
In den ersten Minuten der Serie Angel from Hell sagt Jane Lynchs Figur in vorauseilender Selbstverteidigung, dass sie nie gesagt habe, ihre Serie sei jugendfrei. Doch damit verkauft sie die nächsten zwanzig Minuten ziemlich hochtrabend, denn so grenzwertig wie offenbar von den Machern erhofft, ist die Pilotepisode leider überhaupt nicht. Vermutlich hält man bei CBS Sprüche vom Kaliber „Erinnerst du dich an deinen ersten Orgasmus als du ein bisschen gepupst hast?“ für besonders edgy.
Worum es geht
Hautärztin Allison (Maggie Lawson, Psych) ist gerade mit ihrem Freund zusammengezogen, dem arbeitslosen Evan (David Denman, The Office), der gerade eine App entwickelt, mit der er den Durchbruch schaffen will. Außerdem einen festen Platz in ihrem Leben hat ihre beste Freundin Jill (Liza Lapira, Battle Creek, Super Fun Night). Was die Medizinerin nicht weiß, ist dass diese beiden auch abseits von ihr eine eigene Beziehung unterhalten, aber dazu später mehr.
Denn zunächst ist noch zu erwähnen, dass Allison nicht nur ihren Lebensgefährten aushält, sondern auch ihrem Bruder nach seiner Scheidung wieder auf die Beine hilft indem sie ihn in ihrer Garage beherbergt. Dessen Name ist Brad (Kyle Bornheimer, Family Tools) und er hat ein Auge auf die beste Freundin seiner Schwester geworfen. Die hat natürlich kein Interesse, ist sie zu sehr damit beschäftigt, Allison den Mann aufzuspannen.
Die beiden Geschwister, besonders Allison, haben außerdem mit dem Tod der Mutter ein Jahr zuvor zu kämpfen. Denn dieses Ereignis hat die Ärztin ganz schön aus der Bahn geworfen. Das weiß jedoch nur ihr Schutzengel Amy (Jane Lynch, Glee). Engel? Richtig, Amy wacht schon seit Geburt über das Leben der Medizinerin und hat es sich zur Mission gemacht, sie glücklich zu machen. Bisher hat sie damit nicht unbedingt den besten Job hingelegt, was vielleicht daran liegt, dass sie von ihrem Flachmann abgelenkt war. Denn Amy ist kein typischer Schutzengel, sie trinkt, flucht und hält mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg.
Zu Beginn der Serie Angel from Hell ändert sie ihre Strategie. Hat sie Allison in den Jahrzehnten zuvor unerkannt aus der Ferne beschützt, so mischt sie sich jetzt aktiv - und aufdringlich - in das Leben ihres Schützlings. Sie lauert ihr bei jeder Gelegenheit auf und sagt ihr, dass ihr Freund sie betrüge. Am Ende kommt es so, wie es muss: Allison erfährt die Wahrheit und erkennt, dass Amy die ganze Zeit Recht hatte. Auch wenn sie sich nach wie vor wohl nicht sicher ist, dass die Frau, die sie stalkt keine Verrückte ist, erkennt sie, dass deren Anwesenheit ihr Leben auf einen besseren Weg gelenkt hat.
Wie kommt es rüber?
Mit der Serie Angel from Hell konfrontiert können einen schlimme Befürchtungen überkommen. Doch ganz so dicke kommt es dann doch nicht. Irgendwie macht es sogar ein bisschen Spaß diesem angeranzten Schutzengel zuzusehen, wie er das aus dem Ruder gelaufene Leben einer jungen Ärztin wieder auf die Reihe bekommen will. Allison hat Probleme, die nicht so fern der Realität liegen müssen. Ihr Selbstbewusstsein ist nach einem Schicksalsschlag angeknackst, im Besonderen hat sie das Gefühl, nicht liebenswert zu sein und verkauft sich deshalb unter Wert. Zum Beispiel an einen Typen, der sie mit ihrer besten Freundin betrügt und ohnehin in dem Ruch steht, sie auszunutzen.
Jeder, der in seinem Leben zurückblickt, kann sich wohl an Situationen erinnern, in dem ein Engel wie Amy, eine Freundin, der kein Blatt vor den Mund nimmt, wohl nicht fehl am Platze gewesen wäre. Allison findet ihre Nische in einem Stereotyp beruflich erfolgreicher junger Frauen, deren Privatleben jedoch oft leidet. Und die irgendwo unterwegs verlernt haben, sich selbst so wertzuschätzen wie sie es tun sollten. Und die durch Amy daran erinnert werden, dass Glück - oder zumindest der Anspruch darauf - zu ihrem Geburtsrecht gehört.
In dieser Hinsicht wirkt Angel from Hell wie ein auf leichte Art umgesetzter Selbsthilferatgeber, der nicht zu brav rüberkommt, aber natürlich auch nicht wirklich grenzwertiges Terrain betritt.
Fazit
Die Pilotepisode der Serie Angel from Hell liefert simple, nicht nervige Sitcomunterhaltung. Man kann seine Zeit schlechter verbringen, aber ohne große Mühe sicherlich auch besser.
Trailer zu der Sitcom „Angel from Hell“: