Arcane: Review zum Auftakt der Netflix-Serie

© oster zur Serie Arcane (c) Netflix
Die animierte Netflix-Serie Arcane ist mit ihren ersten drei Episoden beim Streamingdienst Netflix gestartet. Darin geht es um die origin story der beiden Geschwister Vi (gesprochen von Hailee Steinfeld) und Powder (Mia Sinclair Jenness, später (Ella Purnell) die mit ihrer kleinen Diebesbande nach einem Beutezug in der Erfinderstadt Piltover eine Kette von Ereignissen lostreten, welche das Schicksal der Stadt und ihrer daran im Untergrund angrenzenden Gemeinde Zaun für immer verändern wird. Es folgt ein Recap der ersten Episoden, wer gänzlich spoilerfrei bleiben möchte, liest am besten auf der nächsten Seite weiter.
Worum geht es im Auftakt von Arcane?
Die gemeinsame Aktion von Vi, Powder und ihren Kumpanen Milo (Yuri Lowenthal) und Claggor (Roger Craig Smith) hinterlässt eine Schneise der Verwüstung im feinen Piltover, was zur Folge hat, dass die Wachen sich gezwungen sehen, die in Richtung Zaun geflüchteten Teenager zu verfolgen. Doch die Bewohner des Untergrunds unter der Führung von Vis und Powders Ziehvater Vander (JB Blanc) weigern sich, den verhassten Enforcern von der Oberfläche entgegenzukommen und die Bande auszuliefern, was die ohnehin schon angespannte Lage zwischen den beiden Lagern weiterhin zuspitzt.
Aber auch für Erfinder Jayce (Kevin Alejandro) hat der Einbruch Konsequenzen, denn seine Experimente, Magie mit technischen Mitteln zu kontrollieren, werden als illegal und gefährlich eingestuft, was ihn seine Mitgliedschaft an der Yordle-Akademie für Wissenschaft und Fortschritt kostet, während seine komplette mühselig gesammelte Forschung einkassiert wird. Auch der Kontakt mit seiner Assistentin Caitlyn (Molly Harris, später Katie Leung) wird ihm durch diese Begebenheiten erschwert. Lediglich Viktor (Harry Lloyd), der Assistent des berühmten Professor Heimerdinger (Mick Wingert), und Ratsmitglied Mel (Toks Olagundoye) sehen das Potential in seiner Arbeit und gewähren ihm heimlich Zugang zu seinen Theorien und Konstruktionen. Gemeinsam mit Viktor, der schließlich zu seinem neuen Partner avanciert, gelingt ihm ein Durchbruch in der Technologie, die er „Hextech“ tauft und den auch Heimerdinger und die Akademie zweifelsohne anerkennen müssen.
Währenddessen stehen die Zeichen in Zaun auf Eskalation und Konfrontation, denn die Stadtwache übt zunehmend Druck auf die gereizte Bevölkerung aus. Das nutzt schließlich ein mysteriöser Mann namens Silco (Jason Spisak) aus, der im verborgenen fragwürdige Experimente durchgeführt hat, um Rache an Piltover zu nehmen und das Fass zum überlaufen zu bringen. Dafür hetzt er seine mit Chemie veränderten Kreationen auf die Enforcer und richtet unter ihnen ein Blutbad an, in dessen Zügen er auch Vander gefangen nimmt.
Vi und ihre Freunde brechen daraufhin auf, um ihren Ziehvater aus Silcos Klauen zu befreien, was in einer gewalttätigen Auseinandersetzung in dessen Unterschlupf gipfelt. Auch die wegen der großen Gefahr zurückgelassene Powder will ihrer Schwester dabei helfen und folgt ihnen. Als sie sieht, wie ihre geliebte Familie in Bedrängnis gerät, setzt sie in ihrer Verzweiflung, ohne es zu ahnen, die erbeuteten Hextech-Kristalle in ihre Gadgets ein, welche ihre Konstruktionen, die sonst nur harmlose Puffpaff-Rauchwölkchen zur Ablenkung erzeugen sollen, zu tödlichen Sprengsätzen modifiziert, die mit ihren mächtigen Detonationen ganze Gebäude einebnen können. Und so nehmen die tragischen Ereignisse einer schicksalhaften Nacht ihren Lauf, welche die unzertrennlichen Schwestern entzweien sollen...
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Welchen Eindruck hinterlässt der Einstand von Arcane?
Seien wir mal ehrlich: Egal, ob man „League of Legends“ casual oder competitive spielt, nur ein bisschen oder sehr viel Zeit in Riots erfolgreichem MOBA verbringt, die Story und die Figuren in einem komplett auf Multiplayer ausgelegten Game sind für den Großteil der Spieler stets nur Beiwerk gewesen. Denn erst seit ein paar Jahren hat Riot darüber hinaus zunehmend und sorgfältig damit begonnen, Hintergrundgeschichten seiner existierenden Charaktere auszubauen und sie untereinander sowie mit der Spielewelt und den unterschiedlichen Regionen zu verknüpfen. Erst langsam wurden vor allem auch Neuankömmlinge von Beginn an mit einer reicheren Backstory versehen, so dass dieser Prozess vielen vielleicht entgangen ist. Deswegen haben also längst nicht alle geahnt, wie viel Potential in der Welt von „League of Legends“ schlummert und diese können daher nun umso überraschter sein, was die Macher hier aus ihrem Quellmaterial herausgeholt haben.
