Alpha House 1x01

Alpha House, die neue Produktion aus dem Hause Amazon, ist der erste erfolgreiche Versuch, die wahre Geschichte über die Politiker-WG der demokratischen Senatoren Chuck Schumer und Dick Durbin sowie der demokratischen Kongressabgeordneten George Miller und Bill Delahunt zu verfilmen. Als Mastermind der Serie fungiert der oscarnominierte Autor und Pulitzerpreisträger Garry Trudeau, womit wohl auch das prominente Ensemble und die noch prominenteren Gastauftritte von Bill Murray und Stephen Colbert erklärt werden können.
We're the GOP. Winning is what we do.
Die hervorragend besetzte Auftaktepisode enttäuscht nicht die Erwartungen, die an eine neue Serie mit entsprechendem Ensemble gestellt worden sein dürften. In flottem Erzähltempo wird amerikanische Alltagspolitik bissig parodiert. Das Drehbuch orientiert sich erfreulicherweise eher an Veep denn an The West Wing. Sämtliche zentralen Charaktere bieten Identifikationspotential und haben sympathische Charakterzüge.
Im Unterschied zu der wahren Geschichte handelt es sich bei den WG-Mitbewohnern jedoch um republikanische Senatoren. Louis Laffer (Matt Malloy) spielt dabei das Pendant zu George Miller. Er vermietet die Zimmer seiner Washingtoner Bleibe an seine Kollegen Gil John Biggs (John Goodman), Robert Bettencourt (Clark Johnson) und Vernon Smits (kein Geringerer als Bill Murray). Zu Beginn der Episode werden die in ihren chaotischen Zimmern schlummernden Politiker jedoch von der Ankunft der Polizei geweckt. Offensichtlich hat Smits vergessen, sich freiwillig dem DOJ (Department of Justice) zu stellen. Wofür er von der obersten amerikanischen Justizbehörde gesucht wird, bleibt unklar.
Die Szene verschafft jedoch Bill Murray einen ersten denkwürdigen und schimpfwortdurchzogenen Auftritt („Fuck, fuck. Fuck, fuck, fuck...“). Bleibt zu hoffen, dass dies nicht das letzte Erscheinen des Comedians mit dem Schlafzimmerblick gewesen ist. Gut zu wissen ist weiterhin, dass Amazon in Sachen Schimpfwörter und (was noch zu beweisen wäre) Nacktheit eine ähnlich schonungslose Politik verfolgt wie die amerikanischen Pay-TV-Sender. Es zeichnet einfach ein realistischeres Bild der Politik, wenn die Akteure hinter den Kulissen ungefiltert ihren Dampf ablassen können.
Grund zum Ärgern gibt es schließlich genug, und dies liegt vor allem an wahltaktischen Kämpfen, die die Protagonisten auszufechten haben. Gil John Biggs ist ein gemütlicher Senator aus North Carolina und betreibt seine Politik nach dem Modell „Weg des geringsten Widerstands“. Bei bevorstehenden Wahlen kann er sich auf seine Popularität als ehemaliger erfolgreicher Basketball-Coach verlassen. Im neuen Anlauf auf die Fortführung seiner Senatstätigkeit verzichtet er gar auf eine engagierte Wahlkampagne: „I have a primary against a guy who had two mini strokes since he announced. Who's gonna vote for a walking time bomb?“
Die schlechte Nachricht folgt jedoch sogleich. Als sein Gegenspieler nach dem nächsten Hirnschlag aus dem Rennen aussteigt, findet sich mit Digger Mancusi schnell ein ungemütlicher, weil potenter, Nachfolger. Mancusi war ebenfalls erfolgreicher Basketballtrainer. Fortan muss sich „GJ“ aktiver um seine Wiederwahl kümmern - sehr zu seinem Missfallen. Die Bemühungen schließen nämlich auch einen Besuch der amerikanischen Truppen in Afghanistan ein, auf den Biggs wenig bis gar keine Lust hat.
Auch Bettencourt und Laffer haben eigene Probleme zu bewältigen. Bettencourt scheint sich selbst mitten in einer juristischen Auseinandersetzung zu befinden, detailliert wird dies jedoch nicht aufgezeigt. Laffer muss sich unterdessen eines Konkurrenten aus der Tea Party erwehren, der keine Gelegenheit auslässt, um auf die fehlende Männlichkeit Laffers hinzuweisen. Und nachdem Smits abgeführt wurde, suchen die drei nach einem Ersatz für den vierten Mitbewohner. Sie finden ihn im Weiberheld Andy Guzman (Mark Consuelos), der keinerlei Scheu davor hat, seine politischen Interessen mit seinen Geschäftsinteressen zu verzahnen.
Fazit
Die Pilotepisode von Alpha House vergeht wie im Fluge, denn sie ist witzig, vorlaut und bissig. Die zentralen Charaktere verfügen über sympathische Eigenschaften, werden vom Drehbuch jedoch auch schnell als das entlarvt, was viele Politiker heutzutage leider sind: uninspiriert, unidealistisch, selbstsüchtig und moralisch korrumpiert. Weiterhin scheut die Comedyserie nicht davor zurück, Fachbegriffe aus dem Politikalltag (Super-PAC, Filibuster) zu verwenden, ohne diese von einer Figur erklären zu lassen. Die großartigen Gastauftritte von Bill Murray und Stephen Colbert sind da nur noch die Kirsche auf der Sahnetorte. Alpha House hätte auch ohne sie eine gute Figur abgegeben.
Verfasser: Axel Schmitt am Samstag, 16. November 2013(Alpha House 1x01)
Schauspieler in der Episode Alpha House 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?