All American 1x01

All American 1x01

Der The-CW-Neustart All American rattert sämtliche Klischees und Genretropen runter, die man von einem Sportdrama mit Highschool-Setting erwarten würde. Doch selbst, wenn man jede Entwicklung kommen sieht, gestaltet sich die Pilotepisode durchaus kurzweilig und weist einiges an Potential auf.

„All American“ (c) The CW
„All American“ (c) The CW
© ??All American“ (c) The CW

Die neue Serie All American ist der perfekte Hybrid aus den beiden Genres, die im US-amerikanischen Fernsehen immer funktionieren: Auf der einen Seite haben wir ein klassisches Underdog-Sportdrama, das nicht davor zurückscheut, eine romantisch-pathetische Geschichte über einen jungen Menschen zu erzählen, der den schwierigen Umständen seines Lebens dank seinem Footballtalent entkommen könnte. Auf der anderen Seite bewegen wir uns in dem mittlerweile wieder sehr beliebten Setting einer Highschool, wo nicht nur die unterschiedlichsten Charaktere, sondern auch aufgrund der Herkunft unseres Protagonisten, der in diese neue Welt hineinkatapultiert wird, auch sehr verschiedene Milieus und Privilegien aufeinander treffen.

Allein diese komplexe Ausgangslage stattet den Neustart aus der Feder von April Blair, die sich von der wahren Lebensgeschichte des amerikanischen Footballprofis Spencer Paysinger hat inspirieren lassen, reich mit diversen Themen und Problemen aus, deren tiefere Ergründung einen Reizpunkt für die Zuschauerschaft setzt. Doch, wer sich die Pilotfolge von „All American“ anschaut und sich als regelmäßiger Konsument von Serien schon so einige Titel dieser Art angesehen hat, der wird festzustellen, dass das Format stets exakt das macht, was man erwartet. Als würden sie vom Blitz getroffen werden, wenn sie etwas anderes tun würden, verbleiben die Verantwortlichen für die gesamte Laufzeit der Auftaktepisode strikt auf dem Weg des geringsten Widerstandes.

Mehr als das noch: Sie tragen ihre wenig originelle, leicht durchschaubare und schrecklich vertraute Geschichte sogar mit vollem Selbstbewusstsein vor. Und das mag der Grund sein, warum „All American“ letztlich doch weitaus unterhaltsamer und sehenswerter ist, als man zu Beginn der Premierenfolge denken könnte.

Dream big

All American“ dreht sich um Spencer James (Daniel Ezra), der ein großes Footballtalent ist, an seiner Schule hervorragende Noten erzielt und mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder in einem Problemviertel im Süden von Los Angeles lebt. Als der Footballtrainer (Taye Diggs) einer Elite-Higschool aus dem Stadtteil Beverly Hills Spencer davon überzeugen will, sich ihm und seinem Team anzuschließen, muss Spencer abwiegen, welcher der beste Weg für ihn und seine Familie ist. Seine neue Highschool bietet ihm alle vorstellbaren Möglichkeiten, seine Zukunft erfolgreich zu bestreiten - ob nun als Footballprofi oder mit einer hervorragenden Ausbildung in der Tasche abseits des Spielfelds. Doch an der Beverly Hills High gelten andere Regeln, an die sich Spencer erst einmal gewöhnen muss, ebenso wie an seine neuen Mitschüler sowie seine Teamkameraden, die nicht alle glücklich mit dem Neuzugang sind.

Es mag sich vernichtend anhören, doch es ist erschreckend, wie formelhaft „All American“ ist, bricht man die Prämisse der Serie auf ihre Einzelteile herunter. Man serviert uns eine Mischung aus „Blindsight“, Friday Night Lights, The OC und vielleicht sogar eine Prise Riverdale, um mal im Programmplan von The CW zu bleiben. Der Philosophie des US-Networks entsprechend werden uns unzählige wunderschöne junge Menschen präsentiert, die teilweise wie Hollywoodstars leben und von denen man sich eigentlich kaum vorstellen kann, dass sie zur Highschool gehen. Aber gut, im schicken Beverly Hills ticken die Uhren eben anders, da kann man sich schon mal vorstellen, dass Prunk und Privileg auf der Tagesordnung der ansässigen, vorwiegend weißen Bevölkerung steht. Im starken Kontrast dazu haben wir derweil die brutale Lebensrealität unserer Hauptfigur Spencer, der tagtäglich in South LA um sein Leben bangen muss. Seine Familie ist alles andere als wohlhabend, für Beats-Kopfhörer von Dr. Dre hat es aber allem Anschein nach gerade noch so gereicht...

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The CW
The CW - © The CW

Two worlds

All American“ hinterlässt einen simplen, vielleicht sogar platten Ersteindruck, doch auf wundersame Weise bekommt man dennoch die Kurve. Ein Grund dafür: Man scheint sich völlig darüber im Klaren zu sein, wie karikaturesk die Figuren und die einzelnen Elemente der Erzählung doch sind. Vom schüchternen Mauerblümchen, das gerade ihre Pillensucht überstanden hat, über den Star-Quarterback, der der Sohn des Trainers ist und sogleich argwöhnisch auf Neuling Spencer schielt, bis hin zur extrem wohlhabenden, aber einsamen „Queen Bee", deren Familie regelmäßig mit den Obamas diniert (ist doch selbstverständlich...). Als Zuschauer können wir bei der Sichtung der Pilotfolge munter die Checkliste abarbeiten, die mit den Gepflogenheiten dieses Genres so einhergehen.

Aber genau, weil „All American“ so einfach ist, ist es so kurzweilig. Das Erzähltempo ist ungemein flott, vielleicht sogar ein wenig zu rasant, führt man sich doch nur einmal vor Augen, wie schnell es Spencer von seinem alten Umfeld in die neue Glitzerwelt von Beverly Hills verschlägt. Aber geschenkt - als Zuschauer lässt man sich durchaus mitreißen und kann die verschiedenen Konflikte, die an allen möglichen Ecken und Enden entstehen und vorbereitet werden, ohne große Mühe aufsaugen. Begleitet von einem oft wuchtigen, hiphoplastigen Soundtrack brausen wir regelrecht durch den Plot, was auch die bestmögliche Entscheidung der Verantwortlichen ist.

Denn: Wir kennen ja die Prämisse. April Blair und ihr Team müssen sich gar nicht die Mühe geben, umständlich und ausführlich zu erklären, um was es hier geht. Der Allerweltscharakter von „All American“ wird so überraschend zum Trumpf, den die Macher geschickt ausspielen. So einfach der Einstieg in diese Welt voller sozialer Ungerechtigkeit ist, so viel Potential verbirgt sich unter der Oberfläche der Serie. Man fühlt sich fast schon an eine Art trojanisches Pferd erinnert: Von außen wirkt „All American“ harmlos, schlicht konstruiert und sehr gewöhnlich. Im Inneren steckt jedoch eine Geschichte über den prekären Zustand einer US-amerikanischen Zwei-Klassen-Gesellschaft, in der es für Angehörige der Unterschicht und Menschen mit einer anderen Hautfarbe als weiß extrem schwierig ist, aufzusteigen und zu beweisen, was in ihnen steckt und dass sie ein besseres Leben verdient haben.

Game on

Wenn „All American“ seine Karten richtig ausspielt, dann kann man mehr als nur ein unterhaltsames, von Sportpathos (wobei es in dieser Hinsicht weitaus krassere Beispiele in der Welt der Serien gibt...) durchzogenes Teeniedrama sein, das eben nicht vor den Themen zurückschreckt, die die USA und ihre Bewohner aktuell beschäftigen und emotional aufwühlen. Ja, es mag sich gelegentlich arg abgedroschen anfühlen, wenn zum Beispiel der Sohn des Trainers bereits früh von der Eifersucht gepackt wird, weil sein Vater nur Augen für Spencer hat, der - so wird es zumindest angedeutet - dazu auch noch der Sohn von Coach Billy Baker sein könnte.

In Momenten wie diesen weht ein Hauch von Seifenoper durch die Serie, doch es hilft, dass der Cast aufgrund überzeugender Darbietungen diesen Makel recht gut begradigen kann. Allen voran Hauptdarsteller Daniel Ezra zeichnet eine sympathische Natürlichkeit aus, was ihn zu einem glaubhaften Protagonisten macht. Der matte visuelle Stil könnte für meinen Geschmack noch ein paar Akzente vertragen, auf der anderen Seite unterstützt diese Machart die grundsätzliche Idee der Serie, die von starken Kontrasten bestimmt wird, und das nicht nur optisch. Ähnlich wie Hauptcharakter Spencer James weist All American reichlich Potential auf. Ob man dieses letztlich auch umsetzen kann, wird man sehen.

Trailer zu „All American":

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 11. Oktober 2018

All American 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(All American 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Willkommen in Beverly Hills
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 10. Oktober 2018 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 31. Januar 2020
Autor
April Blair
Regisseur
Rob Hardy

Schauspieler in der Episode All American 1x01

Darsteller
Rolle
Daniel Ezra
Bre-z
Greta Onieogou
Michael Evans Behling
Karimah Westbrook
Monet Mazur

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