Aníkúlápó: Rise of the Spectre - Review der Pilotfolge Todesbote der nigerianischen Fantasyserie auf Netflix

Aníkúlápó: Rise of the Spectre - Review der Pilotfolge Todesbote der nigerianischen Fantasyserie auf Netflix

„Aníkúlápó: Rise of the Spectre“ entführt uns mit einer ansprechenden Geschichte in die spannende mystische Welt der nigerianischen Mythen und Sagen, lässt aber handwerklich so viel zu wünschen übrig, dass sich der Sehgenuss letztlich in Grenzen hält.

Poster zur Serie „Aníkúlápo - Rise of the Spectre“
Poster zur Serie „Aníkúlápo - Rise of the Spectre“
© Netflix

Das passiert in der Serie „Aníkúlápó: Rise of the Spectre“

Saro der Textilweber hatte in Aníkúlápó: Rise of the Spectre einst die Gabe, die Toten ins Reich der Lebenden zurückzuholen. Doch eines Tages fällt der Schatten des mythischen Vogels Akala über ihn. Als er die Pforte zum Jenseits erreicht, lässt ihn der Wächter nicht hindurch, da Saro ihm mit seiner Kunst neun Seelen stahl, die der Weber nun zu ihm zurückbringen muss, bevor er ihn ins Paradies lässt. Anfangs tut Saro, was ihm aufgetragen wurde, schon bald mischen sich aber seine Vorfahren ein, die als Geister rastlos durch das Königreich Oyo ziehen. Sie erwecken ihn wieder zum Leben und schenken ihm drei Jahre. Im Gegenzug muss er ihnen versprechen, sie anschließend ins Licht zu führen. Saro denkt allerdings nicht daran, ein zweites Mal zu sterben und versucht, den Tod zu überlisten.

Hier schon mal ein Originaltrailer zur Serie „Aníkúlápó: Rise of the Spectre“:

Zum Hintergrund

Aníkúlápó: Rise of the Spectre“ ist die Fortsetzung des nigerianischen Fantasyfilms „Aníkúlápó“ aus dem Jahr 2022 und setzt dort an, wo die Geschichte um den Textilweber Saro endet. Für diejenigen Leserinnen und Leser, die die Geschichte nicht kennen, schicken wir einleitend an dieser Stelle eine kurze Nacherzählung voraus: Einst war Saronach Oyo gekommen, um dort mit seinem traditionellen aso-ofi-Webstuhl ein berühmter Mann zu werden, ließ sich aber dann auf eine Romanze mit Königin Arolake ein. Als der König davon erfuhr, verurteilte er Saro zum Tode, doch es gelang seiner Geliebten den mythischen Vogel Akala anzurufen, der ihn ins Leben zurückbrachte. Dank des Diebstahls eines magischen Kürbisses wurde der Weber schließlich zu Aníkúlápó, „derjenige, der den Tod in der Tasche hält.“ Statt dankbar zu sein, wurde der Wiedererweckte aber überheblich und betrog Arolake, die ihn daraufhin der Quelle seiner Macht beraubte.

Stolpersteine

Das Werk avancierte in Afrika zu einem unerwarteten Erfolg und räumte beim Africa Magic Viewers' Choice Award (einer Art privat finanzierter Kombination aus Emmy und Oscar) 15 Nominierungen und fünf Preise ab. Der große Zuspruch ermunterte Produzent und Regisseur Kunle Afolayan nun, ein Sequel in Form einer fünfteiligen Serie hinterherzuschieben, die auf Netflix allerdings wieder einmal leider nicht synchronisiert an das deutsche Publikum übergeben wurde. Als weiterer Stolperstein erweist sich, dass man den Film im Grunde genommen kennen muss, um die Handlung der Pilotfolge nachvollziehen zu können.

Die Geschichte selbst ist indes ideenreich und gewährt uns einen tiefen Einblick in die Kultur und Sagenwelt der in Nigeria lebenden Volksgruppe das Yoruba. Und die hat mit Saros Fähigkeit, die Toten wiederzuerwecken, dem mythischen Vogel Akala und der Darstellung des Jenseitswächters viel zu bieten.

