And Just Like That... 1x01

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And Just Like That... setzt die Geschichte der Frauen aus Sex and the City fort. Allerdings deutlich gereifter, mit neuen, altersgerechten Problemen und weniger Sex in der Doppelfolge zum Auftakt. Ist es trotzdem ein gelungenes Serienrevival?

And Just Like That... setzt Sex and the City fort (c) HBO Max
And Just Like That... setzt Sex and the City fort (c) HBO Max
© nd Just Like That... setzt Sex and the City fort (c) HBO Max

And Just Like That... lautet der Name der Fortsetzung zur Serie Sex and the City, die quasi in Echtzeit (respektive dementsprechend einige Jahre später) da weitermacht, wo wir die Frauen zuletzt (im Film „Sex and the City 2“) gesehen haben. Carrie (Sarah Jessica Parker), Miranda (Cynthia Nixon) und Charlotte (Kristin Davis) sind zurück. Samantha (Kim Catrall) ist es nicht, aber sie wirkt dann doch wie ein allgegenwärtiger Geist, dessen Abwesenheit alle beschäftigt. Denn, wie schnell in der ersten Episode Hello It's Me geklärt wird, ist sie beruflich nach England gezogen. Der Kontakt ist nun aber abgebrochen und obwohl die drei New Yorkerinnen es immer wieder probieren, gibt es kaum Reaktionen ihrerseits, zumindest bis zu einem schicksalhaften Ereignis...

Ein paar Witzchen werden auch zum Thema gerissen, ob sie nun verstorben wäre oder nicht, wie man es eben manchmal tut, wenn Darsteller bei Revivals oder Fortsetzungen nicht mehr verfügbar sind. Man ist also ein bisschen Meta in dieser Angelegenheit und verschweigt es zumindest nicht und benutzt auch keine Soaptaktik mit einer Umbesetzung. Das Leben geht weiter, nur eben ohne die männerhungrige Exagentin von Carrie.

Dafür gibt es aber einige kleine Cameos von obskuren Figuren, wie zum Beispiel Bitsy von Muffling (Julie Halston) und später treten auch die wichtigsten Dauerpartner der Frauen in Erscheinung. Die Serie spielt nach der Pandemie, die ebenfalls nebenbei thematisiert wird, und vor allem Carrie als Person darstellt, die kontakt- und berührungsscheu ist.

No Sex in the City?

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HBO Max - © HBO Max

Was gibt es sonst Neues? Miranda geht wieder zur Uni und will einen Master in Menschenrecht machen. Ihr Sohn ist sexuell sehr aktiv und so tritt sie ab und zu auf dessen benutzte Kondome. In der Ehe mit dem inzwischen schwerhörigen Steve (David Eigenberg) bleibt sie der böse Bulle. Beim gemeinsamen Essen der drei Busenfreundinnen spricht man aber auch über das Thema der Haarfarbe, wobei Charlotte mit ihren 55 zwar zu ihrem Alter steht, aber Miranda gerne wieder mit roten Haaren wie einst sehen würde. Nixon hat privat wenig nachgeholfen, das ist bei Parker und Davis ein wenig anders, die gerne wohl auch zur plastischen Hilfe greifen, was im Falle von Davis aber zumindest nicht so sehr ins Gewicht fällt, wie das erste Poster erahnen ließ.

Vieles fühlt sich vertraut an. Die Musik und der Score, die Synchronstimmen (wenn man wie ich der Nostalgie halber auf Deutsch zuschaut), die Kleider und Kostüme, die Ketten und die Orte in New York, die die Frauen besuchen. Nur eben in mehr HD. Es fühlt sich wie eine Fanservice-Kuscheldecke im Auftakt an, nur sind alle eben mehr oder weniger in Würde gealtert und der Sex ist halt aus dem Titel (und ein wenig auch aus dem Alltag) verschwunden. Statt 20 bis 30 Minuten gehen die ersten beiden Folgen auch 40, aber das ist in beiden Fällen völlig okay.

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Du musst deiner Pussy einen Schubs geben...

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Carrie schreibt ein neues Buch und ist auf Instagram unterwegs, statt ihre Kolumne zu schreiben, und mischt nebenbei in einem Podcast mit, den Che Diaz (Sara Ramirez) moderiert und dabei gerne auch CIS-Männer- sowie -Frauen zu Gast hat und über sexuelle Themen befragt. Das bringt zumindest etwas das ursprüngliche Thema rein. Denn bei einer Frage nach ihren Masturbationsgewohnheiten kommt Carrie ins Stocken und brabbelt vor sich hin. Che probiert ihr zu sagen, dass sie etwas dynamischer sein und aus sich raus kommen soll. Im Podcast sind Spontanität und mehr Witz gefragt - wie einst in ihrer Kolumne. Nur Carrie glaubt, dass sie besser als Ratgeberin funktioniert statt als Improperson, der es in letzter Zeit auch an frischen Erfahrungen und Referenzen mangelt.

