All You Need: Review der Pilotepisode der ARD-Serie

All You Need: Review der Pilotepisode der ARD-Serie

In der neuen ARD-Miniserie All You Need begleiten wir zwei schwule Berliner-WG-Bewohner, deren jeweilige Partner und die Nachbarin der WG auf ihrem Weg durch die Nacht- und Tagwelt der Hauptstadt. Hier unser Review.

Szenenfoto aus der Serie All You Need (c) ARD Degeto
Szenenfoto aus der Serie All You Need (c) ARD Degeto
© zenenfoto aus der Serie All You Need (c) ARD Degeto

Mit der Miniserie All You Need setzt Das Erste seine Bestrebungen fort, junges Publikum vor die Mattscheibe und zu den Öffentlich-Rechtlichen zu locken. Dieses Mal erzählen sie dafür von vier schwulen Männern in Berlin, die versuchen, ihren Weg zum Glück zu finden. Wird das Ergebnis die Zuschauer glücklich machen?

Wovon handelt die Serie All You Need?

Der Anker in der Story ist für uns der charismatische Vince (Benito Bause), ein 29-jähriger Medizinstudent, der das Nachtleben der Stadt in vollen Zügen auskostet und einen Rückhalt im WG-Leben mit seinem besten Freund findet. Dabei handelt es sich um Levo (Arash Marandi). Der ist Grafik-Designer, 34 Jahre alt und steht kurz davor, zu seinem Lebensgefährten zu ziehen. Davon ist Vince wenig begeistert, auch weil der Neue seines besten Freundes in seinen Augen ein Spießer vor dem Herrn ist. Tom (Mads Hjulmand) ist 42 Jahre und hat bis vor kurzem eine nach außen unauffällige Ehe mit seiner Frau in der Luxusvilla in Grunewald geführt. Er ist Vorstandsmitglied einer Versicherung und beginnt nach seinem Coming-out nun ein neues Leben.

Während Levo und Tom sich an das Zusammenleben gewöhnen, trifft Vince in einem Nachtclub auf den 27-jährigen Robbie (Frederic Brossier). Dieser ist nicht auf den Mund gefallen und kann Vince durchaus das Wasser reichen. Aus einem One-Night-Stand wird schnell ein längerer Aufenthalt, als Vince durch Levos Auszug merkt, dass er mehr sucht als schnelle Abenteuer. Doch der selbstbewusste Robbie hat sein Leben alles andere als auf der Reihe...

Zur Gang gehört auch die WG-Nachbarin Sarina (Christin Nichols), die ihren einjährigen Sohn Oskar alleine großzieht. Sie geht offen und entspannt durchs Leben.

In der Pilotepisode sind wir dabei, wie Vince also in einem Club auf seinen Gegenpart Robbie trifft. Die beiden verbringen eine leidenschaftliche Nacht miteinander, was dazu führt, dass Vince den Umzug seines besten Freundes fast verpennt. Alle Kisten sind bereits im Bulli, als er es aus seinem Zimmer schafft - Sarina, Tom und Levo sei Dank. Direkt geht es ins schicke Grunewald, wo Toms Villa mit Pool liegt. Dort fallen Vince als erstes die Bilder mit dessen Exfrau auf, die natürlich noch entfernt werden sollen. Auch der Umstand, dass Tom und Levo noch im einstigen Ehebett schlafen weckt bei den Freunden Unmut. Während Sarina sich aufmacht zur Kita und Vince zurück in die nun leere WG fährt, machen die beiden sich auf den Weg, ein neues Bett zu kaufen. Vince stellt fest, dass es alleine ganz schön einsam sein kann und meldet sich gegen seine eigene Erwartung bei Robbie. Gemeinsam machen die beiden sich einen schönen Nachmittag, auf dem sie sich gegenseitig in einer Welt besser kennenlernen, die Homosexualität nicht immer mit Offenheit begegnet. Während Robbie sich wehrt, meint Vince, es sei Zeitverschwendung den homophoben Spätibesitzer zur Rede zu stellen. Doch die beiden bleiben auf einer Wellenlänge und finden sich am nächsten Morgen erneut nebeneinander im Bett wieder. Robbie muss übereilt zu einem Termin, von dem Vince noch nicht weiß, dass es sich dabei um Sozialstunden handelt...

Gemeinsam verabredet die Gang sich für den Nachmittag zum Golf. Minigolf, was aber dem abgestempelten Spießer Tom nicht bewusst war, der in seinem besten Countryclub-Outfit erscheint. Ebenfalls erscheint Levos Schwester (Jale Arikan), die ihn daran erinnert, dass seine Eltern ihn lieben, aber sein Leben nicht verstehen.

Robbie kommt zu spät und revanchiert sich mit einem Ausflug ins Basement, einer berüchtigten Sauna, was für Tom zu einem aufregenden Ausflug in eine völlig neue Welt wird. Den Abschied von der Pilotepisode nehmen wir mit Vince und Robbie, die sich offen sagen, dass sie eine monogame Beziehung führen wollen.

Wie kommt es rüber?

Schon in der Pressemitteilung besteht man bei Das Erste darauf, dass es in der Serie zwar um zwei schwule Paare in der Großstadt geht, sie aber eigentlich universelle Themen anspricht. Was wie der Versuch wirken könnte, das potentielle Publikum zu erweitern, hat hier durchaus seine Berechtigung.

Denn das Drehbuch zu All You Need kann sich sehen lassen und erfüllt in der Tat, was gute Serien schaffen: Sie sprechen das Tiefe in uns selbst an. Sie holen uns an vielen Haltestellen ab, die wir aus dem eigenen Leben kennen und mitfühlen können und sie spinnen eine unterhaltsame Geschichte mit interessanten Sichtweisen darum. Viele davon sieht man selten im deutschen Fernsehen so clever auf den Punkt gebracht. Manch schöner Moment wird geschmälert, weil Vince sich nicht traut, seine Wahrheit vor den Augen der Umstehenden zu zeigen. Immer wieder sehen wir, wie Vince sich in seinem Alltag auch einer Vielzahl kleiner und großer Vorurteile aufgrund seiner Hautfarbe ausgesetzt sieht. Die Konsequenz davon sind unter anderem Spannungen in seiner frischen Beziehung - zwischen zwei Menschen, die von der Welt unterschiedliche Konsequenzen auf ihre Existenz erkennen.

Unterdessen versucht Levo, sich in einer Umgebung einzuleben, in der er in erster Linie der Störenfried einer jahrelangen Ehe ist. Nun sitzt er alleine und traurig in einem luxuriösen Haus und bekommt den Anruf, dass sein Partner länger arbeiten muss. Es sind spezifische Themen, an denen viele Zuschauer in der Zielgruppe wohl in der einen oder anderen Weise anknüpfen können. Und auch die Umstände, die einen nicht persönlich betreffen, erweitern auf clevere Weise den eigenen Horizont. Sie lassen den Zeigefinger aus dem Spiel, ohne sich für irgendwas zu entschuldigen. Das ist eine Gratwanderung, die vielen Produktionen nicht gelingt und in All You Need im Gegensatz dazu wunderbar leichtfüßig wirkt.

An vielen Punkten ist es die universelle Geschichte junger Großstädter, die herausfinden wollen, wo ihr Glück liegt und wie sie dahin gelangen können. Das wird interessant genug und so ästhetisch ansprechend verpackt, dass man überaus gerne zuschaut.

Alle Episoden sind in der ARD-Mediathek verfügbar.

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