Ambassadors 1x01

Die neunte Staffel der britischen Serie Peep Show wird auch die letzte sein „53566“. Diese Botschaft hatte sicherlich einige Freunde der britischen Comedy - und besonders die Bewunderer der beiden Stars David Mitchell und Robert Webb - betroffen gestimmt.
Doch für diese Bevölkerungsgruppe gibt es nun einen Lichtblick in der Dunkelheit. Ein Lichtblick namens Ambassadors! Diese vorwiegend komische Dramedy entführt die Zuschauer in die Weiten Zentralasiens, genauer gesagt in das abgelegene Tazbekistan. Durch schneebedeckte Wälder kämpft sich in diesem Moment Keith Davis (Mitchell), seines Zeichens der britische Botschafter in diesem sagenumwobenen Land. Doch obwohl diese Einstiegssequenz ein bisschen an die Peep Show-Folge erinnert, in der Mark recht unbeholfen einen Fasanen erschießt, erkundet das neue Format zum Glück auch neue Wege. Zum einen erschießt Mitchells neuer Charakter kein Federvieh, sondern ausgerechnet das Wappentier Tazbekistans, einen Steinbock.
Dies ist nicht Peep Show
Das exotische Setting, das denkbar weit vom bequemen England entfernt ist, konfrontiert die beiden Protagonisten mit recht unorthodoxen Herausforderungen. Und obwohl sich Mark aus Peep Show und Keith aus Ambassadors nicht gänzlich unähnlich sind, gibt es zumindest aufseiten von Robert Webbs neuem Alter Ego gravierende Unterschiede.
Zwar ist auch Neil Tilly, quasi Davis' rechte Hand, nicht frei von menschlichen Schwächen: Er hat sich beim „Bestochenwerden“ erwischen lassen und wird damit nun durch den tazbekischen Geheimdienst erpresst. Eigentlich ist Neil jedoch gar nicht so dumm, was wohl den größten Unterschied zu „Peep Shows“ Jeremy ausmacht. Tilly durchschaut die kulturspezifischen Zusammenhänge und ist zudem auch mit der Landessprache vertraut, weswegen er für Davis einen unverzichtbaren Berater darstellt. Außerdem hat er sein Herz grundsätzlich am rechten Fleck: „I am personally usually opposed to this country's human rights abuses.“
Neben dem zwielichtigen einheimischen Agenten, der Tilly zur Spionage zwingen möchte, gibt es noch zwei weitere Geheimdienstler, die die Angestellten der Botschaft rund um die Uhr abhören. Die Szenen, in denen die beiden Tazbeken das Verhalten von Davis und Tilly kommentieren, sind nicht frei von Klamauk. Doch gleichzeitig hält das voyeuristische Gespann den britischen Sitten und Gebräuchen dabei immer wieder auf einfallsreiche Weise den Spiegel vor.
Businessausflug
Als Keith von einem sechstägigen und schrecklich schnapsgeschwängerten Jagdausflug mit dem Diktatoren des Landes zurückkehrt, lehnt er sabbernd und kurz vor der Bewusstlosigkeit aus einem Autofenster. Trotz der ungewöhnlichen Begleitumstände dürften sich wohl die meisten Erwachsenen zumindest ein Stück weit in seine Lage hineinversetzen können. Ähnlich wie in der Serie Peep Show gibt es auch bei Ambassadors eine Reihe von diesen nur allzu vertrauten Momenten, die dann mit pointierten Kommentaren und einer Prise Hysterie gekonnt auf die humorische Spitze getrieben werden. Als Konsequenz konnte die Rezensentin sich ein hämisches Auflachen nicht verkneifen.

Große kleine Politik
Zu der vielversprechenden Basis, die die Chemie zwischen den beiden Schauspielern Mitchell und Webb darstellt, gesellt sich die interessante politische Komponente. Ähnlich der kommunalpolitischen Comedy Parks and Recreation machen die binationalen Begebenheiten aus Ambassadors allerdings oft einen recht kümmerlichen Eindruck. So geht es in der Auftaktepisode zwar eigentlich um den höchst lukrativen Verkauf einer Hubschrauberflotte. Doch, weil Tazbekistan nicht gerade im Scheinwerferlicht des britischen Interesses verortet liegt, sind die Mittel, die Keith und seinem Team zur Verfügung stehen, um die französische Konkurrenz auszustechen und den Despoten zu überzeugen, denkbar gering.
