Almost Fly: Review der Pilotepisode der Warner-TV-Serie

Almost Fly: Review der Pilotepisode der Warner-TV-Serie

Hinter der neuen Warner-TV-Serie Almost Fly versteckt sich ein Ausflug in die westdeutsche Provinz in den 90er Jahren. Dort entdecken drei Jugendliche Deutschrap für sich. Wie ist die Serie gelungen? Unser Review zur ersten Folge.

Poster zur Serie Almost Fly (c) Warner TV Serie
Poster zur Serie Almost Fly (c) Warner TV Serie
© oster zur Serie Almost Fly (c) Warner TV Serie

Die 17-jährigen Walter (Samuel Benito), Ben (Andrew Porfitz) und Nik (Simon Fabian) haben ein Problem: Sie werden von ihren Mitschülern im besten Fall übersehen, im schlechtesten Fall gemobbt. Doch dann zieht ein neuer Sound in die westdeutsche Provinz der 90er Jahre ein. Mit den US-Soldaten kommt der Rap nach Eichfeld - und mit ihm eine neue Chance für die drei Außenseiter.

Auch die Serie Almost Fly hat ein Problem. Denn neben dem Potential der Story verlangt die Kulisse dem Zuschauer einiges an Wohlgefallen ab. Reichen die Vorschusslorbeeren bis zum Durchbruch?

Wovon handelt die Serie Almost Fly?

Walter sieht wenig optimistisch in seine Zukunft. Es scheint kein Weg daran vorbeizuführen, in die familiengeführte Tankstelle einzusteigen. Und auch sonst hat das Leben im beschaulichen Eichfeld für den 17-Jährigen nicht viel zu bieten. Immerhin hat er seinen besten Freund Ben an seiner Seite. Die beiden Außenseiter schweißt nicht nur das Mobbing der anderen zusammen. Ben ist der Sohn eines schwarzen GIs, den er jedoch seit Babytagen nicht mehr gesehen hat. Bei ihm kommt zum Schulmobbing also in den 90er Jahren in der westdeutschen Provinz noch eine gute Portion unverhohlener Rassismus hinzu.

Der Dritte im Bunde ist Nik, ein in sich gekehrter Sohn einer Künstlerin. Zu Beginn der Serie verbindet ihn mit den anderen vor allem das Leid der Gemobbten, doch im Laufe der Episoden ändert sich das.

Ebenfalls zur Clique stößt Denise (Paula Hartmann) aus Dessau. Sie ist als frisch in der Provinz eingetroffene Ostdeutsche ebenfalls ziemlich weit unten in der Beliebtheitsskala der Schule.

Doch zurück zum Anfang, als Ben, Walter und Nik versuchen, auf ebenjener Leiter aufzusteigen. Dabei stoßen sie auf ein Cabriolet voller US-Soldaten, die zu einer Party in den Kasernen einladen. Genauer gesagt, zu einem Rapkonzert in einem GI-Club namens California. Das ist das Ziel der drei Jugendlichen, die jedoch vom Türsteher brüsk abgewiesen werden. Doch so schnell lässt sich insbesondere Ben in diesem Fall nicht abwimmeln und findet in der Tat einen Weg durch die Hintertür. Die drei lassen sich von der Musik berauschen.

Am nächsten Tag führt ein Gespräch mit den Schönlingen des Schulhofs zu einem großen Bluff. Ben und Walter behaupten, auf dem Schulfest auftreten zu wollen, als Rapper. Nun brauchen sie nur noch Englischkenntnisse, einen Bandnamen, einen Song - und die Fähigkeit, zu rappen. Zumindest in der Frage der Sprache satteln die beiden schnell um und entdecken so für die deutsche Provinz den Deutschrap, während sie versuchen, die Mädchen zu beeindrucken.

Wie kommt es rüber?

Der Mann hinter der Serie ist Florian Gaag, der sich bereits mit dem Graffiti-Film „Wholetrain“ ein autobiografisches Denkmal gesetzt hat. Nun fischt er erneut in seiner westdeutschen Vergangenheit, um die Geschichte des Deutschrap zu erzählen und eigene Erfahrungen einfließen zu lassen. Doch in den ersten Episoden wird dieser authentische Ansatz leider von dem schrägen Kulissen- und Kostümverständnis deutscher Produktionen über die letzten Jahrzehnte vermiest. Selbst mit halbwegs zur Zeit passenden Kleidern können die Darsteller das Verkleidungslevel nicht ablegen. Das liegt besonders daran, dass die Recherche entweder sehr halbherzig betrieben oder auf Zeitkolorit einfach kein großer Wert gelegt wurde. Die Kulissen wirken streckenweise wie aus einem Provinztheater und die zeitliche Einordnung in den 90ern ist nur möglich, weil es immer wieder erwähnt wird.

Auch ins Drehbuch finden diese Unstimmigkeiten leider Einzug. Die Wortwahl und die Ausdrucksweise passen vorne und hinten nicht zur dargestellten Szenerie. Immer wieder scheinen die Macher absichtlich aktuelles Stil- und Szeneempfinden einfließen zu lassen. So manche Figur würde besser ins Friedrichshain des Jahres 2022 passen, in dem die 90er eher ironisch getragen werden. Eine weitere Schwierigkeit, um in Stimmung zu kommen, ist der Umstand, dass sich immer wieder absurde Szenen einschleichen, in denen die Überhöhung tausendmal erzählter Partys sich widerspiegelt. Jeder kennt es, aber auf der Mattscheibe wirkt es dann doch oft arg zum Fremdschämen.

Gut, dass das Drehbuch auch andere Seiten zu bieten hat. Welche, auf denen die Geschichte der Außenseiter mit Herz und Humor erzählt wird und auf denen die Geschichte des Raps in der deutschen Provinz interessant durchleuchtet wird. Dafür muss man allerdings etwas am Ball bleiben und sich von der Kulisse nicht zu fest ablenken lassen.

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Almost Fly: Offizieller Trailer

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Almost Fly“, die nun bei Warner TV Serie zu sehen ist:

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