Animal Kingdom 1x01

Animal Kingdom 1x01

Mit ihrer Auftaktepisode kann die neue Dramaserie Animal Kingdom nur mittelmäßig überzeugen. Das von einem australischen Film adaptierte Format verlegt dessen Handlung nach Kalifornien, wo eine Matriarchin ihrer kriminellen Familie vorsteht.

Es dauert nicht lange, bis Josh (Finn Cole) zum ersten Mal eine Waffe in der Hand hält. / (c) TNT
Es dauert nicht lange, bis Josh (Finn Cole) zum ersten Mal eine Waffe in der Hand hält. / (c) TNT

Die erste Szene der Pilotepisode von Animal Kingdom ist zugleich die beste. Darin sitzt Josh (Finn Cole) neben seiner Mutter auf der Couch und schaut teilnahmslos dabei zu, wie zwei Rettungssanitäter ihren Tod durch Überdosis feststellen. Er legt seinen Teller in die Spüle und macht sich an die Mathehausaufgaben. Das milde Abendlicht Kaliforniens spiegelt seine triste Gemütslage wider. Erst dann meldet er sich bei seiner Großmutter Janine „Smurf“ Cody (Ellen Barkin), vor der ihn seine Mutter immer fernhalten wollte.

Show them who's king

Da er jedoch nur den Vornamen seines Vaters kennt und auch nicht weiß, wo der sich aufhält, bleibt ihm nichts anderes übrig. Was folgt, ist eine beinahe einstündige - und damit viel zu lange -, stellenweise furchtbar offensichtliche Vorstellung von Smurf und der kriminellen Familie, der sie vorsteht. Dazu gehören ihre vier Söhne, die sich vor allem mit Aktivitäten aufhalten, die jedem Dude-Bro vor Freude die Tränen in die Augen treiben dürften. Ihr Leben scheint überwiegend aus Surfen, Sex und Drogenkonsum zu bestehen.

Finanziert wird das alles mit mittelschwerer krimineller Aktivität. Der erste Job, bei dem Josh helfen soll, ist ein Juwelendiebstahl. Er ist zusammen mit seinem gerade aus dem Gefängnis zurückgekehrten Onkel Andrew „Pope“ (Shawn Hatosy) für die Besorgung des Fluchtfahrzeugs zuständig, wobei er zum wiederholten Male bezeugen darf, dass bei Pope mehr als nur eine Schraube locker ist. Überhaupt bekommen wir ständige Hinweise darauf, wie verrückt diese Familie doch ist - ganz so, als traute uns Showrunner Jonathan Lisco, der für die Serie den gleichnamigen australischen Film von David Michod adaptierte, nicht zu, das gleich beim ersten Mal zu verstehen.

So ist es dann auch bei der einen Szene, die nicht mit einer sofortigen Erklärung ausgestattet wird, dafür aber später. Die Crew entführt ein paar Junkies und sperrt sie in dem Geländewagen ein, der später für den Raubzug verwendet werden soll. Sie ermutigen ihre Gefangenen dazu, ihren körperlichen Bedürfnissen ruhig freien Lauf zu lassen. Wir Zuschauer wissen natürlich nicht genau, was das nun bedeutet, können aber vermuten, dass fremde DNA in dem Fahrzeug gefunden werden soll. Statt uns diese Transferleistung zuzutrauen, müssen die Brüder das übernehmen: „Thanks for the body fluids. DNA jackpot. This should keep the crime lab busy.

Ein bro-tastisches Brüdergespann © TNT
Ein bro-tastisches Brüdergespann © TNT

Ein Drehbuch, das so offensichtlich arbeitet, legt meist auch nicht viel Wert auf Figurenzeichnung. So ist es dann auch wenig verwunderlich, dass die meisten Charaktere in ihrem vorgegebenen Klischee verharren, was angesichts des stark besetzten Ensembles äußerst schade ist. Der bereits erwähnte Pope ist der Weirdo, seine Brüder Craig (Ben Robson) und Deran (Jake Weary) sind die unausstehlichen Dude-Bros mit Hang zum Jähzorn und der älteste Sohn Barry „Baz“ (Scott Speedman) ist der besonnene, weil er Ehefrau und Kind hat.

Throw me a bone

Außer ständigem Nörgeln an den Aktivitäten ihres Ehemanns darf Catherine (Daniella Alonso) auch nicht viel tun, was ebenso für Joshs Freundin Nicky (Molly Gordon) gilt, die von dieser gefährlichen neuen Welt zumindest ein bisschen angezogen zu sein scheint. Die einzige komplexe Frauenfigur ist Matriarchin Smurf, deren Spitzname alleine Grund genug ist, diese Serie nicht weiterzuschauen. Sie pflegt ein überaus liebevolles Verhältnis zu ihren Söhnen, das bisweilen die Grenze zu inzestuösem Verhalten überschreitet. Hierzu gehören Küsse auf den Mund, Schlaflieder plus Streicheleinheiten und die ständige Bereitschaft ihrer Kinder, vor ihr nackt aufzutreten.

Ein echter Handlungsbogen will sich in der Pilotepisode nicht herauskristallisieren. Wird Josh nach seinem Vater suchen? Wird die Familie Probleme mit der Polizei bekommen? Wird Pope die eigene Verrücktheit schnell wieder zum Verhängnis? All dies könnte passieren, wird aber nur angedeutet. Statt einer dramaturgischen Weisung bekommen wir weitere Szenen, die das Bild der Familie noch deutlicher machen sollen. Es wird gesurft, es wird waghalsig Motorrad gefahren, es werden fahrlässig Waffen gezogen, es wird gekifft, gekokst, gesoffen.

Bisweilen hat es den Anschein, als zielten Lisco und sein Team auf ein ganz bestimmtes Publikum ab, das die Aktionen der Brüderschar wohl irgendwie toll finden soll. Spannend ist dabei leider nur, wie Josh als fish out of water auf diese neue Welt reagiert, was vor allem daran liegt, dass Finn Cole ein begabter Schauspieler ist. Konzentriert sich Animal Kingdom zukünftig mehr auf seine Geschichte und die seiner Freundin, könnte die Serie ihrem momentan sehr generischen Zustand entkommen. Hilfreich dabei wäre es, die überzeugende visuelle Umsetzung der Pilotepisode beizubehalten, die Regisseur und Executive Producer John Wells zu verdanken ist.

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 15. Juni 2016

Animal Kingdom 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Animal Kingdom 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Eine neue Familie
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 14. Juni 2016 (TNT)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 19. Juni 2017
Regisseur
John Wells

Schauspieler in der Episode Animal Kingdom 1x01

Darsteller
Rolle
Ellen Barkin
Scott Speedman
Shawn Hatosy
Ben Robson
Jake Weary
Finn Cole
Molly Gordon

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