Zu Hause befragt sie Ehemann Mr. Big (Chris Noth), ob der eigentlich auch mal Hand anlegt und will sehen, wie das so aussehen würde. Sie selbst hat sich wohl seit Jahren (seit Barney's, um genau zu sein) nicht mehr selbst befriedigt. Carrie und Big sind glücklich, eingegroovt und routiniert. Vielleicht zu glücklich...

Mirandas erste Sitzung in der Uni könnte nicht katastrophaler laufen, denn nicht nur nimmt sie auf dem Platz der Dozentin statt, sondern redet sich bei den Kommilitonen (darunter mindestens eine nichtbinäre Person) um Kopf und Kragen (Obacht bei der Pronomenwahl!). Zum Beispiel darin, was die Gründe für ihre Kurswahl angeht, die Hautfarbe und die Haare der Dozentin Dr. Nya Wallace (Karen Pittman) und sie merkt, dass sie zwar eigentlich noble Absichten hat, aber noch viel lernen oder umlernen muss, was ein modernes Studium und moderne Kommunikation angehen. Das wird später in einer Situation in der U-Bahn auch nicht unbedingt besser, als sie wieder auf besagte Lehrkraft trifft und ihre First-World-Problems durch den Bahnhof schreit, während Nya sich eigentlich Gedanken über eine In-vitro-Behandlung macht.

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Charlotte lädt zum großen Konzert ihrer Adoptivtochter ein, hat nebenbei ein bisschen Trouble mit dem Outfit der anderen Tochter Rose und ist sonst irgendwie weiterhin typisch Charlotte, nur eben etwas mehr im Leben angekommen. Weiterhin emotional, weiterhin leicht zu begeistern und gerne traditionell unterwegs. Eigentlich wollten Carrie und Big nämlich am Tag des Konzerts in die Hamptons und Zweisamkeit genießen, doch Carrie lässt sich von der Freundin breitschlagen und Big stimmt zu, den Trip aufzuschieben, damit er seine 1000. Peloton-Fahrt machen kann, die diesmal von Trainerin Allegra geleitet wird.

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And Just Like That... It's Six Feet Under

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So nett das Wiedersehen mit allen anfangs auch ist, so dramatisch entwickelt sich die Handlung beim Konzert schlagartig. In einer Montage von Klavierkonzert und Peloton-Session kann man bereits ahnen, dass Bigs 1000. Fahrt wohl nicht gut endet und tatsächlich bricht er nach einer optimistischen Textnachricht an Carrie zusammen: Herzinfarkt. Als Carrie dann zurückkehrt, findet sie ihn unter der Dusche vor. Er scheint sie zwar noch zu bemerken, stirbt dann aber... just like that... und wir sind fast schon in einer Episode von Six Feet Under gelandet. Allerdings wird man den Gedanken nicht los, dass sie zum Telefon hätte greifen sollen...

In der zweiten Folge Little Black Dress (das sie Big zu Ehren trägt) gilt es dann den plötzlichen Verlust und die Trauer zu bewältigen. Carrie wird aus ihrer Routine gerissen und muss sich mit über 50 neu orientieren und wahrscheinlich auch neu erfinden. Doch zunächst kommt die Organisation der Trauerfeier und das Überstehen selbiger dran, wobei Carrie gefasster zu sein scheint als Charlotte. Das Thema wird relativ ernst aufgearbeitet und der Tonschwenk könnte kaum größer sein, aber dennoch wird die bewährte „Sex-and-the-City“-Tonalität irgendwie beibehalten. Die Figuren reagieren, wie man sie kennt und wie man es ungefähr erwarten würde und es sind eben Themen, die in einem solche Alter leider auch irgendwo dazugehören. Miranda ist der Fels in der Brandung und leistet Beistand und Charlotte probiert ihr Bestes, macht sich aber auch Vorwürfe.

RIP John James Preston aka Mr. Big

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Der Abschied von Big hat mich ein bisschen überrascht, gleichzeitig konnte man sich das im Verlauf der Folge denken. Ist seiner aber auch würdig und - so viel kann man sich denken - ermöglicht eine Carrie, die irgendwann wieder in den Datingpool abtaucht. Doch zunächst gibt es Trauerreden von Miranda und Bigs Bruder, ein Wiedersehen mit Bitsy, Susan Sharon (Molly Price) und Sekretärin Gloria (Brenda Vaccaro) und All-You-Can-Drink an der Bar, wobei Miranda auch hier wieder ihr übliches Verhalten an den Tag legt und das Beste für sich reservieren will.

Auch ihr Sohn schlägt mal wieder über die Stränge. Hat er zuvor beim Konzert rumgemacht und zu Hause so laut gevögelt, dass selbst Steve fast etwas hörte, ist es bei der Beerdigung sein Kiffen mit Che, das Miranda aufregt. So legt sie sich mit Carries Chef:in Che an und stellt kurz danach erst fest, wer sie eigentlich ist, wobei beide einsehen, dass das Verhalten und die erste Begegnung nicht optimal waren.

Carrie tritt derweil mit einem Kleid auf, das typisch Carrie ist, übersteht das alles zwar irgendwie mit Bravour, aber einer inneren Wut, denn immerhin ist ihr langjähriger Partner, mit dem sie in der Pandemie wohl noch enger denn je zusammengewachsen war, einfach so weg - ohne großen Abschied.

Im Endeffekt wird Carrie natürlich mit Beileid (und mehr Essen als menschenmöglich) überhäuft und probiert mithilfe Pillen zu schlafen. Schon in den ersten beiden Folgen fällt auf, dass man Miranda wohl in eine Alkoholstoryline drückt, wobei man abwarten muss, wie das abläuft. Kriegt Carrie jetzt auch ein Pillenproblem oder liest man hier zu viel rein? Jedenfalls ist sie so ehrlich, dass sie manchmal etwas Abstand zu Charlotte braucht, weil ihre Emotionalität sie belastet. Da tut einem Charlotte leid, aber Carrie eben auch. Wobei die Bitte, dass Stanford (RIP, Willie Garson) sich verstecken soll, schon etwas kindisch ist. Aber das ist „SatC“ eben auch ab und an mal...

Fazit

Man beachte diese Kette!
Man beachte diese Kette! - © HBO Max

Für mich funktioniert ein Revival dann, wenn man eine gute Mischung aus Altbekanntem, neuen Elementen und Fortschritt/Zukunftsperspektive findet. Nach den ersten beiden Kapiteln von And Just Like That... scheint man das hier im Sex and the City-Revival durchaus gefunden zu haben.

Die meisten zentralen Darsteller konnten wieder zusammengetrommelt werden, das alte Gefühl beim Anschauen stellt sich ein, was sicherlich auch an Musik, Ausstattung und Kulissen (ebenso in meinem Fall an den Synchronsprechern) liegt sowie an der Mischung aus Witz und Drama - wobei in Folge zwei viel mehr Drama auch wieder vorhanden ist. Es ist sicherlich eine gewagte Entscheidung, Big sterben zu lassen, aber irgendein Grund musste her, damit der Sex auch in der Lebensphase 50+ abseits einer monogamen Ehe eingebaut werden kann. Es ist ein bisschen wie die Trope namens Stuffed into the Fridge, die in der Regel aber weibliche Figuren trifft, damit die Männer „wachsen“ können. Nicht ganz optimal und oft problematisch, aber vielleicht eine konsequentere Lösung als eine konventionelle Scheidung oder eine Trennung wegen Untreue.

Ich erwarte nun entweder noch etwas Trauerarbeit oder einen baldigen kleinen Zeitsprung, um das alles zu verarbeiten und dann eine Carrie (und vielleicht auch einige der neuen Figuren), die in ihrem jeweiligen Alter neue Erfahrungen in der Großstadt und ihrem Datingumfeld sammeln und/oder aber, dass gewisse Exen wieder auftauchen...

And Just Like That...“ kann man wöchentlich bei Sky Comedy oder via Sky Q und Sky Ticket in Deutschland sehen. In den USA ist HBO Max der Heimatsender. Nach der Doppelfolge zum Auftakt gibt es jede Woche eine neue Episode aus der zehnteiligen Revival-Staffel zu sehen. Wir planen außerdem einen Podcast zum Debüt, der am Wochenende erscheint.

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Hier abschließend noch die aktuellen Trailer zur neuen Serie „And Just Like That...“ bei HBO Max beziehungsweise Sky Comedy:

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Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 9. Dezember 2021

And Just Like That... 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(And Just Like That... 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Hallo, ich bin's
Titel der Episode im Original
Hello It's Me
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 9. Dezember 2021
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 9. Dezember 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 9. Dezember 2021
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 9. Dezember 2021
Autoren
Michael Patrick King, Darren Star, Candace Bushnell, Julie Rottenberg
Regisseur
Michael Patrick King

Schauspieler in der Episode And Just Like That... 1x01

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