Handwerkliche Unzulänglichkeiten

Leider macht Kunle Afolayan aber zu wenig aus der spannenden Prämisse. Zwar fließt das übernatürliche Element vor allem zu Beginn stark in das Narrativ ein und flammt dank Saros Vorfahren immer wieder auf, die als Geister ruhelos durch das Königreich Oyo ziehen. Der an sich starke Ansatz verblasst aber im Licht der Belanglosigkeit, weil sich der gesamte Mittelteil der fast 70 Minuten lange Episode wie Kaugummi zieht und nichts Spannendes zu bieten hat. Von dem Augenblick an, als Saro einen neuen Körper bekommt und drei Jahre Galgenfrist erhält, verbringen wir die meiste Zeit nämlich damit, ihm dabei zu beobachten, wie er sich ein neues Leben aufbaut. Dabei geht der ehemalige Weber zwar recht gewissenlos vor, scheut sich nicht, seinen Konkurrenten in die Pleite zu treiben und sich auch noch seine Tochter zu angeln.

Spannend ist das alles aber nur leidlich, weil die Erzählung vorhersehbar vor sich hinplätschert und stellenweise zu allem Überfluss handwerklich auch noch schlecht gemacht ist. Beispielsweise fühlt sich die Schnittführung stellenweise arg abgehackt an, vor allem, wenn der Dialog zwischen der Hauptfigur mit irgendwelchen Charakteren mitten im letzten Wort abbricht und eine hakelige Überblende zu einer anderen Szene folgt. Hinzu gesellen sich schauspielerische Unzulänglichkeiten, die sich nicht ohne Weiteres immer mit kulturellen Eigenheiten wegerklären lassen. Viele der Nebenfiguren hinterlassen einen recht amateurhaften Eindruck, so zum Beispiel der Vater von Saros Geliebter Latorera. Hinzu gesellt sich eine uninspirierte Dialogführung, die viel zu oft versandet und uns weder etwas über die Handlung noch die Menschen verrät, mit denen wir es zu tun haben.

Positives

Ein Szenenfoto aus der Serie „Aníkúlápo - Rise of the Spectre“
Ein Szenenfoto aus der Serie „Aníkúlápo - Rise of the Spectre“ - © Netflix

Im Gegenzug beschert uns „Aníkúlápó: Rise of the Spectre“ allerdings eine Reihe schöner und für westliche Augen exotisch anmutender Landschaftsaufnahmen und Bildkompositionen. Diese zeugen von einer reichen, bunten Kultur, die durchaus einen Blick wert ist und die von einem hörenswerten Soundtrack bestens unterstützt wird. Der ästhetisch ansprechende Tenor der Serie spiegelt sich quasi eins zu eins im Sounddesign und dem Score wider, der typisch afrikanische mit modernen Instrumenten kombiniert und damit für eine einzigartige Vertonung sorgt. Im Verbund mit der ansprechenden Fantasyprämisse schaut man letztlich trotz der oben genannten Mängel weiter und möchte wissen, wie es weitergeht.

Fazit

In Anbetracht der Lobeshymnen für den Film habe ich mir von „Aníkúlápó: Rise of the Spectre“ wesentlich mehr erwartet. Sicherlich war mir klar, dass die Serie mit einem wesentlich geringeren Budget auskommen muss, als europäische oder gar US-amerikanische Produktionen. Andere, für mich neue Erzählformen kenne ich zudem durch meine Leidenschaft, Filme und Serie aus aller Welt zu schauen, ebenfalls. Doch in diesem Fall lässt sich, wie oben gesagt, nicht alles mit kulturellen Eigenheiten erklären, dafür liegt handwerklich zu viel im Argen. Das ist überaus schade, weil mir die zugrunde liegende Geschichte gut gefällt und ich eigentlich gerne dranbleiben möchte. Die Frage ist nur, ob ich nicht irgendwann entnervt das Handtuch werfe...

Zweieinhalb von fünf Punkten.

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