sie retten. Alonzo behauptet jedoch, dass Walter, kurz nachdem er ihn entführt hatte, erschossen wurde.
Niedergeschlagen trägt er diese Nachricht an seine Mutter Moira (Susanna Thompson) und seine Schwester Thea (Willa Holland). Moiras ungläubige Reaktion lässt Oliver aufhorchen und er folgt ihr in seiner Identität als Arrow. Dabei findet er endlich heraus, dass Moira und Malcolm (John Barrowman) unter einer Decke stecken und dass Walter tatsächlich noch lebt, sich allerdings in Malcolms Gewalt befindet und in Blüdhaven in einem Gebäude gefangen wird.
Felicity findet ohne große Mühe heraus, dass man das gut gesicherte Versteck am besten aus der Luft heraus anfliegt, wenn man unentdeckt bleiben will. Das soll Oliver Queen allerdings keineswegs aufhalten, denn dieser ist, bedingt durch den Verrat seiner Mutter, so entschlossen wie selten. Er besorgt sich einen Paraglider, kämpft sich durch die zahlreichen Wachen, befreit Walter und bringt ihn nahezu unversehrt nach Starling City zurück.
Während sich seine Familie über die Wiedervereinigung freut, muss Oliver erst einmal verarbeiten, was die Zusammenarbeit von Malcolm und Moira bedeutet. Besonders Malcolm, der sich bei Ollie informieren möchte, ob Walter etwas über seine Entführer weiß, wird sicherlich bald seine Rache zu spüren bekommen, nun da er ihm einen Schritt voraus ist.
Doch damit nicht genug: Während Laurel (Katie Cassidy) noch Tommy nachtrauert und diesen liebt, gesteht Oliver ihr endlich, dass er noch nicht über sie hinweg ist und sie immer noch liebt. Die angeknackste Beziehung zu Diggle bringt Oliver am Ende der Episode ebenfalls ins Reine. Zwar entschuldigt er sich nicht direkt dafür, dass er ihn gegen Deadshot im Stich gelassen hat. Aber die Offenbarung, dass sein Verdacht Moira gegenüber richtig war und dass Malcolm in die weitreichende Verschwörung involviert ist, scheint Argument genug, dass die beiden sich versöhnen und wieder zusammenarbeiten. Allein wird Oliver diesen Kampf nämlich nicht meistern können.
Was genau passierte in Starling City vor 5 Jahren?

Die andere Hälfte der Episode widmet sich einem Flashback, der fünf Jahre in die Vergangenheit reicht, diesmal allerdings nicht die Inselhandlung erzählt, sondern die Zeit unmittelbar bevor die Queen's Gambit aufbricht.
Dieser Rückblick bringt eine Reihe von interessanten Erkenntnissen zutage, beispielweise wie genau Robert Queen (Jamey Sheridan) und Frank Chen (Chin Han) mit dem Untertaking in Verbindung stehen oder eben nicht.
Der Plan, den Malcolm vorantreibt, sieht vor, den Problembezirk „The Glades“ dem Erdboden gleich zu machen, um ihn danach wieder neu aufbauen zu können. Alle in der illustren Runde haben offenbar etwas oder jemanden dort verloren.
Wie das Unterfangen geschehen soll? Mithilfe einer Naturkatastrophe natürlich. Da man diese allerdings (noch) nicht auf Knopfdruck erzeugen kann, muss man Abhilfe schaffen. Malcolm steht in Kontakt mit der Firma Unidac Industries, die aktuell an einem Prototyp arbeitet, der in fünf Jahren (was für ein bequemer Zufall) ausgereift sein sollte.
Vor allem Robert scheint von Malcolms Idee nicht überzeugt zu sein. Zwar sind die Glades dafür verantwortlich, dass er bei einem Handgemenge einen Menschen in Notwehr umgebracht hat, aber er ist nicht bereit, tausende Menschen zu opfern, um den Bezirk umzukrempeln.
The Undertaking gelingt es vorzüglich, Malcolms Beweggründe aufzuzeigen, die bereits an anderer Stelle angedeutet wurden. Seine Frau Rebecca ist in dem Bezirk nämlich zu Tode gekommen und versuchte erfolglos, ihn in der schicksalhaften Nacht telefonisch zu erreichen. Stattdessen konnte Malcolm durch ihre hinterlassenen Nachrichten ihren Todeskampf nachvollziehen. Tragisch ist das auf jeden Fall, aber ob man deswegen direkt ein ganzes Viertel und dessen Bewohner zerstören respektive umbringen muss?
Robert Queen findet bald heraus, dass hinter Malcolms Plänen allerdings noch mehr steckt. Bereits seit Monaten ist Malcolm damit beschäftigt, vorzusorgen. Schon ein Drittel der Immobilien des Bezirks gehören über Tarnfirmen Malcolms. Gemeinsam mit Chen versucht der Queenpatriarch, dem Übernahmeplan von Merlyn Senior einen Strich durch die Rechnung zu machen und schlägt vor, die restlichen zwei Drittel zu kaufen. Während es den Anschein macht, als stünden Chen und Queen auf derselben Seite, ist es eigentlich anders. Denn, wie sich herausstellt, steckt Chen mit Merlyn unter einer Decke und ist an der Sabotage der Queen's Gambit direkt beteiligt. Es soll zwar wie ein Unfall aussehen, ist aber eine kalkulierte Aktion, um Robert auszuschalten.
Oliver ist hingegen nur rein zufällig an Bord. Oder vielleicht doch nicht ganz, denn er versucht, etwas Distanz zu Laurel zu gewinnen. Der junge Queen scheint Bindungsängste zu haben und nicht zu vernachlässigen ist natürlich auch die Affäre zu ihrer Schwester, die er vor seiner Freundin geheimhält. Nicht umsonst bittet er sie, noch einmal um den Block zu fahren, damit das nicht auffliegt. Laurel, die fünf Jahre zuvor fleißig am Lernen für die Law School ist, würde gerne ein eigenes Leben mit Ollie aufbauen - inklusive einer eigenen Bleibe. Aber der damals noch unreife Oliver bringt es nicht übers Herz, Laurel einzuweihen. In der Gegenwart spricht er diesen Fakt auch an und setzt ihn am Ende der Episode in die Tat um. Oliver hat genügend andere Geheimnisse, da muss er vor der Gegenwarts-Laurel nicht noch seine wahren Gefühle verbergen. Interessant.
Übrigens scheint auch die berüchtigte Liste durch Merlyn mit initialisiert zu sein, da dieser das Notizbuch bei der Vorstellung seines Plans deutlich auf den Tisch wirft. Doch was genau haben die Beteiligten bisher mit den Namen gemacht? Werden hier Konkurrenten ausgeschaltet beziehungsweise überzeugt (das Wort persuation fällt erneut), die Füße stillzuhalten? Ist es vielleicht der „Dark Archer“, der die Überzeugungsarbeit leistet? Und wie genau wird Moira, die im Flashback in direkter Opposition zu den Plänen gezeigt wird, in das undertaking verwickelt? Das ist wohl entweder Stoff für einen weiteren Flashback oder eine Information, die Oliver bald aus seiner Mutter oder Malcolm herausbekommen wird, nun da er von der Zusammenarbeit weiß.
Fast wie ein Staffelfinale
The Undertaking ist für alle Fans der staffelübergreifenden Handlung ein wahres Fest. Es werden nicht nur endlich essentielle Informationen zum undertaking und der Verwicklung der Queens und der ihrer Geschäftspartner gelüftet. Es wird auch der im Hintergrund mitschwingende Handlungsbogen um Walters Verschwinden endlich aufgeklärt, das, wie Felicity richtig anmerkt, der Hauptgrund für ihre Mitgliedschaft im Arrow-Team darstellt.

Das Vertauschen der Dynamik von Oliver, der diesmal nur die Stimme im Ohr ist, während Felicity als Feldagentin auftritt, bringt ebenfalls einige launige Szenen zutage und verwöhnt die Fans der attraktiven Schauspielerin erneut mit einem Auftritt in einem sehenswerten Kleid. Es muss noch einmal betont werden, was für ein Gewinn Emily Bett Rickards für die Seriendynamik und den Humor der Serie ist. Dass es 21 Episoden gedauert hat, bis Felicity und Laurel zum ersten Mal aufeinandertreffen, ist zwar ein wenig verwunderlich, aber bietet auch Potential für den Rest der Staffel. Nun, da Laurel um Ollies Gefühle weiß, wird sie Nachforschungen zu Felicity anstellen oder vielleicht sogar dem Arrow-Cave auf die Spur kommen? Und konnte man da etwa so etwas wie Eifersucht in Laurels Augen lesen, als Felicity auf der Bildfläche erschienen ist?
Während sich Diggle und Oliver ob der neuen Umstände recht schnell wieder vertragen, existiert die Kluft zwischen den ehemals besten Freunden Tommy und Oliver immer noch. Einerseits wegen der Zuneigung zu Laurel, aber auch wegen der Bürde des Wissens um die Geheimidentität, die Tommy immer wieder dazu gezwungen hat, Oliver zu decken und Laurel zu belügen. Interessant ist, dass Tommy gerade heraus Laurel mitteilt, dass Oliver weiterhin Gefühle für sie empfindet, während Oliver versucht, die beiden wieder zusammenzubringen. So bleibt dieses Liebesdreieck durchaus kompliziert und zumindest ein Stück weit interessant.
Ebenfalls neugierig macht es, wie damit umgegangen wird, dass Oliver nun unumstößlich davon überzeugt ist, dass seine Mutter in geheime Machenschaften verwickelt ist, gegen die er explizit seinen Feldzug als maskierter Vigilant gestartet hat. Da Walter allerdings zurück ist, sollte für Moira kein Grund mehr für eine Kollaboration zwischen ihr und Malcolm bestehen. Vielleicht vertraut sie sich ja nun ihrem Sohn oder zumindest dem Vigilanten an, um Malcolm endgültig zur Strecke zu bringen...
Pikant ist in diesem Zusammenhang natürlich auch der Fakt, dass Chen indirekt für den Tod Roberts verantwortlich ist. Dies wirft ein neues Licht auf den später folgenden Verrat Moiras an Chen, als sie ihn - nach dem Versuch, Malcolm umbringen zu lassen - dem Dark Archer quasi als Verräter zum Fraß vorwirft, um die eigene Haut zu retten (siehe die Episode Salvation). Es ist unwahrscheinlich, dass Moira ebenfalls von Malcolms Zweitidentität weiß, was die folgenden Episoden unheimlich spannend werden lässt.

Auch die Actionsequenzen der Episode - der Sturm auf das Casino und die Befreiung Walters - können sich choreografisch sehen lassen. Auf kreative Weise darf Oliver im Casino seine Gegner ausschalten, während bei der Rettung von Walter auch inszenatorisch ein netter Kniff zum Zuge kommt. Die Belichtung und die Wände sind komplett im arrow'schen Grün gehalten. Vielleicht lehnt sich der Rezensent hier zu weit aus dem Fenster, aber das unterstreicht durchaus den Anschein der Hoffnung, dass Walters Rettung tatsächlich gelingen wird und die Figuren endlich etwas verschnaufen können.
Fazit

The Undertaking ist eine der bisher stärksten Episoden von Arrow. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Serienmythologie einen gewaltigen Schritt nach vorne macht und zentrale Fortschritte in mehreren offenen Storylines gewagt wurden. Die Beziehungen einiger Figuren werden verkompliziert, was für die letzten paar Folgen der Staffel für eine interessante Dynamik sorgen sollte. Auch die Action kann diesmal vollends überzeugen - und das alles ganz ohne den Auftragskiller/Gaststar der Woche.
Videopromo zur Episode Darkness on the Edge of Town (1x22) der US-Serie Arrow: Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 3. Mai 2013(Arrow 1x21)
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