American Born Chinese: Was bist du für einer? - Review

© Disney+
Die Comic-Vorlage zur neuen Serie American Born Chinese, die in acht Folgen ab sofort beim Streamingdienst Disney+ zu sehen ist, hat bereits viel Kritikerlob eingestrichen. Neben der Tatsache, dass sie ein Beststeller war, gehören einige Preise, darunter der Industrie-Oscar namens Eisner Awards für Best Graphic Album, dazu. Die Vorlage kommt dabei überraschend simpel daher, sowohl vom Stil als auch der Panel-Aufteilung.
Das Seitenformat wird nie vollends ausgereizt wie bei Mangas oder US-Comics, sondern präsentiert sich oft in weniger als sechs Panels pro Seite. Die Geschichte, die erzählt wird, ist ebenfalls übersichtlich. Entsprechend muss die TV-Version hier deutlich mehr Arbeit leisten, was die Figuren und Themen angeht, um acht Episoden mit einer Lauflänge zwischen 32 und 45 Minuten daraus zu machen. Wobei der Auftakt mal direkt die längste Folge darstellt...
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Wovon handelt „American Born Chinese“?

Wir lernen den Durchschnittsteenager Jim Wang (Ben Wang) kennen, der die zehnte Klasse besucht und als chinesisch-amerikanischer Jugendlicher zwischen den kulturellen Stühlen sitzt. Er hat die gleichen Interessen wie viele gleichaltrige Nerds: Animes, Comics, Videospiele, doch will er dazugehören, muss er wohl auch Sport treiben, wie etwa Fußball, wozu er in diesem Jahr die Möglichkeit erhalten soll.
Eigentlich wäre dieses Jahr ein guter Neustart für ihn, doch dann taucht ein neuer Mitschüler namens Wei-Chen (Jim Liu) auf, den Jin unter seine Fittiche nehmen und den Schulalltag zeigen soll. Stress gibt es auch mit seinem ehemaligen Kumpel Anuj, den Jin nicht verteidigt hat, als die Jocks ihn aufgezogen haben. Zudem schwärmt Jin für Amelia (Sydney Taylor), die seine Avancen aber zunächst nicht erwidert.
Eines Tages wird ein Missgeschick, das Jin passiert, mitgefilmt, woraus ein virales Video entsteht und Jin wird ungewollt zum Zentrum der schulischen Aufmerksamkeit und zum Meme. Auch die Trainingseinheit beim Fußball geht mächtig schief...
Familiär läuft es ebenfalls nicht rund, sein Vater Simon (Chin Han) fürchtet, seinen Job zu verlieren und Mutter Christine (Yeo Yann Yann) predigt beiden Männern, dass sie für sich selbst einstehen sollen, weil sich ihre Situation sonst nie ändern wird.
Das alles ist nur der Unterbau für eine Geschichte über einen epischen Konflikt zwischen chinesischen Göttern, in den Wei-Chen verwickelt ist, der eigentlich der Sohn von Sun Wukong aka The Monkey King (Daniel Wu) ist. Sein Vater schickt immer wieder Krieger, die einen entwendeten, mächtigen Stab zurückerobern wollen. Jin soll derweil zum Helfer von Wei-Chan werden, ahnt davon zunächst aber wenig...
Mit dabei sind außerdem Michelle Yeoh (Star Trek: Discovery, „Everything Everywhere All at Once“) als Guanyin und Ke Huy Quan („Everything Everywhere All at Once“) als Freddy, der Star einer Sitcom innerhalb der Serie, sowie einige andere. Destin Daniel Cretto („Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ hat die Regie beim Auftakt übernommen und Kelvin Yu (Bob's Burgers) ist Showrunner.
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What could go Wong?
American Born Chinese reiht sich in die Reihe der Serien ein, die einen gewissen Kulturkreis mit einem Heranwachsen in Amerika vermischen und bietet dabei die chinesische Perspektive, die bisher vor allem in der Sitcom Fresh Off the Boat als Comedyserie thematisiert wurde. Die Komponente der Mythenwelt hebt den Neustart aber erfreulich vom Einerlei ab. Der Coming-of-Age- und Schulaspekt erinnert dabei derweil an Serien wie Never Have I Ever, Ms. Marvel oder Flashback-Aspekte von Ramy.
Wer zudem „Dragon Ball“ gesehen hat oder mit dem Spiel „Enslaved“ in der PlayStation-3-Ära gespielt hat, dürfte grob mit der Saga rund um den Affenkönig vertraut sein. Allerdings sieht es ganz so aus, als würde man hier deutlich tiefer in die Materie gehen als die anderen genannten Beispiele. In der Graphic Novel wechseln sich Kapitel von Jins Story mit den mythologischen Exkursen ab und werden zudem von einer eigenen Version von einem chinesischen Stereotyp in der westlichen Welt begleitet.

Obwohl zumindest die jüngeren Figuren der Generation Z angehören und somit deutlich problembewusster und kritischer heranwachsen als ihre Vorgänger, gibt es doch noch einige Konflikte. Vor allem erfolgen diese auch mit der Elterngeneration oder dem Finden der eigenen Identität, die in der Serie behandelt werden. Manch einer kann oder will etwa nicht zwischen verschiedenen Völkern differenzieren und wirft sie in einen Topf oder kann sich die richtigen Namen nicht merken.
Stereotypen aus den Medien, etwa aus Filmen oder Sitcoms sind bei manchen Leuten ebenfalls schwer aus dem Kopf zu kriegen. Im Comic selbst spielt auch das Thema Essen bisweilen eine Rolle, weil es für manche ein Fremdkörper ist. Die Metaphern rund um Rebellion und Identitätsfindung werden derweil auch im mystischen Teil der Handlung aufgegriffen und in der TV-Fassung deutlich mehr durch visuell schön choreografierte Martial-Arts-Kämpfe ergänzt.
Insgesamt wird in den ersten beiden Folgen, die im Rahmen dieser Kritik gesichtet wurden, deutlich, dass die Themen und die Figurenpalette der Vorlage erweitert wurden. Denn Vater Simon spielt dort eigentlich keine nennenswerte Rolle, erhält hier hingegen einen eigenen Sub-Plot rund um die Frage, ob sich „leiser Fleiß“ im Berufsleben in den USA lohnt oder man doch über Vitamin B und Networking vorgehen muss, um aufzusteigen. Denn eine Zufallsbegegnung mit seinem Chef führt dazu, dass die beiden sich über eine gemeinsame Liebe für Jon Bon Jovi kennenlernen. Ist das also seine Chance für eine Beförderung?
Anders als in ähnlichen Serien sind die inneren Konflikte gefühlt etwas zurückgenommener und subtiler. Das liegt an Jin als Hauptfigur, der sein bisheriges Leben lang lernen musste, bescheiden zu sein, während Wei-Chen frech und forsch ist, aber auch, weil große romantische Plots eher Beiwerk sind denn zentrale Handlungsmotoren. Allerdings braucht es auch ein wenig, um Jin über seine Bestimmung einzuweihen, weswegen man wohl länger als den Auftakt abwarten sollte, um diesen Aspekt zu greifen.
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Fazit
Der Einstieg in American Born Chinese könnte manchem Zuschauer vielleicht schwerer fallen als in ähnliche Coming-of-Age-Stoffe, dafür bringt das Thema interessante kulturelle Aspekte mit, die so wahrscheinlich bisher selten im westlichen Rahmen erzählt wurden. Allein dafür lohnt sich schon ein Blick ins Format vom Streamingdienst Disney+. Dreieinhalb von fünf mächtigen Stäben.
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „American Born Chinese“, die nun bei Disney+ gestartet ist: