All Night 1x01

© oni (Brec Bassinger, M.) mit ihren besten Freundinnen in „All Night“ (c) Hulu
Der amerikanische Streaminganbieter Hulu wird von manchen Branchenexperten seit geraumer Zeit als das bessere Netflix bezeichnet. Hier in Deutschland lässt sich das allerdings schwer nachvollziehen, da sich der Service noch nicht nach Europa getraut hat. Wir erfahren lediglich von seiner Existenz, wenn eine der Eigenproduktionen wie The Handmaid's Tale mit Preisen bedacht wird. Das Geschäft mit den Eigenproduktionen war für den Dienst bisher von wechselhaftem Erfolg. Neben „Handmaid's“ wären als gelungene Formate noch Casual, The Looming Tower und The Path zu nennen.
Last chance to do something
Außer „Tale“ hat keine dieser Serien hohe internationale Wellen geschlagen. Dem neuesten Eintrag im Hulu-Katalog wird das wohl auch nicht gelingen. Die Highschool-Comedy All Night ist dafür viel zu harmlos und gewöhnlich. Man würde sie eher bei einem Networksender vermuten, so wenig Biss hat sie. Vielleicht war ja das auch genau der Auftrag, den der Streaminganbieter Serienschöpfer Jason Ubaldi gegeben hatte. Der große Konkurrent Netflix liefert für jedes Master of None ja auch ein The Ranch ab. Wie die Networks wollen auch die VoD-Dienste ein möglichst breites Publikum erreichen.
Aber selbst das breite Publikum dürfte bei „All Night“ schnell ins Gähnen kommen. Hat man einen Highschool-Film aus den letzten 20 bis 30 Jahren gesehen, dürfte man eigentlich schon genau wissen, wo all diese Plots hinführen. Ein Handlungsbogen ruft dabei sogar Ärger hervor, da in ihm das Klischee vom dauergeilen Nerd reproduziert wird, der sich Frauen nur mittels Stalking zu nähern weiß. Das ist schon seit zehn Jahren nicht mehr witzig, wird hier aber völlig ironiefrei eingesetzt - ganz so, als hätten wir uns in der vergangenen Dekade gesellschaftspolitisch nicht weiterentwickelt.

Die übrigen Handlungsbögen sind weniger ärgerlich, aber größtenteils egal. Deanna (Jenn McAllister) ist beispielsweise in ihren besten Freund Fig (Jake Short) verliebt, der aber nur Augen für die Ukulele spielende Roni (Brec Bassinger) hat. Die wiederum macht sich Sorgen, weil sie und ihr Freund Oz (Austin North) seit fünf Wochen keinen Sex mehr hatten. Ständig findet er irgendwelche anderen hanebüchenen Ausflüchte. OMG. Auf der Abschlussparty ihres Jahrgangs soll das aber aufgeklärt werden - vor allem mittels eingeschmuggeltem Alkohol.
Ebenjener Alkohol soll denn auch das Herz von Schulschönheit Stefania (Chanel Celaya) öffnen, die sich eigentlich längst in Clubs und Bars herumtreibt. Warum sie auf der Kinderparty gelandet ist, wird nicht erklärt, aber am Ende kommt bestimmt raus, dass sie sich immer danach gesehnt hat, mit Gleichaltrigen zusammenzusein, und das Cool-Girl-Image eigentlich gar nicht wollte. Bevor sie diese Freundschaften allerdings eingehen kann, muss sie herausfinden, wie sie und Nerd Cody (Chester Rushing) aus dem abgeschlossenen Keller entkommen können.
Schauspiel, visuelle Umsetzung und Dialoge legen nahe, dass es sich hier um eine Kinder- und Jugendserie handelt. Das sich vor allem auf Sex konzentrierende Sujet suggeriert jedoch eine erwachsene Zuschauerschaft als Zielpublikum. Ob sich dieser Widerspruch in den zehn Episoden der ersten Staffel auflösen lässt, halte ich für höchst unwahrscheinlich.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 15. Mai 2018All Night 1x01 Trailer
(All Night 1x01)
Schauspieler in der Episode All Night 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?