Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei 37x08

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Am vergangenen Donnerstag ist die aktuelle Staffel von Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei zu Ende gegangen. Seit dem Abschied von Ko-Star Tom Beck Ende 2013 hat die RTL-Serie einen längeren Selbstfindungsprozess durchlaufen. Auf die lange Zeit hinweg erfolgreiche Action-Comedy folgte ein übermäßig düster in Szene gesetztes Ehedrama mit Actionbeigabe. Mittlerweile haben die Macher zum rechten Maß und einem neuen Stil gefunden. Mit dem Ergebnis, dass die Frühjahrs-Staffel 2015 „66374“ die bislang beste Staffel in der Post-Beck-Ära gewesen ist.
Das liegt vor allem daran, dass die Serie inzwischen nicht nur stunttechnisch, sondern auch erzählerisch Mut beweist. Hervorzuheben sind hier insbesondere die Folgen Angst und Goal, welche die Serie thematisch auf völlig neues Terrain geführt haben. In Angst wird Susanne (Daniela Wutte) Opfer eines Raubüberfalls. Die noch minderjährigen Täter versuchen in der Folge alles, um Susanne einzuschüchtern und von ihrer Aussage abzubringen. In einem nie zuvor gesehenen Maße sehen sich die Figuren in einer Lage völliger Hilflosigkeit.
In Goal nimmt sich die Serie - auf bemerkenswert seriöse und engagierte Weise - des Themas Homosexualität im Profifussball an. Ein Thema, das man vielleicht im Tatort, bisher aber ganz bestimmt nicht in der „Cobra“ erwartet hätte. Ähnlich wie 24 den ersten schwarzen US-Präsidenten vorweggenommen hat, nimmt Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei hier fiktional den ersten offen homosexuellen Profifussballer in der Bundesliga vorweg. Das ist für die - in der Vergangenheit nicht ganz zu Unrecht - als Trashserie verschriene „Cobra“ schon sehr bemerkenswert.
Gleichzeitig wird die Serie auch in der Erzählweise immer experimentierfreudiger. Angefangen beim Aufbau der Staffel: Über Jahre hinweg galt die feste Regel, dass eine Staffel immer mit einem 90-Minüter beginnt. Diesmal wurde der 90-Minüter an die zweite Stelle geschoben - und in zwei Teile aufgesplittet mit einem Cliffhanger dazwischen. Überhaupt: Cliffhanger. Es gibt welche. Sogar das Staffelfinale geht mit einem solchen zu Ende.
Nicht nur auf der privaten, sondern auch auf der beruflichen (Fall-) Ebene werden zunehmend fortlaufende Handlungsstränge erzählt.
Gleichzeitig wird auch der Aufbau der Episoden viel variabler als früher angegangen. Herausragendes Beispiel dafür ist das Staffelfinale Tag der Abrechnung, welches den gleichen Zeitabschnitt wieder und wieder aus der Perspektive unterschiedlicher Figuren erzählt. Ja, so etwas kennt man natürlich schon aus US-Serien. Es ist nichtsdestotrotz sehr kunstvoll gemacht - und mit einem Level an Action, das man so nicht aus US-Serien kennt.
Die Folge ist hart und spannend. Das gilt umso mehr, wenn man im Hinterkopf hat, dass erst zu Beginn der Staffel eine jahrelange Stammfigur getötet wurde, was uns noch mal daran erinnert hat, dass - vielleicht mit Ausnahme von Semir (Erdogan Atalay) - Figuren in der „Cobra“ jederzeit das Zeitliche segnen können.
Die Action ist natürlich immer noch - nach realistischen Maßstäben - vollkommen übertrieben. Und doch hat sich auch hier etwas verändert. Hatte man früher den Eindruck, dass die Geschichten um die neuesten Einfälle der Stunt-Abteilung herum gestrickt wurden, sieht es jetzt tatsächlich danach aus, dass sich die Action in Art und Umfang nach den Geschichten richtet. Auf jeden Fall sind Action und Narration jetzt (wieder) besser aufeinander abgestimmt.
Gerade dienjenigen, die sagen, dass Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei immer der gleiche Sch... wäre, würde ich bitten, mal in das Staffelfinale reinzuschauen, und mir zu sagen, ob ich vollkommen den Verstand verloren habe, oder ob es nicht doch so ist, dass sich die Serie recht deutlich (und in eine sehr erfreuliche Richtung) weiterentwickelt hat.
Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 2. Mai 2015(Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei 37x08)
Schauspieler in der Episode Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei 37x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?