Andere Eltern: Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus „Andere Eltern“ (c) Turner
Das Drehbuch ist normalerweise Dreh- und Angelpunkt einer Serie. Selbstverständlich ist auch die kreative Umsetzung der Schauspieler gefragt, doch wenn es um Handlungsverläufe, Plottwists und Rollenentwicklungen geht, ist das Drehbuch unabdingbar. Die neue Serie Andere Eltern von TNT Comedy hat sich jedoch einer ganz besonderen Herausforderung gestellt und die Serie mit Mockumentary-Passagen ohne festes Drehbuch und mit nur grob skizzierten Rollen produziert. Die Gespräche wurden daher im „Seriencamp" in München, in dem auch gedreht wurde, komplett von den Schauspielern improvisiert. Klingt nach einem interessanten Projekt, das viel Spielraum für Kreativität lässt, oder? Warum entscheiden sich nicht mehr Produzenten für diese künstlerisch aufgeschlossene Umsetzung? Die Antwort erschließt sich mir nach nur wenigen Minuten: weil es an Unterhaltung nicht zu unterbieten ist...
Doku-Style
Aufgebaut ist die Serie „Andere Eltern“ wie eine Dokumentation. Hinter deren Produktion steht Ini Züger (Johanna Gastdorf), die ihre Tochter Nina (Lavinia Wilson) und einige andere Eltern dabei begleitet, wie sie aus der Not heraus eine Kindertagesstätte errichten. Von gelegentlichen Interviews der Beteiligten unterbrochen will sie vor allem die Erziehungsweise und Ansichten der sogenannten Helikoptereltern in den Vordergrund stellen. Dieses in der Serie als „neues Phänomen" bezeichnete Konzept, das jedoch bereits 1990 seine erste Erwähnung fand, beschreibt Eltern, die besonders überfürsorglich sind, sich übermäßig in das Leben ihrer Kinder einmischen und dabei meist besonders viel Wert auf einen ökologisch nachhaltigen Lebensstil legen.
An dem Projekt Kita arbeiten neben der Yogalehrerin Nina und ihrem Mann Jannos (Jasin Challah) unter anderem auch Anita (Nadja Becker) und Lars (Sebastian Schwarz), die jedoch erst noch an der Schwangerschaft arbeiten müssen. Außerdem gehören noch zum Team: Yaa (Rebecca Lina) und Björn (Serkan Kaya), die sich dem konservativen Rollenzwang widersetzen, und die Geschwister Malte (Daniel Zillmann) und Nike (Henny Reents).

Da die Rollen nur grob skizziert und anschließend von den Darstellern improvisiert wurden, ist es auch nicht groß verwunderlich, dass sie oft dem Klischee der jeweiligen Personengruppe entsprechen. Ob rassistisch, spießig, zickig oder schwul, jedes Klischee wird bis zum Erbrechen ausgereizt. So finden selbstverständlich auch die vermeintlich allgegenwärtigen Themen Umwelt, Nachhaltigkeit, Vegetarismus und Gender einen Platz in der großen Parodie unserer Gesellschaft. Die Serie geht hier leider nicht besonders kreativ und unterhaltsam bis kritisch vor, sondern bedient sich vor allem einer überspitzten und plakativen Darstellung. Wem das nicht bildlich genug gesprochen ist: Der Hausmann bringt selbstgemachte Smoothies mit, die Eltern nutzen statt Impfstoffen lieber Eigenurin für die Gesundheit ihrer Kinder und der einzig Schwule muss natürlich ein überdramatischer Schauspieler sein.
Zum Schutz der Kinder
Ein weiteres Prinzip der Serie (das bestimmt nicht nur verwendet wurde, um Kosten zu sparen) ist die fehlende Darstellung von Kindern. Während viel über den Nachwuchs geredet wird, werden die Kinder entweder nur von hinten gezeigt oder durch eingespieltes Kindergelächter inszeniert. Die Begründung, dass die fürsorglichen Eltern einfach sehr genau darauf achten, dass keine Bilder ihrer Lieblinge im bösen World Wide Web veröffentlicht werden, kann man gerade noch so akzeptieren. Die Übergänge, in denen der Spielplatz aus der Perspektive von Kindern gefilmt wurde und mit gruseligem Kinderlachen unterlegt wurde, hätte man sich trotzdem sparen können.

Fazit
Wenn man die Serie Andere Eltern mit dem Bewusstsein konsumiert, dass hier zum großen Teil Gespräche improvisiert wurden und die Darsteller wenig Ahnung hatten, was auf sie zukommt, kann man dem Projekt noch einen gewissen Respekt zollen. Und vielleicht können sich einige Eltern wirklich darüber Gedanken machen, wie viel Kontrolle sie ihren Kindern tatsächlich aufzwingen wollen und ob sie ihren ökologisch wertvollen Lebensstil wirklich jedem auf die Nase binden möchten.
Der durchschnittliche Zuschauer wird sich jedoch höchstwahrscheinlich mit einem Kopfschütteln von dem misslungenen Kunstprojekt abwenden und sich wieder Formaten widmen, die durch ein gut durchdachtes Konzept und einem interessanten Verlauf des Drehbuchs überzeugen können.
Der Trailer zur neuen deutschen Serie Andere Eltern (1x01):