Schauen wir allein nur auf die äußeren Werte, so gibt es da direkt etwas, was nur sehr wenige animierte Serien heutzutage von sich behaupten können: Arcane hat nicht nur einen passenden, sondern auch einzigartigen Look. Es hat den Charme aus Cel-Shading ähnelnden Zeichnungen, kombiniert mit CG-Animationen, die vor allem bei den exzellenten Actionszenen einen herausragenden Eindruck hinterlassen, während auch die Gestik und die Mimik der Charaktere natürlich wirken. Hier bewegt man sich insgesamt auf einem optischen Niveau, welches sonst nur Kinofilme erreichen.
Doch das Herzstück der Serie ist die meisterhafte Erzählweise, die uns nach einer bedrückenden und emotionalen Anfangssequenz mitten in das Abenteuer hineinwirft und uns schnell die Dynamik zwischen den Figuren kennenlernen lässt. Danach lernen wir mehr über das steampunkige Piltover und das untergründige Zaun kennen, die nur ein kleiner Teil im riesigen Kosmos von Runeterra sind. Wir werden aber weder mit Informationen noch mit Charakter-Cameos überfrachtet, denn der Fokus liegt auf der nachvollziehbar aufgezogenen Beziehung unserer beiden Protagonistinnen. Am Ende der zweiten Episode steigert sich bereits die Spannung und wie in einem Theaterstück mit Drei-Akt-Struktur werden die Weichen für die dritte Episode gelegt, die bereits einen wahren Gipfel darstellt.

Riot versteht dabei auch besonders gut, für welches Publikum diese Serie entstanden ist. Seine Zuschauer sind mit „League of Legends“ zusammen erwachsen geworden und auch wenn das ursprünglich eher niedliche Design noch Teil der DNA des Spiels ist, so hat es doch Stück für Stück eine Wandlung in eine neue Richtung durchlebt. Genau deswegen ist es der richtige Schritt, hier eine erwachsene Geschichte mit einem sich realer anfühlendem Setting zu erzählen. Dabei geschieht dies eben hauptsächlich durch die emotionale Bindung an die Figuren, denn selbst wenn man aufgrund der Prologstruktur schon ahnt, wohin die Reise geht, so fiebert man selbst mit den Nebencharakteren mit und der emotionale Schlag in die Magengrube des Endes der dritten Episode wirkt ganz unabhängig davon, was man erwartet. Es ist einfach beeindruckend, wie viel Tiefe, Charisma und Sympathie etwa einer Figur wie Jinx verliehen wurde, die bei ihrer damaligen Veröffentlichung erst einmal den Eindruck hinterließ, ein ordinärer Harley-Quinn-Klon zu sein und die hier mit akribischer Sorgfalt und Liebe zum Detail aufgebaut und zum Leben erweckt wird.
Ebenso gelungen ist die Einbindung der zahlreichen weiteren Charaktere, die vor allem als Spieler nicht nur zum Spekulieren anregt, zu welchem Charakter sie sich noch entwickeln könnten, sondern es wird auch die Neugier erweckt herauszufinden, wie unsere Lieblingscharaktere zu denjenigen geworden sind, die wir aus dem Spiel kennen. Atmosphärisch setzt man düsterer an und im Vergleich zum Spiel dreht man ein wenig an der Gewaltschraube, was sich im Rahmen des Settings aber sehr organisch und nicht übertrieben anfühlt.
Gibt es denn überhaupt auch etwas zu bemängeln? Es gab in der ersten Folge einen Popsong, den ich als Boomer, natürlich rein subjektive Geschmackssache, etwas unpassend fand. Dass dies der einzige Punkt ist, der mir als potentiell negativ aufgefallen ist, sollte man an dieser Stelle einfach für sich sprechen lassen.
Fazit
Was für ein fantastischer Start! Die erste Episode von Arcane wirft den Zuschauer in ein unterhaltsames Abenteuer, die zweite baut die Welt weiter aus und ebenso spannende Konflikte auf und die dritte Folge liefert ein dermaßen emotional mitreißendes und actionreiches Feuerwerk ab, das sich bereits wie ein absoluter Höhepunkt anfühlt. Damit bringt „Arcane“ etwas nach nur drei Episoden als Prolog auf den Bildschirm, was andere Serien nicht mal konsequent in ihren Staffel- oder Serienabschlüssen schaffen. Dies gelingt mit einer Kombination aus cleverem Storytelling mit charismatischen und sympathischen Figuren, starken Sprechern und Sprecherinnen und einer hohen audiovisuellen Qualität mit einem einzigartigen Look. Es ist ein wahres Fest für „LoL“-Fans, aber auch für alle, die das Spiel nicht kennen. Diese sollten Arcane also ruhig eine Chance geben, denn die Serie ist dank der Prologstruktur ebenso einsteigerfreundlich. Es wäre einfach schade, deswegen die bis dato mit Abstand beste Videospiel-Adaption unserer Zeit und eines der Highlights des Jahres zu verpassen.
Serientrailer Arcane:
Hier noch der Serientrailer zur Serie „Arcane“ auf dem Streamingdienst Netflix: