American Gothic 1x01

American Gothic 1x01

Eine reiche Familie mit Geheimnissen, ein mysteriöser Serienkiller, morbide Neugier von Kindern, all das hat es schon oft in der Serienwelt gegeben. Und auch in American Gothic kommen diese Elemente vor, doch ist die neue Serie auch sehenswert? Hier die Kritik zum Piloten.

DĂŒstere Geheimnisse plagen die Familie Hawthorne in „American Gothic“ / (c) CBS
DĂŒstere Geheimnisse plagen die Familie Hawthorne in „American Gothic“ / (c) CBS

Auf CBS lief am 22. Juni die neue Sommerkrimiserie American Gothic an, nicht zu verwechseln mit den vielen anderen Serien, die ebenso mit „American“ beginnen. In dieser geht es zwar auch um Crime und murder und sogar um Horror, jedoch kommt sie in allererster Linie als dĂŒstere Familienserie daher. Viele Elemente, deren sich Schöpfer Matt Shakman bedient, konnte man schon das eine oder andere Mal im TV sehen. Doch, ob die Serie dadurch weniger sehenswert ist, lest Ihr in der Pilotkritik.

Steht der Zerfall der BrĂŒcke fĂŒr den der Familie? © CBS
Steht der Zerfall der BrĂŒcke fĂŒr den der Familie? © CBS

A family of lunatics?

Der Serienauftakt beginnt gleich einmal mit der Vorstellung eines PĂ€rchens und dessen Fahrt zur großen Familienreunion. Tessa (Megan Ketch) und Ehemann Brady (Elliot Knight) ĂŒben schon einmal den Ernstfall und proben das aufgesetzte LĂ€cheln. Sofort erhĂ€lt der Zuschauer den Eindruck, dass es sich bei der Sippe Hawthorne nicht gerade um eine Bilderbuchfamilie handelt. Schön untermalt wird dieser Umstand dann sogleich durch die bröckelnde und wankende Decke des Tunnels, durch den die Eheleute fahren. Dieses foreshadowing wird auch an anderen Stellen eingesetzt.

Die BrĂŒcke stĂŒrzt ein und das Auto der beiden wird von den schweren Betonteilen getroffen - denkt man. Doch der Schnitt auf die aus dem Tunnel herausfahrenden Tessa und Brady verraten einem sogleich, dass es sich wohl um eine Art Vision oder dergleichen handelt. Erst spĂ€ter wird bekannt, dass die BrĂŒcke tatsĂ€chlich eingestĂŒrzt ist und dies nicht nur symbolisch fĂŒr den Zerfall der Familie spricht.

Die anderen Familienmitglieder sind auch nicht wirklich eine neuartige Entwicklung an der Charakterfront. WĂ€hrend Tessa die naive, liebe, sich kĂŒmmernde Lehrerin ist, die gleich mal teenagermĂ€ĂŸig mit ihrem Mann in Papis Haus Sex haben möchte, ist ihre Ă€ltere Schwester Alison (Juliet Rylance) das genaue Gegenteil.

Die strebt das Amt der BĂŒrgermeisterin an, hat einen noch eher zurĂŒckhaltenden Ehemann (Dylan Bruce), zwei zuckersĂŒĂŸe Zwillinge und, Gott bewahre (dem Blick ihrer Mutter nach zu urteilen), eine afroamerikanische Wahlkampfleiterin (Maureen Sebastian). Man siehe: nichts Neues.

Ein schwarzes Schaf darf natĂŒrlich auch nicht fehlen, Shameless-Schauspieler Justin Chatwin verkörpert den Ex-aber-eigentlich-doch-nicht-Ex-Junkie Cam: kreativ, eigen, etwas kaputt, Vater eines morbiden Klugscheißerjungen. Es lĂ€uft eins zu eins so ab wie in Parenthood, nur dass eine gewisse DĂŒsterheit ĂŒber dieser Familie hĂ€ngt, was nicht zuletzt an dem mĂ€chtigen, dunklen Familienanwesen liegt.

Die Utensilien des SBK © CBS
Die Utensilien des SBK © CBS

SBK - Der Silver-Bells-Killer

Nach der eher erzwungenen EinfĂŒhrung der einzelnen Charaktere ist es erfrischend zu sehen, dass es dann gleich losgeht mit der Erforschung des Familiengeheimnisses. In den Betonbrocken der BrĂŒcke wird ein GĂŒrtel einzementiert gefunden. Dabei handelt es sich um die Mordwaffe des sogenannten Silver-Bells-Killer. Auf sein Konto gingen vor Jahren zahlreiche Todesopfer, die allesamt mit GĂŒrteln erdrosselt worden waren. Da kann es natĂŒrlich auch kein Zufall sein, dass das Unternehmen von Vater Mitchell (Jamey Sheridan) den Beton herstellt, der fĂŒr den BrĂŒckenbau benutzt wurde.

Doch wer jetzt denkt, der Vater war es und deswegen abschaltet, bekommt nicht mit, dass es tatsĂ€chlich noch ein schwĂ€rzeres Schaf in der Familie gibt. Der große Bruder Garrett (Antony Starr), verschollen fĂŒr lange Zeit - zumindest lĂ€sst sein Robinson-Crusoe-Look darauf schließen - taucht wieder auf und sorgt fĂŒr Anspannung in Teilen der Familie. Viel erfĂ€hrt man nicht ĂŒber ihn oder darĂŒber, wo er war, doch auch er reiht sich ein in die „Er könnte es sein“-Spekulation. An diesem Zeitpunkt kann man nur hoffen, dass sich die Serie nicht in die Richtung von Pretty Little Liars bewegt, in der die „Wer war es?“-MentalitĂ€t Überhand nimmt.

Was flĂŒstert Garrett (Antony Starr) seinem alten Herren zu? © CBS
Was flĂŒstert Garrett (Antony Starr) seinem alten Herren zu? © CBS

Die verrÀterischen Zwillinge

Wie es zu erwarten war, ist der Trubel rund um die eingestĂŒrzte BrĂŒcke zu viel fĂŒr das Herz des Familienpatriarchen. Er landet im Krankenhaus, was die Familie im ersten Moment zusammenrĂŒcken lĂ€sst, und sogar den verschollenen Garrett zurĂŒckbringt. Dieser hat zur BegrĂŒĂŸung seines Vaters warme Worte ĂŒbrig - denkt man zumindest. Hören kann man nĂ€mlich nicht, was er diesem im Krankenbett zuflĂŒstert.

In der Zwischenzeit wird die Geschichte rund um das Geheimnis des Mörders krĂ€ftig vorangetrieben. Das ist einer der Pluspunkte der neuen Serie. Auf der Suche nach Cams Drogenversteck entdecken Tessa und Cam eine Schuhschachtel voller Zeitungsartikel und kleinen, silbernen Handglöckchen. Doch wem gehören die eindeutigen Serienkillerutensilien? Der Mörder ließ nĂ€mlich bei seinen Mordopfern jeweils eine Handklingel zurĂŒck.

Auch mit der Entdeckung und der darauffolgenden Geheimhaltung hĂ€lt sich die Serie nicht unnötig lange auf. Die beiden Geschwister behalten den Fund nicht lange fĂŒr sich, sondern weihen die andere Schwester mit ein. Zuerst ist der Plan jedoch, nichts weiter zu unternehmen, denn wer sollte bitteschön ein Mörder in dieser reichen, angesehenen Familie sein?

Die verrĂ€terischen Zwillinge berichten Mutter Alison derweil von den nicht ganz so warmen Worten von Garrett an seinen Vater. „Ich werde allen sagen, dass du es warst“. Eines der Kleinkinder lag in dem Moment unter dem Bett des Familienoberhaupts und konnte somit die Worte klar und deutlich hören. Doch kann man den Kindern Glauben schenken? AllmĂ€hlich wird eine Spannung innerhalb der Familienbande aufgebaut, was eigentlich ganz gut umgesetzt wird, auch wenn es nichts wirklich Neues ist.

Fazit

Negativ aufgefallen ist die nicht annĂ€hernd neu erfundene Charakterzeichnung der einzelnen Rollen. Der einzige, der etwas heraussticht, ist der kleine Jack (Gabriel Bateman), der nicht nur eine AffinitĂ€t zu allem Toten hat, sondern auch gleich mal Taten fĂŒr sich sprechen lĂ€sst und der Nachbarkatze den Schwanz im Namen der Wissenschaft abschneidet. Bleibt abzuwarten, ob der kleine Dr. Frankenstein sich Ă€hnlich wie die Titelfigur von Dexter entwickelt, der mochte es als Kind ja zunĂ€chst auch, Kleintiere zu sezieren.

Manche Anspielungen und Kameraschnitte sind tatsĂ€chlich sehr nett. Die BrĂŒcke als Symbol oder auch das LĂ€uten der TĂŒrglocke in dem Moment, in dem sich Tessa die Zeitungsartikel ĂŒber den Glockenmörder durchliest. Oder auch Cams verstörter Blick auf den Duschkopf, der ebenfalls die Form einer Handklingel hat. Andere Situationen waren dagegen eher lĂ€cherlich. In Mördermanier stiefelt Garrett durch den Garten mit einem Jagdmesser in der Hand, das er aber nur an einem Stein schleifen will (?!?), um sich seinen Bart damit abrasieren zu können (!?!).

Bisher ist das RĂ€tselraten, wer - und vor allem in welchem Ausmaß - mit dem Serienmörder in Verbindung steht, durchaus gelungen. Die ĂŒberraschende Wendung am Schluss, als Mutter Hawthorne dem Vater die Luftzufuhr abdrĂŒckt, nachdem dieser zu ihr sagte, dass sie das Geheimnis ihren Kindern verraten muss, setzte noch einmal ein kleines Highlight zum Schluss. Es lĂ€sst die Zuschauer durchaus zappeln, wie es in der nĂ€chsten Folge wohl weitergehen wird...

Zusammengefasst kann man sagen, dass da noch einige Geheimnisse in der Familie stecken, die fĂŒr weitere Überraschungen sorgen werden. Nach dem anfĂ€nglichen obligatorischen Vorstellen der einzelnen Familienmitglieder geht es ziemlich schnell zur Sache. Der Anfang ist gesetzt, jetzt bleibt es abzuwarten, in welche Richtung sich das Familiendrama weiterentwickelt. Die Serie hat durchaus Potenzial, wenn sie sich auf das Zwischenmenschliche der einzelnen Familienmitglieder konzentriert und das RĂ€stelraten um den Mörder nicht zu sehr auf die Spitze treibt.

Trailer zur neuen US-Serie „American Gothic“:

Verfasser: Jennifer Bichler am Donnerstag, 23. Juni 2016

American Gothic 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(American Gothic 1x01)
Titel der Episode im Original
Arrangement in Grey and Black
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 22. Juni 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 2. November 2020
Autor
Corinne Brinkerhoff
Regisseur
Matt Shakman

Schauspieler in der Episode American Gothic 1x01

Darsteller
Rolle
Juliet Rylance
Megan Ketch
Elliot Knight
Stephanie Leonidas
Gabriel Bateman
Virginia Madsen

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