Keine vernünftige Band, kein berühmter Entertainer und kein namhafter Politiker wollen sich aus Großbritannien auf den weiten Weg nach Zentralasien begeben, um dort im Rahmen eines britischen Festtages den Cousin des Diktatoren zu bezirzen. Also muss Davis mit einer semiprofessionellen Mittelaltercombo und dem herrlich siebtklassigen Schauspieler Stephen Pembridge (Elliot Cowan) vorliebnehmen, der in seiner Performance gleichzeitig Dr. Frankenstein und dessen Monster porträtiert.
Zum Glück gibt es aber auch noch ein Werbevideo des Militärs, um die Vorzüge der britischen Kampfhubschrauber an einem flüchtenden Kaninchen zu demonstrieren. Das Video wird von Neil Tilly sehr treffend als „Watership Down meets Apocalypse Now“ charakterisiert und verleiht dieser Auftaktepisode zudem ihren Titel The Rabbit Never Escapes.
Fazit
Die neue, zunächst dreiteilige Comedy mit einem eher zaghaft-ernsthaften Unterton, dürfte sich nicht nur für die Freunde der Combo aus David Mitchell und Robert Webb als gefundenes Fressen herausstellen. Angereichert mit einer Reihe von überspitzten Albernheiten wird der Zuschauer dank Ambassadors in die Welt der Diplomatie zweiter Klasse entführt. Dabei schwingt in vielen der noch so irrwitzigen Begebenheiten der Verdacht mit, dass das Gezeigte nicht allzu weit von der Realität entfernt ist. Zu der unterschwellig authentischen Wirkung tragen zudem gekonnt boshafte Anspielungen - wie beispielsweise auf das Händegeschüttel zwischen Gaddafi und Tony Blair - bei.
So wird zu Beginn der Auftaktstaffel auch die vertrackte Lage thematisiert, lukrative Verträge mit den vor Rohstoffen triefenden Entwicklungsländern abzuschließen - während man gleichzeitig doch gegen deren Menschenrechtsverletzungen vorgehen sollte...
Ein Wermutstropfen besteht bei Ambassadors darin, dass die Begebenheiten zum Teil auf den Erfahrungen des britischen Exbotschafters in Uzbekistan, Craig Murray, beruhen sollen. So beschuldigt der Menschenrechtler die Produktionsfirma der Serie in seinem Blog „Big Talk“, seine Urheberrechte verletzt zu haben.
Neben dem eingespielten Darstellerduo, welches sich für dieses Format zugegebenerweise nicht gänzlich neu erfunden hat, scheinen viele der Nebendarsteller zu verblassen. Während die Kämpfe zwischen Davis' Ehefrau Jennifer (Keeley Hawes) und ihrer störrischen Haushaltshilfe eine gehörige Portion Charme verströmen, wirken die anderen Mitarbeiter der Botschaft bisweilen wenig interessant. Gleichzeitig gibt es aber unter der Fülle der „Einheimischen“ eine Reihe von Figuren, die so skurril wie unterhaltsam sind.
Obwohl das Format vielleicht in einem halbstündigen Rahmen besser aufgehoben wäre, kommt bei dem Genuss der Serie keine Langeweile auf. Voller Vorfreude blickt die Rezensentin den zwei übrigen Episoden entgegen: Wie wird Neil seine Moral mit seiner Spionagetätigkeit verbinden? Und wie werden Keiths Bemühungen, sich die tazbekische Sprache anzueignen, voranschreiten? Eine der fundamentalsten Floskeln des aufstrebenden Landes beherrscht er schon jetzt: „The dwarves will not trouble us again.“
Verfasser: Thordes Herbst am Sonntag, 27. Oktober 2013Ambassadors 1x01 Trailer
(Ambassadors 1x01)
Schauspieler in der Episode Ambassadors 1x01
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