
Mit Modern Family als Lead-in darf die neue Comedyserie Don't Trust the B---- in Apartment 23 an den Start gehen und ordentlich von dem Quotenprimus profitieren. Vorab gab es einige Vorschusslorbeeren für die ABC-Single-Kamera-Sitcom, die vom Papier her ein wenig an 2 Broke Girls erinnert, aber in der Realität doch deutlich davon entfernt ist.
Inhalt der Pilotepisode
June (Dreama Walker) ist 26 Jahre alt und verfolgt zielstrebig ihre Karriere. Die Firma „Buchwald Mortgage“, die, wie der Name schon sagt, in Hypotheken macht, hat ihr ihren Umzug aus der ländlichen Idylle nach New York City - genauer gesagt Manhattan - bezahlt und sie mit einem tollen Apartment ausgestattet. Doch die Firma implodiert aufgrund eines „Ponzi Schemes“, das an Bernie Madoffs Machenschaften erinnert. In Windeseile ist sie also Anstellung und Wohnung los, landet auf der Straße und auf der Suche nach etwas Neuem. In einem Coffeeshop trifft sie auf einen Kollegen von Buchwald, der überraschend schnell dort eine Anstellung gefunden hat. Über Vitamin B - also dem Rausschmiss einer Kollegin - heuert er sie ebenfalls an. Fehlt nur noch eine Wohnung.
Nach einigen Anlaufschwierigkeiten landet sie schließlich bei Chloe (Krysten Ritter, Breaking Bad), einem charmanten Partygirl, die sich als kompatibel mit der Landpomeranze erweist. Sie einigen sich schnell auf ein Zusammenleben. Doch schon bald stellt sich heraus, dass Chloes Moralkompass in die falsche Richtung zeigt und sie alles versucht, um ihrer neuen Mitbewohnerin das Leben zur Hölle auf Erden zu machen. Ihre Masche ist einfach: Leute vergraulen und Kaution plus eine Monatsmiete abkassieren. Und auch die Nachbarin Robin (Lita Lapira) warnt sie vor der „Bitch“ in Apartment 23, denn diese galt früher - und tut es eigentlich immer - als gute Freundin von Chloe, die mit ihr bei einigen Videoclipdrehs (zu Hip-Hop-Songs) zusammengearbeitet hat.
June kommt bald hinter Chloes Pläne und lässt es sich nicht bieten, dass die ihre Ersparnisse nutzt, um ihr Lotterleben zu finanzieren. Vielmehr dreht June den Spieß bald um und verkauft Chloes Einrichtung (an Robin) und schlägt ihr so ein Schnippchen. Doch Chloe versucht ihr aufgrund eines Hockers, der sich angeblich seit Jahren im Familienbesitz befindet und sie an eine Verwandte erinnert, ein schlechtes Gewissen einzureden und sie dazu zu bewegen, das Stück wiederzuerlangen.
Wie sich bald herausstellt, ist auch dies nur mit niederen Motiven verbunden, denn in dem Möbelstück befinden sich Drogen im Wert von tausenden Dollars, die sie zusammen mit ihrem BFF James Van der Beek (als er selbst) konsumieren wollte.
Nebenbei kündigt sich auch Junes Verlobter Steven (Tate Ellington) an, der an der Western Indiana University seine Masterarbeit in „Behavior Psychology“ schreibt. Chloe möchte sich revanchieren und scheint dabei ein Gespür für miese Typen zu haben, da bei Steven die Alarmglocken ausschlagen. Dieser hat es nicht so recht mit dem Konzept von Treue und betrügt June gleich mit mehreren Frauen - eine davon ist Chloe. Zumindest bis June die beiden auf frischer Tat ertappt...
Ob bewusst oder unbewusst, Chloe hat June also vor einem Riesenfehler bewahrt und ihr die Augen geöffnet. Es scheint, dass sich June durch ihr Kontrageben ein Stück weit Respekt von Chloe erarbeitet hat.
My roommate slept with my fiance on my birthday cake. And it was the best thing that ever happened to me...

Der Einstieg in die Episode schreit natürlich geradezu nach Serienpilot. Die „Bitch“ macht mit dem Freund ihrer neuen Mitbewohnerin herum - und das auf dem Geburtstagskuchen selbiger - und gleichzeitig kündigt sie an, ihren Teil der Miete erst verspätet zahlen zu können. Der Zuschauer soll neugierig gemacht werden und direkt am Ball bleiben, denn über ein Flashback wird die Situation erklärt. Die Bitch ist gar nicht so „bitchy“, sondern, wenn sie jemanden mag, greift einfach zu unorthodoxen Methoden, um auf verquere Art und Weise zu helfen.
