Kritik der neuen Freeform-Comedy Alone Together

© enji Aflalo und Esther Povitsky sind „Alone Together“. (c) Freeform
Die Liste der Comedys, in denen Comedians von ihrem harten Comedian-Dasein erzählen, ist mittlerweile endlos lang. Trotzdem glaubt der Sender Freeform, ehemals ABC Family, auch noch sein eigenes Format präsentieren zu müssen. Es hört auf den Namen Alone Together und hat die beiden Comedians Benji Aflalo und Esther Povitsky als Serienschöpfer und Hauptdarsteller vorzuweisen. Sie spielen darin eigentlich sich selbst und verpassen dem eigenen Genre den Kniff, dass sie sich gegenseitig nicht ausstehen können und trotzdem irgendwie befreundet sind.
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Von der ersten Minute an ist es wahrlich nicht schwer nachzuvollziehen, warum sich die beiden nicht leiden können. Und doch kann man als Zuschauer irgendwie verstehen, warum sie trotzdem dauernd aufeinanderhängen. Es gibt diese Art Pärchen auch im echten Leben - ständig am Zanken und gleichzeitig unzertrennlich, nicht verliebt, aber immer zusammen. Benji und Esther sind also Comedians, wovon man in der Pilotepisode aber nichts zu sehen bekommt. Außer einer kurzen Erwähnung wird überhaupt nicht darauf eingegangen, wie sie ihr Geld verdienen.
Besonders viel brauchen sie zum Leben aber auch nicht. Benji wohnt noch zu Hause, hat offensichtlich wohlhabende Eltern und kann darauf zählen, bald ein ordentliches Erbe serviert zu bekommen. Dementsprechend nachvollziehbar ist seine Antriebslosigkeit. Weil er ansonsten den gesamten Tag damit verschwenden würde, schief auf der Couch zu liegen und sich Zeichentrickserien anzuschauen, lässt er Esther bei sich wohnen, damit sie ihre Wohnung per AirBnB vermieten kann. Ihm beschert das Gesellschaft, seinem Bruder Dean (Chris D'Elia) einen Grund mehr, angesäuert zu sein.
An Charakterisierung passiert nicht viel mehr in der Auftaktepisode. Auch der Plot bleibt ziemlich dünn. Die Serie zeichnet sich viel eher durch die rapiden Dialoge aus, von denen manche zünden, andere aber auch im Sand verlaufen oder gar verärgern. Die Grenze zwischen witzig und anstößig verschwimmt bisweilen. Einmal kommentiert Benji das Outfit seiner Freundin, sie sähe damit aus wie eine syrische Geflüchtete. Aha. Esther selbst beschwert sich in den ersten fünf Minuten der Episode gleich zwei Mal darüber, dass sie nicht so „skinny“ und „pretty“ ist, wie sie es gerne wäre.

Von einer Serie auf einem Sender, der vor allem junge Frauen als Zielgruppe hat, darf man durchaus etwas mehr Aufgeklärtheit erwarten. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass sich die beiden Hauptfiguren am liebsten übereinander oder über ihre prekären Lebensumstände beschweren. Das können sie beide wirklich hervorragend. Für solche Figuren Sympathien zu entwickeln, ist nicht einfach. Mir ist es bis zum Ende der Pilotepisode nur in wenigen Szenen gelungen. In diesen tritt vor allem Esther auf, die mit deutlich mehr Schauspieltalent ausgestattet ist als ihr Kollege.
Are we going to die alone?
Esther ist es denn auch, der der witzigste Handlungsbogen in der Auftaktepisode gehört. Weil sie Benji davor schützen will, mit der Escortdame Charlotte (Justine Lupe) auszugehen, meldet sie sich selbst bei dem Service an. Zunächst nur, um auf deren Seite Zugriff zu haben, dann aber, weil sie von ihrem ersten Klienten - Jim O'Heir aka Jerry aus Parks and Recreation! - in materieller Hinsicht verwöhnt wird. Aber natürlich will er schon bald mehr, was sie in die Flucht treibt, zurück zu Benji, der von seiner Escort-Affäre verlassen wurde, weil sie keinen Nutzen mehr darin sah, sich auf ihn einzulassen.
Solche Erzählstränge sind mit unzähligen Dialogperlen versehen, die mitunter ziemlich woke sein können: „Watching you talk to hot girls is like watching a white person explain why ,All Lives Matter'.“ Konterkariert werden sie natürlich dadurch, dass vor allem Esther ständig etwas an ihrem Körper auszusetzen hat und sich nicht „hot“ genug fühlt. Darin liegt nicht das größte Problem, sondern viel eher in der Tatsache, dass solche body issues von den Serienschöpfern unkommentiert stehengelassen werden. Esther wäre einfach nur gerne so heiß wie Benjis Geschwister oder deren Freundinnen, fertig.
Das ist für die heutige Comedylandschaft, in der man mit solch aufgeklärten Formaten wie Master of None, Broad City, SMILF, She's Gotta Have It oder Better Things verwöhnt ist, zu wenig. Freeform indes glaubt an seine neue Serie, hat man ihr doch vor dem Start bereits ein zweite Staffel spendiert. Man ist wohl überzeugt davon, einen Pfad abseits der für das Network üblichen Programmierung betreten zu haben. Das ist per se natürlich löblich; es wäre jedoch auch schön, wenn Alone Together mit ein bisschen mehr Tiefgang daherkommen würde.