A.I.C.O. Incarnation: Review der Pilotepisode von Netflix

A.I.C.O. Incarnation: Review der Pilotepisode von Netflix

Nach Devilman Crybaby und B: The Beginning stellt Netflix seine dritte eigenproduzierte Animeserie vor. In A.I.C.O. Incarnation scheint etwas im Biotech-Labor schiefgegangen zu sein und ein Mädchen ist der Schlüssel. Hier ist unser Review zur ersten Folge.

Kanzaki und Aiko aus „A.I.C.O. Incarnation“ (c) Netflix
Kanzaki und Aiko aus „A.I.C.O. Incarnation“ (c) Netflix
© anzaki und Aiko aus „A.I.C.O. Incarnation“ (c) Netflix

Netflix präsentiert mit A.I.C.O. Incarnation aus dem Animationsstudio Bones seine nächste Anime-Eigenproduktion - einen futuristischen Biotech-Verschwörungsthriller, dessen Pilotfolge Contact wir zur Analyse ins Labor geschickt haben. Geht es für den Streamingdienst im Animebereich so vielversprechend weiter wie bisher?

Project A.I.C.O.

Mit dem Gefühl etwas verpasst zu haben, werden wir zu Beginn der Einstiegsfolge in einen verlassenen Forschungskomplex katapultiert, wo eine farbkodierte Sentai-Mechsuit-Einsatztruppe auf Rollschuhen dabei ist, von einer schlecht gelaunten Biomasse verfolgt zu werden. Der gefährliche Glibber könnte direkt aus „The Thing“ (beziehungsweise der obskuren Alien-Anime-Hybridversion „Lily C.A.T.“) oder dem Showdown von „AKIRA“ stammen und hat es verbissen auf die bunten Eindringlinge abgesehen. Beim Versuch, eine wertvolle Gewebeprobe mit der Seriennummer 0782 zu bergen, werden zwei von ihnen direkt verschlungen. Die übrige Gruppe kommt ebenfalls mit der Masse in Kontakt, was einen Flashback triggert, der uns in das oben erwähnte Verpasste einweiht.

Netflix
Netflix - © Netflix

Wie sich herausstellt, handelt es sich bei dem Gebäude um den Teil eines Komplexes, zu dem einst ein Krankenhaus samt Forschungsstation mit integrierter Schule gehörte. Hier geht das Mädchen Aiko Tachibana zum Unterricht und zur Reha, seit sie nach einem Vorfall, bei dem vermutlich ihre gesamte Familie umgekommen ist, im Rollstuhl sitzt. Kurz sieht es so aus, als würde sich ein weiterer Anime mit dem vernachlässigten Thema Behinderung auseinandersetzen (wie es zuletzt der Animefilm „A Silent Voice“ getan hat), aber daran ist man hier nicht interessiert. Stattdessen kommt eines Tages ein mysteriöser Junge auf die Schule, der dermaßen dreamy ist, dass Aiko sich wie von Zauberhand vor Schwärmerei aus ihrem Rollstuhl erhebt. Halleluja, wie wundervoll beknackt.

Der brütende Traumtyp mit wehendem Haar heißt Kanzaki. Nach einer weiteren Szene über die Papierflieger-Bastel-AG, auf die wir wirklich nicht weiter eingehen müssen, sucht er Aiko in ihrem alten zu Hause auf, in dem sie einige Habseligkeiten abholt. Hier birgt sie unter anderem ein Geschenk ihres Vaters: eine Glaskugel mit höchstwissenschaftlichem Zeugs im Inneren, das einen Flashback im Flashback auslöst. Aiko kommt allerdings kaum dazu, im erinnerten Todesmoment ihres Dads zu schwelgen, denn Kanzaki steht bereits in der Tür, um sie in seinen starken Armen von dannen zu tragen. Es ist nämlich nicht nur so, dass sie von zwielichtigen Gestalten überwacht und verfolgt wird, sie muss auch eine wichtige Person treffen, um etwas Unglaubliches über sich zu erfahren.

Bleibt während dieses geheimen Meetings nur noch zu klären, wie man einem jungen, verängstigten Mädchen schonend beibringt, dass sie nicht diejenige ist, die sie glaubt zu sein, und dass ihr Körper sich nicht normal verhält... Ach, ich weiß: Einfach mal mächtig was mit der Monster-Machete aufs Maul.

Fazit

A.I.C.O. Inicarnation“ besiegelt nun auch im Animebereich, dass Netflix-Eigenproduktionen kein Qualitätsgarant sind. Eigentlich keine Überraschung: Netflix schickt lediglich Koffer voller Geld nach Japan, wo die Studios ein Projekt pitchen, das der Besteller höchstens abnickt. Im Fall von „Devilman“ muss sich das Wort Remake verlockend für die Produzenten angehört haben und auch bei „A.I.C.O.“ ist der Appeal leicht zu sehen. Ein bisschen „The Thing“, ein bisschen Stranger Things, ein paar bunte Power Rangers... und das alles im Animegewand, das die Kids so mögen.

Leider hapert es trotz des erfahrenen Regisseurs Kazuya Murata an der Ausführung. Die Charakteranimation ist alles andere als flüssig und selbst besser animierte Szenen sind nicht wirklich gut zusammengestellt oder schön anzusehen. Vielmehr kommt das Feeling von austauschbaren 80er-Jahre-Grabbeltisch-OVAs auf, die damals den Markt überschwemmten. Dass zumindest die Story vom Mädchen, das unwissentlich die mächtige Kampfmaschine beziehungsweise das mächtige Monster ist, etwas hergibt, bleibt nach der ersten Probe zweifelhaft. Selbst in besseren Animes, wie dem aktuellen Violet Evergarden, wirkt dieser Kniff einfach nur noch abgedroschen.

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