Das Konzept geht auf und was folgt, sind 22 Minuten eines soliden Single-Kamera-Comedypiloten. Darüber hinaus ist er gespickt mit den mittlerweile gängigen Stilmitteln wie „Cutaways“ und einem „Flashback“, die einen Teil der Exposition und der Prämissenerklärung übernehmen. Gewürzt wird das Ganze durch eine Handvoll „Supporting Characters“, wie den Stalker-Nachbarn und die Ex-Arbeitskollegen, die jetzt schon liebenswerter, verdrehter und interessanter sind als so manches, was die Multi-Kamera-Comedys wie 2 Broke Girls, Whitney oder Are you There, Chelsea? in dieser TV-Season geboten haben. Dazu kommt eine herrlich überzogene Version von Dawson's Creek-Hauptdarsteller James Van Der Beek als er selbst, kompetente Hauptdarstellerinnen und fertig ist ein vielversprechender Comedyneustart.
Gemeinsamkeiten mit 2 Broke Girls existieren nur auf der Oberfläche. Beide handeln von Frauen-WGs, die durch die Wirtschaftskrise entstanden sind und so zwei unterschiedliche Charaktere zusammengebracht haben. Während bei der CBS-Serie beide Figuren nun arm sind und eine davor reich war, wird hier eher mit den charakterlichen und moralischen Unterschieden der beiden Frauen gespielt: Mädchen vom Land mit Bauernschläue versus wildes It-Girl ohne Moral.
Während beide in New York spielen, ist ein stilistischer Vergleich zu einer anderen Serie aber naheliegender: Happy Endings - denn der Ton von Don't Trust the B---- in Apartment 23 und der Serie, die zuvor auf dem gleichen Sendeplatz lief, scheint durch die deutlich fieseren Wesenszüge von Chloe und ihrem Freundeskreis aus der Entertainmentbranche Überschneidungen aufzuweisen. Happy Endings ist beispielsweise gerade so spannend, weil die Figuren, obwohl sie auch Freunde sind, bisweilen mehr als egoistisch agieren. Ob June und Chloe jedoch eine ähnliche Chemie miteinander aufbauen wie die Freunde aus Chicago, bleibt abzuwarten - dort hat es bekanntlich auch etwas gedauert, bis es „klick“ gemacht hat.
Problem Programmplanung?

Zwar könnte das Vorprogramm mit Modern Family und den gigantischen Einschaltquoten kaum besser sein, aber so richtig passt Don't Trust the B---- in Apartment 23 nicht zu Modern Family und The Middle. Deutlich besser würde sich eine Programmierung mit Happy Endings, Suburgatory, eventuell Cougar Town (sofern es diese Season überlebt) und einem Neustart anbieten. Last Man Standing könnte dann auf den Mittwoch rutschen und die Single-Kamera-Sitcoms einen eigenen Block bilden. Aber das sind nur Gedankenspiele. Vielleicht will man auch Don't Trust the B---- in Apartment 23 zunächst behutsam aufbauen, um dann genau dieses Experiment zu wagen. Die schlechteste Strategie ist das sicherlich nicht und bislang ist „Apartment 23“ auch einer der wenigen Single-Kamera-Neustarts, der sich wacker in den Einschaltquoten schlägt „39395“.
Fazit
Der Grundstein ist gelegt und nun heißt es abwarten, wie sich die Serie sowohl kreativ als auch quotentechnisch entwickelt. Ob man hier bei einigen übertrieben erscheinenden Entwicklungen (vom Angestellten bei der Mortgage-Firma zum Manager eines Coffeeshops in kurzer Zeit?) und den deutlich überzeichneten Figuren (der Voyeursnachbar und die Freizügigkeit von Chloe und Van Der Beek) bleibt, wird sich zeigen. Begrüßenswert wäre es.
Und wer weiß, vielleicht kann sich die Underdog-Geschichte von Happy Endings hier noch einmal wiederholen. Denn diese Comedy startete ebenfalls erst recht spät und galt - zugegebenermaßen anders als „Apartment 23“ - als etwas unsicher, mauserte sich jedoch bald mit der Unterstützung von Modern Family zum Überraschungserfolg und Publikumsliebling.
Trailer zur Serie: